Geistliches Wort: Gottes Spuren neu entdecken

Das Wort zum Sonntag von Pfarrerin Kathrin Stötzner zur Frage, welche Spuren ich selbst hinterlassen will.

Pfarrerin Kathrin Stötzner.

Pfarrerin Kathrin Stötzner.

Foto: Norman Meißner

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Barfuß im duftenden Gras, barfuß am Strand – Inbegriff für Urlaub. Ich freue mich darauf, solche Spuren zu hinterlassen und selber auf Spurensuche zu gehen in der Natur oder in fremden Städten, Burgen und Kirchen.

Eine kleine Geschichte erzählt von einem französischen Gelehrten, der mit arabischen Forschern die Wüste durchquert. Bei Sonnenuntergang breiten die Muslime ihre Teppiche aus und beten. „Was machen Sie da?“, fragt der Gelehrte einen von ihnen. „Ich bete zu Allah.“ „Haben Sie ihn denn schon jemals gesehen?“, will der Franzose wissen. „Nein“, schüttelt der Araber den Kopf. „Aber wie können Sie dann an ihn glauben?“

Am nächsten Morgen kriecht der gelehrte Franzose aus seinem Zelt und stellt überrascht fest:„Hier ist heute Nacht ein Kamel gewesen.“ „Woher wollen Sie das wissen, haben Sie es denn gesehen?“, fragt sein arabischer Nachbar. „Nein, aber man sieht doch rings um das Zelt die Fußspuren!“ Da zeigt der Araber zum Horizont, wo die Sonne gerade aufgeht: „Und dort, sehen Sie, die Fußspur Gottes!“

Ich finde, Urlaubszeit ist eine wunderbare Gelegenheit, um Gottes Spuren neu zu entdecken: beim Sonnenaufgang am Meer oder unter dem Sternenhimmel, in der Stille einer Kirche oder in der Begegnung mit anderen Menschen.

Und zugleich bietet ein Urlaub die Möglichkeit, mit Abstand auf das eigene Leben zu blicken und zu fragen: Bin ich auf der richtigen Spur? Und welche Spuren will ich selber hinterlassen?

Kathrin Stötzner ist Pfarrerin im Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen.

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