Gedenktafel erinnert an Unrecht durch Militärtribunal

Rüdiger Schwanz
| Lesedauer: 3 Minuten
Stefan Krikowski und Enkelin Tanja Hartmann (rechts) erinnern in der Bergstraße in Treffurt an das Schicksal von Heinz Baumbach, dessen Foto auf dem Tisch steht. An der Fassade seines Wohnhauses ist jetzt eine kleine Gedenktafel angebracht.

Stefan Krikowski und Enkelin Tanja Hartmann (rechts) erinnern in der Bergstraße in Treffurt an das Schicksal von Heinz Baumbach, dessen Foto auf dem Tisch steht. An der Fassade seines Wohnhauses ist jetzt eine kleine Gedenktafel angebracht.

Foto: Rüdiger Schwanz

Treffurt  Heinz Baumbach wird 1952 in Treffurt verhaftet und in Moskau erschossen. Forscher erkunden, was geschehen ist.

Den Namen Heinz Baumbach kennen in Treffurt nur noch die älteren Menschen. Die Cousinen sprechen heute noch von einem liebenswerten Menschen, wenn sie über ihn reden. Dabei wurde Heinz Baumbach nur 26 Jahre alt. Die Tragödie des jungen Mannes und seiner Familie wurde erst in den letzten Jahren so richtig deutlich und sichtbar.

Diese Tragödie offenbart, wie grausam auch nach dem Krieg Menschen zu Tode kamen, die Opfer willkürlicher Politik der Sowjets wurden. Erst die 1989 gegründete Gesellschaft „Memorial international“ begann mit der Aufarbeitung dieses dunklen Geschichtskapitels. Die Forschung in den Archiven förderte da teilweise Ungeheuerliches zutage.

Mittlerweile ist eine würdige Form der Ehrung gefunden. Beginnend in Russland, der Ukraine und in Moldawien, hat man nun erstmals in Deutschland in Treffurt eine Gedenktafel am einstigen Wohnhaus eines Opfers angebracht. Voraus gingen in Treffurt zahlreiche Kontakte und Gespräche, die Heinz Baumbachs Tochter Hannelore Schwanz und Enkelin Tanja Hartmann mit den Geschichtsforschern geführt haben. Selbst das Untersuchungsgefängnis in der Potsdamer Leistikowstraße, ein beklemmender Ort, in dem unter Folter die Geständnisse erpresst worden waren, hatten die beiden besucht und erfuhren dort, wie es politischen Häftlingen ergangen war. Hierher war Heinz Baumbach am 10. Mai 1952 verschleppt worden, nachdem man ihn während eines Urlaubs in seinem Heimatort Treffurt unter einem Vorwand ins Rathaus gelockt und dort verhaftet hatte.

Oberster Sowjet lehnt Gnade ab

Vorgeworfen wurde ihm die Mitgliedschaft in einer Widerstandsgruppe von Meuselwitzer Schülern. Heinz Baumbach war 1944 noch in den Krieg eingezogen worden, bald aber in amerikanische und später britische Gefangenschaft geraten. Er kehrte 1948 aus Gefangenschaft zurück, heiratete 1950 und nahm nach der Geburt der Tochter im Januar 1951 Arbeit beim Wismut-Erzbergbau in Oberschlema auf.

Nach seiner Verhaftung wurde er am 16. Juli 1952 zum Tode verurteilt. Seinem Gnadengesuch, das Baumbach im August an das Präsidium des Obersten Sowjets richtete, wurde nicht entsprochen und so das Todesurteil durch Erschießen am 23. Oktober 1952 in Moskau vollstreckt. Nach jahrelangen vergeblichen Nachforschungen erhielt die Ehefrau Brigitte im August 1966 eine falsche Sterbeurkunde, die als Todesdatum den 23. Oktober 1954 angibt.

Das Gesetz der Russischen Föderation „Über die Rehabilitierung von Opfern politischer Repressionen“ von 1991 verhalf auch Heinz Baumbach zur Rehabilitation. Die Entscheidung wurde von der Militärhauptstaatsanwaltschaft am 24. Januar 1996 getroffen und ging im Juli 2002 der Tochter zu.

Nun ist die kleine Gedenktafel in der Bergstraße in Treffurt angebracht. Auch Nikolay Ivanov und Marina Bobrik von der Stiftung „Letzte Adresse, Moskau“, Anke Giesen von Memorial International und Deutschland sowie Stefan Krikowski von der „Lagergemeinschaft Workuta/Gulag Sowjetunion“ waren dabei.

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