Förster: „Es wird gefährlich werden, im Wald spazieren zu gehen“

Creuzburg  Eine Initiative gegen das Waldsterben lockt 60 Interessierte zu einer Podiumsdiskussion in den Festsaal der Creuzburg.

Bei einer Tour zum Thema „Wald im Klima-Wandel“ im Frühjahr zeigte Forstarbeiter Uwe Bücher, wie Pflanzlöcher für das Aufforsten entstehen.

Bei einer Tour zum Thema „Wald im Klima-Wandel“ im Frühjahr zeigte Forstarbeiter Uwe Bücher, wie Pflanzlöcher für das Aufforsten entstehen.

Foto: Norman Meißner

„Es ist möglich, dass wir auch Bäume aus der Toskana in Thüringen pflanzen werden“, sagt Thüringenforst-Vorstand Jörn Ripken am Montagabend im Festsaal der Burg Creuzburg. Dennoch setzen Thüringer Forstexperten vordergründig auf heimische Baumarten. Trotz des mit dem Klimawandel einhergehenden Waldsterbens. „Wir werden ja schon für die Douglasie angefeindet“, verdeutlicht Jörn Ripken auf der Creuzburg, welcher Zündstoff in der Suche nach den Bäumen der Zukunft steckt.

60 Forstleute, Kommunalpolitiker, Waldbesitzer und -freunde interessierten sich für die Diskussionsrunde, zu der die Mitte Juli formierte „Initiative zur Rettung der Thüringer Wälder mit entsprechendem Maßnahmenpaket“ eingeladen hatte.

Initiatoren übergeben einen offenen Brief

Die Initiatoren sind die Bürgermeister von Treffurt, Michael Reinz (parteilos), von Mihla, Rainer Lämmerhirt (UWG), von Creuzburg, Ronny Schwanz (CDU), sowie der Vorsitzende des Vereins Naturpark „Thüringer Wald“, Tilo Kummer, und der stellvertretende Vorsitzende des Vereins der Freunde des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal, Lutz Kromke. In einem offenen Brief, der bei dem Treffen an Klaus Sühl (Linke) vom Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft übergeben wurde, bitten sie um Unterstützung. „Mit der Kraft der Kommunen allein ist es nicht zu stemmen, das Waldsterben aufzuhalten“, betont Mihlas Bürgermeister Lämmerhirt.

Staatssekretär Klaus Sühl weiß, dass die Erholung der Wälder Jahrzehnte dauern und vor allem viele freiwillige Partner und Unterstützer sowie richtig viel Geld benötigen wird. Er spricht von mindestens 500 Millionen Euro, die das Land Thüringen in den nächsten zehn Jahren bereitstellen müsste.

Die Baumbestände, die derzeit in den Wäldern stehen, seien nicht in die Zukunft zu retten, da auch Buche, Eiche und Lärche unter den klimatischen Veränderungen leiden. Sühl wünscht sich, dass Kahlflächen schnell wieder zu Wäldern werden. Übereilte Pflanzaktionen bringen aber wenig. Zunächst sei auszuloten, welche Arten auf welchen Standorten die langen Durststrecken überleben. Zudem sei nicht mal genug Pflanzmaterial da, um die Flächen mit neuen Bäumen zu bepflanzen.

Im Hainich seien besonders schlimm die trockenen Südwesthänge betroffen, wo die Rotbuche stark absterbe, so der stellvertretende Nationalparkleiter Rüdiger Biehl. Er sieht den bewirtschaftungsfreien Hainich als Referenzfläche für wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn.

„Wir haben Unmengen an Holz liegen, das dringend aus dem Wald gebracht werden müsste“, sagt Treffurts Bürgermeister Michael Reinz und hofft damit, dass entsprechende Fördermittel schnell zu den Kommunen kommen.

Dem Bürgermeister der Gemeinde Hörselberg-Hainich, Bernhard Bischof (CDU), sei sprichwörtlich das Herz stehen geblieben, als er den Wald am Hörselberg sah. Derzeit sei kein Harvester, eine Holzrückemaschine, zu bekommen, um befallene Bäume aus dem Wald zu holen. „Wir stehen relativ hilflos da, das ist mein Empfinden – irgendwo hat der Mensch überzogen“, betont Bischof.

Hilflosigkeit bei den Kommunen

Die Ursachen der aktuellen Schäden macht der pensionierte Forstmann Bernd Büttner nicht nur am Klima fest. „Wenn man den Forstschutz ernst genommen hätte, wäre es vermeidbar gewesen, was man dem Wald angetan hat“, sagt er. Beispielsweise zählt er den Sommereinschlag in der Buche auf oder den oft unterlassenen und zu späten Einsatz von chemischen Bekämpfungsmitteln gegen den Borkenkäfer. „Ein Bekannter hat in seinem Forstrevier frühzeitig Chemie eingesetzt und hat sehr wenig Borkenkäferbefall“, erzählt Ralf Pollmeier vom Sägewerk in Creuzburg. Junge Forstleute wüssten heute oft nicht, so Bernd Büttner, was Fangbäume sind und wie man diese richtig platziere, um Borkenkäferbefall einzudämmen.

„Es wird gefährlich werden, im Wald spazieren zu gehen“, prophezeit Ansgar Pape, Leiter des Forstamts Marksuhl, „wir können nicht alles umlegen, was an den Wegen steht.“ Bei Neuaufforstungen sorgen sich die Forstleute nicht nur um mangelndes Regenwasser, sondern auch um hungriges Wild, das zu gern an den frischen Baumsetzlingen nascht.

Andreas Heidenreich ist Stadtrat in Treffurt und Jäger. „Ich würde gerne einen Beitrag leisten, damit der Wuchs der jungen Bäumchen nachkommt, aber der Jahresabschlussplan reglementiert mich“, sagt er. „Die eingesetzten Mittel sind Insektizide, damit bringen wir auch andere Tiere um“, gibt der Leiter des Forstamtes in Creuzburg, Dirk Fritzlar, zu bedenken.

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