„Er schreibt wie er lebt, und er lebt wie er schreibt“

Eisenach  Im Erfurter Proof-Verlag veröffentlicht der in Lissabon lebende Eisenacher Konstantin Arnold seinen ersten Roman.

Konstantin Arnold schreibend über seinen Aufzeichnungen.

Konstantin Arnold schreibend über seinen Aufzeichnungen.

Foto: Catarina Fernandes

Eisenach. Das Weihnachtsfest verbrachte Konstatin Arnold (30) diesmal nicht in Eisenach, sondern in seiner Wahl-Heimat Lissabon, mit Freundin Catarina und deren Familie. Dass der Eisenacher seinen Lieben in Lissabon zum Fest eine deutsche Gans nach dem Rezept seiner Großmutter kredenzte, ist eine internationale Fußnote. Ein persönlicher Meilenstein ist dagegen das erste echte Buch des Autors, dem attestiert wird, mit einer ungekünstelten, prosaischen Leidenschaft zu schreiben. Er tut dies aus Passion und ohne intellektuelle Attitüde, hemdsärmelig und doch mit Stil.

"Libertin – Briefe aus Lissabon" ist nicht nur eine von einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe, Liebesabenteuern und großen Kleinigkeiten des Lissaboner Alltags getragene Liebeserklärung an die Stadt und ein Mädchen, es zeichnet auch die ungeschminkte Selbstreflexion, die der Kosmopolit und Autor bereits in jungen Jahren hinter sich hat. „Dieses Buch ist die innere Reise eines Künstlers, die Suche nach sich selbst und nach Wahrwerdung – voller Leben oder einer Vorstellung von Leben und dem Zwang, dieser Vorstellung gerecht zu werden“, heißt es auf der Klappe. Arnold selbst nennt es im Prolog einen „Gegenentwurf zur literarischen Attraktion“.

Texte des Schreibers Konstantin Arnold waren und werden in großen deutschsprachigen Zeitungen gedruckt, in der Neuen Züricher, der Frankfurter Rundschau, der Welt, der FAZ oder der Jungen Welt, auch auf seiner Internetplattform Bynd-mag.com hat der Genussmensch mit Bescheidenheits-DNA bereits einiges Material veröffentlicht, was nun im Buch buchstäblich verbunden wurde, mit Leidenschaft gebunden und mit Liebe gestaltet vom Erfurter Proof-Verlag. Beide Seiten teilen viele Werte, können miteinander. Nun erhoffen sich Verlag und Autor einiges von dieser Liaison.

"Libertin – Briefe aus Lissabon" könnte der Beginn einer langen Freundschaft werden. Von zahlreichen Verlagen hatte der Eisenacher eine Absage bekommen, worum er mittlerweile nicht böse ist. Auf Zwänge der Elite lässt sich Konstantin Arnold nicht mehr ein, auch nicht als Autor für Gazetten. Er verbiege sich um keinen Preis, auch wenn er das Geld oft nötig hätte. Arnold ist ein Freigeist mit Prinzipien, dem Hang zu ironischer Sentimentalität, mit einer bemerkenswerten Feder und angeborenem Laissez Fair. Mutter Christina übrigens legte ihrem Filius Proof und dessen Verlags-Kopf Maik Stock nahe und hatte damit aus Sicht ihres Sohnes „"al wieder recht".

In unadressierten Briefen aus Lissabon erzählt der Eisenacher mit portugiesischer Wahlheimat und Weltenduft die autobiografisch geprägte Geschichte einer Landung und Entdeckung. Konstantin Arnold lässt bei der Ich-Spiegelung nichts aus, beschreibt Phasen mit Ankunft und Anlauf, Aufprall und Aufstieg und endet mit einem Anfang. Denn es bleibt die Erkenntnis, dass jedem Ende, jedem Irrtum ein Anfang innewohnt. Er schreibt dies alles mit natürlicher Leidenschaft auf. Er schreibt, um des Schreibens willen, würdigt das Magazin C-Heads. „Er schreibt wie er lebt, und er lebt wie er schreibt."

Auf dem Weg zu "Libertin – Briefe aus Lissabon", zum „ewigen Buch", haben den Autor auch Eisenacher begleitet und inspiriert, André Reinsch im Antiquariat am Bachhaus zum Beispiel oder die Kommune in der Kurstraße 8, wo Arnold seit Jahren weltgewandter Teil eines Schmelztiegels kleinstädtischer Subkultur ist. Mit dem Erstling "Libertin – Briefe aus Lissabon" hat Konstantin Arnold bei allem Herzklopfen, Demut und Dankbarkeit bereits abgeschlossen. Er arbeitet längst an der Fortsetzung. Parallel hat der Drehbuchautor und Filmemacher Pascal Thieret den auf dem Buch basierenden Film „Libertin" in Arbeit. Im Frühjahr 2019 war der Münchner mit einem kleinen Team in Lissabon gewesen und hatte damit begonnen, sein Skript zu verfilmen. Corona nahm dem Projekt und vor allem dessen Finanzierung allerdings den Wind aus den Segeln. Der Trailer jedoch zeigt, welcher talentierte Filmemacher Pascal Thieret ist.

Leidenschaftsraucher Konstantin Arnold spielt in „Libertin" selbst mit. Die Stadt Lissabon zieht leider nicht so mit, wie sich die Filmemacher das wünschten. „Die Stadt begrüßt jede touristische Werbung, auch das Buch, hält sich bei der finanziellen Unterstützung aber leider zurück", bedauert Konstantin Arnold. Am Filmprojekt halten die Initiatoren aber fest.

"Libertin – Briefe aus Lissabon", erschienen im Proof-Verlag, 339 Seiten, Preis 19,90 Euro, ISBN 978-3-949178-00-9