Fachmarktzentrum entsteht bis Ende 2020 im „Tor zur Stadt“

Eisenach  Zur Grundsteinlegung am Montag sind Umweltministerin Anja Siegesmund und Investor Michael May gekommen

So soll das neue Fachmarktzentrum im „Tor zur Stadt“ in der Bahnhofstraße aussehen. Der Baukörper ist in den Höhen gestaffelt. In den beiden oberen Geschossen befindet sich das Parkhaus mit rund 630 Plätzen.

Foto: May & Co./Ax5 architekten

Eine Tageszeitung steckt in der Hülse, dazu ein Zollstock und die Baugenehmigung. Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) und Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) versenken am Montag die „Zeitkapsel“ im Fundament des neuen Fachmarktzentrums gemeinsam mit Investor Michael May und dessen Beauftragten für das Eisenacher Vorhaben, Christian Kolb.

Siegesmund spricht von einer „guten Verknüpfung“ von Umweltsanierung, Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung. Der Freistaat hat seit Beginn des Projektes „Tor zur Stadt“ elf Millionen Euro bereitgestellt, um die Hinterlassenschaften der alten Farbenfabrik zu beseitigen. Für die Ministerin ist es „gut angelegtes Geld“. Schließlich seien 110 Tonnen „hochgradig verunreinigten Bodens“ fachmännisch entsorgt worden. Eingeschlossen sei die weitere Überwachung des Grundwassers.

80 Arbeitsplätze sollen entstehen. Das ist die Zahl, die von Anfang an genannt worden ist, auch wenn es inzwischen den dritten Investor gibt. Aber jetzt passiert Sichtbares. Die ersten Stützpfeiler für das Fachmarktzentrum sind montiert. Stützen, Unterzüge, Decke – aus diesen Betonfertigteilen wachsen die Etagen in die Höhe. Bis zum Winter soll der Rohbau abgeschlossen sein, damit der Innenausbau beginnen kann. Die Einweihung des Fachmarktzentrums ist Ende des Jahres 2020 vorgesehen. Die Verkaufsfläche wird 8000 Quadratmeter groß.

Hotel und Tagungshalle sollen bis 2022 folgen

Hauptmieter ist die Handelskette „Kaufland“, die den Standort in der Innenstadt zusätzlich zu dem in Hötzelsroda betreiben wird. Außerdem wird sich die Drogerie „Rossmann“ ansiedeln. Mit weiteren Mietern ist man laut Kolb noch in Gesprächen. Kombiniert ist das Fachmarktzentrum mit einem Parkhaus in den oberen Geschossen, das rund 630 Plätze umfasst. „Wir bleiben selber der Betreiber“, informiert der Beauftragte des Investors. Bei den Gebühren werde sich daran orientiert, was in der Innenstadt üblich ist.

In einem weiteren Schritt, so Kolb, werden das Hotel und die Tagungshalle gebaut. Seiner Aussage nach geht das nicht parallel, weil die dafür vorgesehen Fläche – der frühere Stadtbusbahnhof – aktuell als Baustelleneinrichtung gebraucht wird. Als Termin einer möglichen Fertigstellung von Hotel und Tagungshalle nennt Kolb das Jahr 2022. Man sei mit Interessenten im Gespräch, auch mit zwei, drei aus der Region. Eine solche Investition gegenüber dem Hauptbahnhof sei ein „toller Standort“. Ob er damit in Eisenach kursierende Gerüchte entkräften kann, wonach Hotel und Tagungshalle eine Utopie bleiben?

Die Oberbürgermeisterin erinnert daran, dass der Weg, überhaupt bis zur Grundsteinlegung am Montag zu kommen, ein oft holpriger gewesen ist. Für sie sei besonders schwierig gewesen, als der Stadtrat seinerzeit mit knapper Mehrheit dem Bau einer Einkaufs-Mall mit 35 kleinen Läden zugestimmt hatte. „Das hätte klar die Innenstadt gefährdet“, so Wolf. Sie sei deshalb froh gewesen, dass kritische Bürger ein Umdenken gefordert haben. Die Planerwerkstatt sei ins Leben gerufen und mit der May-Gruppe ein Investor gefunden worden, der laut OB „seriös ist“ und sich „im Dialog mit der Bürgerschaft“ an den Start gemacht hat. Auch wenn nicht alle Wünsche der Planerwerkstatt eins zu eins umgesetzt werden, ist es laut Wolf „ein guter Kompromiss“ geworden.

Lobende Worte der Umweltministerin

In zwei Jahren, davon zeigte sich auch die Umweltministerin überzeugt, wird das „Tor zur Stadt“, das heute den Namen noch nicht verdiene, wirklich ein „Tor zur Stadt“ sein. Sie freue sich sehr für Eisenach, dass eine alte Industriebrache eine neue Nutzung erhält, ohne weitere Flächen zu versiegeln.

Kritiker des Vorhabens hatten geltend gemacht, dass die Baugenehmigung erteilt worden ist, ohne das Verfahren zum Bebauungsplan abzuwarten. Wolf dazu am Rande der Grundsteinlegung: „Das B-Plan-Verfahren steht kurz vor dem Abschluss.“ Die Planreife habe aber ausgereicht, um eine Baugenehmigung erteilen zu können. Gegebenenfalls müsse sich der Investor Änderungen im Bebauungsplan unterwerfen.

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