Förderkreis wirft hin: Stadt Eisenach soll Geländer abholen

Eisenach.  Die Verwaltung bleibt bei starrer Haltung, obwohl die Denkmalfachbehörde eine Sanierung der historischen Brüstung befürwortet.

Vor einigen Wochen half die Stadt noch das Geländer mit abzubauen, um es in die Werkstatt von Schlosser und Kunstschmied Horst Biehler bringen zu lassen. Das Bild zeigt das Geländer kurz vor dem Abbau. 

Vor einigen Wochen half die Stadt noch das Geländer mit abzubauen, um es in die Werkstatt von Schlosser und Kunstschmied Horst Biehler bringen zu lassen. Das Bild zeigt das Geländer kurz vor dem Abbau. 

Foto: Johanna Bauer / Förderkreis zur Erhaltung Eisenachs

In der Diskussion um die Sanierung des historischen Geländers am Nikolaitor gibt es eine überraschende Wende. Der Förderkreis zur Erhaltung Eisenachs wird das Geländer, dessen Restaurierung der Verein finanziell komplett übernehmen wollte, an die Stadt zurückgeben. Hintergrund der Entscheidung ist der Umstand, dass die Stadt beziehungsweise das Tiefbauamt diese Rückgabe verlangt hat. „Wir sind raus, es reicht uns“, sagte die Vereinsvorsitzende Ingrid Pfeiffer gegenüber unserer Zeitung.

Die Rückforderung, zum Teil auch hinter dem Rücken des Vereins, war für die Aktiven des Förderkreises ein letzter Schlag ins Gesicht. Seit über drei Jahren hatte man sich bemüht, das historische Geländer in dem denkmalgeschützten Areal um die Nikolaikirche sanieren zu dürfen. Selbst die Tatsache, dass die Stadt hier einen fünfstelligen Betrag hätte geschenkt bekommen, hielt sie nicht davon ab, immer wieder mit neuen Forderungen auf den Verein zuzukommen (unsere Zeitung berichtete).

Auch das Landesamt für Denkmalpflege befürwortet den Wiederaufbau des historischen Geländers. Nach Auffassung der Fachbehörde sollte die Stadt nach Lösungen suchen, um das historische Geländer zu erhalten und den gültigen DIN-Vorschriften gerecht zu werden. Das war das Ergebnis eines Vor-Ort-Termins vor kurzem. Martin Baumann vom Landesamt für Denkmalpflege erklärte erst am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung, dass er sich als Kompromisslösung zum einen eine Absenkung des Bodens vor dem Geländer vorstellen kann, was dazu führen würde, dass das Geländer automatisch höher und absturzsicher wird.

Zum anderen könnte ein Untergurt und ein dünnes, kaum sichtbares Drahtgitter direkt hinter dem Geländer eine mögliche Verletzungs- und Sturzgefahr von Kleinkindern beseitigen. Baumann lobte das Engagement des Förderkreises für die Stadt ausdrücklich. Aus der städtischen Pressestelle hieß es auf Anfrage nur, dass ein Antrag auf denkmalschutzrechtliche Erlaubnis für einen Entwurf am 5. Oktober – noch vor dem Vor-Ort-Termin mit Baumann – gestellt wurde. Um welchen Entwurf es sich handelt, ließ man jedoch offen. „Jetzt ist die Denkmalbehörde am Zug, das historische Geländer zu schützen“, sagte Ingrid Pfeiffer.