Eisenacher Restaurants kämpfen in Corona-Zeiten ums Überleben

Eisenach.  Gaststätten aus Eisenach überbrücken die aufgrund der Covid-Epidemie angeordnete Schließzeit mit Lieferservice-Angeboten.

Mit einem Ständchen von Thomas Wagner (Thomasius Lerchensang) erhält die 80-jährige Inge Schmidt aus dem Eisenacher Nordwesten ihr bestelltes Mittagsmenü aus den Händen von Hotelier Udo Winkels, der verkleidet als Martin Luther auftritt (von links).

Mit einem Ständchen von Thomas Wagner (Thomasius Lerchensang) erhält die 80-jährige Inge Schmidt aus dem Eisenacher Nordwesten ihr bestelltes Mittagsmenü aus den Händen von Hotelier Udo Winkels, der verkleidet als Martin Luther auftritt (von links).

Foto: Norman Meißner

„Tischlein, deck dich“ muss keinesfalls nur auf eine Märchenlektüre oder einen Restaurantbesuch beschränkt bleiben. Einfach ein weißes Tischtuch aufschlagen und sich mit tropfendem Zahn an den gedeckten Tisch setzen, ohne sich zuvor stundenlang in der heimischen Küche an einem Festschmaus quälend zu schinden – das wird jetzt in Eisenach und Umgebung märchenhafte Wirklichkeit. „Die Esskultur in Eisenach ist gar nicht so schlecht und mein Gedanke ist, dass die Gastronomen, die derzeit ihre Restaurants geschlossen halten müssen, ihre Menüs einfach im Lieferservice anbieten“, begründet Manuel Tippach von Spitz-Entertainment sein selbstloses Engagement bei der grafischen Überführung einiger Speisekarten in die digitale Tauglichkeit sozialer Netzwerke. Er sorgt sich, dass Eisenachs hervorragende Küchenkultur mit der Corona-Epidemie-Krise baden geht; Restaurantbetriebe die schweren Wochen der Ansteckungsgefahr nicht überstehen. „Imbiss- und Fastfood-Anbieter haben ja viel mehr Erfahrung im Lieferservice als Restaurants“, erzählt Manuel Tippach. So gestaltete er beispielsweise die Speisekarten für die Pizzeria „Trattoria la Grappa“, für das Steakhouse „Lucky Luke“ und für die „Lutherstuben“ vom „Eisenacher Hof“ neu. Gegenüber den herkömmlichen Speisekarten informieren die virtuellen Ableger im neuen Design deutlich sichtbar auch über die Bestell-Rufnummer und die Küchenzeiten. „Mit einem Blick kann man ganz schnell bestellen“, sagt Manuel Tippach. Er findet, dass man sich gerade in dieser schwierigen Krise, die seines Erachtens noch einige Wochen anhalten werde, gegenseitig unterstützen muss. Der Lieferservice sei ein Baustein, um die schwierigen Wochen zu überstehen. „Die Kosten für Raummiete und die Angestellten läuft ja weiter“, fährt der „Speisekarten-Designer“ fort. Er freut sich, dass die „Lutherstuben“ mit herzhaften Festtagsmenüs dabei sind.

„Wir starten mit fünf Menüs und wollen die Karte mit saisonalen Gerichten, wie Spargel und Bärlauch weiter ausbauen“, erzählt Udo Winkels von den „Lutherstuben“. Er denkt über zehn bis fünfzehn Gerichte im Lieferservice nach. Mit frischer, vollwertiger Küche möchte er auftrumpfen. Sein Service ist gedacht für Feinschmecker, die sich gern im Restaurant verwöhnen lassen, aber aktuell nicht ausgehen dürfen.

Gerade in diesen schweren Zeiten überdenkt der Hotelier, der sich jüngst auch der Initiative „Heimat-Markt Eisenach“ anschloss, sein ganzes Konzept, sinniert wie sich nun Umsatzverluste halbwegs auffangen lassen. „Man muss sich gänzlich neu erfinden“, glaubt der Unternehmer schwerlich an ein schnelles Ende der Corona-Krise. Als Naturparkpartner rückt bei ihm natürlich die Nachhaltigkeit in den Vordergrund. Er habe jetzt Kontakt zu einem StartUp-Unternehmen aufgenommen, das in einer Pilotphase in großen deutschen Metropolen Mehrweggeschirr im Pfandsystem über gastronomische Lieferfirmen testet. Udo Winkels hofft, dieses Geschirr spätestens im Sommer gegen die noch verwendeten Wegwerf-Artikel austauschen zu können. Und auch auf das Auto möchte er bei der Auslieferung schon bald verzichten. „Ich überlege, zwei E-Bikes anzuschaffen und diese für den Speisentransport entsprechend umbauen zu lassen“, erzählt der Hotelier.

Jeweils zehn Liefergerichte haben die Restaurants „Trattoria La Grappa“ und „Lucky Luck“ auf der neuen Außer-Haus-Karte. „Kein Fisch, kein Fleisch – Salate, Nudeln, Burger, keine komplizierten Gerichte“, sagt Pasquale Esposito, Inhaber beider Gaststätten. Geliefert werde in Eisenach und im nahen Umkreis zwischen 16 und 21 Uhr. „Ab 30 Euro Bestellwert gibt es eine Flasche Wein umsonst“, ergänzt Pasquale Esposito.

Mit Außer-Haus-Verkauf ist beispielsweise auch Fleischermeister Frank Fischer vom Gasthaus am Waldbad in Mosbach oder das Burgerrestaurant „Eskinivvach Burger“ am Start. Dazu wurde in der Löbergasse extra ein Podest für den Fensterverkauf aufgebaut.