Nach Explosion in Eisenacher Nazi-Treffpunkt: CDU spricht von neuer Eskalationsstufe

Eisenach  Anwohner werden in der Nacht von einem lauten Knall geweckt. Die Polizei geht von einer politisch motivierten Tat aus.

Ein Polizist bei der Spurensicherung vor der Kneipe "Bull's eye" in Eisenach: In der gern von Rechtsextremen besuchten Gaststätte hat es am frühen Montagmorgen eine Explosion gegeben. Die Polizei geht von einer politisch motivierten Straftat aus.

Ein Polizist bei der Spurensicherung vor der Kneipe "Bull's eye" in Eisenach: In der gern von Rechtsextremen besuchten Gaststätte hat es am frühen Montagmorgen eine Explosion gegeben. Die Polizei geht von einer politisch motivierten Straftat aus.

Foto: Norman Meißner

In der von Rechtsextremen gern besuchten Szenekneipe "Bull's Eye" in der Mühlhäuser Straße in Eisenach hat es am Montagmorgen gegen 4.45 Uhr eine Explosion gegeben. Anwohner berichteten, sie seien in der Nacht von einem lauten Knall geweckt worden.

Die Druckwelle zerstörte ein Fenster der Gaststätte stark, Scherben verteilten sich bis auf die Straße. Ein Auto, was vor dem Haus parkte, wurde ebenfalls beschädigt. Splitter und Fensterteile flogen bis auf die Nachbargrundstücke gegenüber. Die Polizei brachte nicht nur die Anwohner dieses, sondern auch eines Nachbarhauses in Sicherheit und forderte Sprengstoffspezialisten an, offenbar um eine neben dem Auto liegende weitere schwarze Plastiktüte zu entschärfen. Ob sich darin tatsächlich noch explosionsfähiges Material befand, hat die Polizei bislang nicht bestätigt.

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Kampfmittelräumdienst setzt ferngesteuertes Fahrzeug ein

„Als ich aufstand nach sieben Uhr morgens, sah ich plötzlich einen Roboter auf der Straße, der sich in Richtung des Autos bewegte“, schildert eine Anliegerin unserer Zeitung die Situation. Das ferngesteuerte Fahrzeug vom Kampfmittelräumdienst wurde eingesetzt, um weitere Materialien zu bergen. Auch am späteren Vormittag roch es streng nach Buttersäure im Umfeld des Tatortes.

Die Mühlhäuser Straße blieb wegen des Polizeieinsatzes zwischen Friedhof und Thälmannstraße über Stunden gesperrt. Man gehe von einer politisch motivierten Straftat aus, hieß es von einer Sprecherin der Landespolizeiinspektion Gotha. Das Thüringer Landeskriminalamt wurde eingebunden.

Mit roter Farbe wurde in der gleichen Nacht an die Außenfassade der Gaststätte der Schriftzug „Fight Nazis Everyday“ und das Venussymbol als Weiblich-Zeichen gesprüht. Geprüft wird deshalb, ob die neue Tat am Montag mit der Leipziger Linksextremistin Lina E. in Zusammenhang stehen könnte.

Im vergangenen Jahr ließ die Bundesanwaltschaft diese am 5. November wegen diverser Delikte festnehmen. Vorgeworfen wurde ihr unter anderem, auch den Überfall auf das „Bull's Eye“ vom 19. Oktober 2019 geplant und verübt zu haben. Damals sollen sie und weitere Täter der linken Szene in die Räume eingedrungen und Besucher mit Schlagstöcken, Reizgas und Fäusten angegriffen und zum Teil erheblich verletzt zu haben. Wochen später wurde der Inhaber, der Kontakte zur rechten Eisenacher Szene hat, erneut angegriffen und verletzt.

CDU-Innenexperte spricht von neuer Eskalationsstufe

Der Innenexperte der Thüringer CDU, Raymond Walk, sprach am Montag von einer neuen Eskalationsstufe politisch motivierter Gewalt. Die Straftaten in diesem Bereich stiegen in den letzten Jahren deutlich an, so der Innenpolitiker. Das vermerkt unter anderem auch der Bericht der Parlamentarischen Kontrollkommission, der im Thüringer Landtag vorgestellt wurde. 2019 waren es demnach gesamt 2493 Straftaten in diesem Bereich, die Zahl der links motivierten Vorfälle verdoppelte sich.

Seit mehreren Jahren sind Ermittler in Eisenach immer wieder mit politisch motivierten Straftaten von linker wie rechter Szene beschäftigt, seien es Schmierereien, Plakatierungen oder Übergriffe

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