Gesundheitsamt in Wartburgregion wird personell aufgestockt

Wartburgregion.  Eltern schütteln den Kopf über fehlende Kommunikation bei angeblicher Infektion in einer Klasse des Ernst-Abbe-Gymnasiums.

Ein Sanitäter nimmt in einem Seniorenpflegeheim Abstriche für Coronatests.

Ein Sanitäter nimmt in einem Seniorenpflegeheim Abstriche für Coronatests.

Foto: Peter Michaelis

Das für die Stadt Eisenach und den Wartburgkreis zuständige Gesundheitsamt wird wegen der stetig steigenden Corona- und Quarantäne-Fallzahlen in der Region personell deutlich aufgestockt. Zu den bereits jetzt dort tätigen Mitarbeiten kommen nach und nach weitere 70 hinzu. Alle Entwicklungen im kostenlosen Corona-Live-Blog

„Wir müssen sehen, dass wir die Leistungsgrenze der Mitarbeiter und des Amtes an sich nicht übersteigen“, so Landrat Reinhard Krebs (CDU). Die neuen Mitarbeiter sind eigentlich nicht neu, sondern kommen aus so gut wie allen anderen Ämtern des Landratsamtes und haben sich freiwillig für den Hilfseinsatz gemeldet.

Zwar ist im einstigen Kreistagssaal eine Art Callcenter eingerichtet, die nun hinzukommenden Helfer werden diesen Dienst aber von ihren eigentlichen Schreibtischen im Landratsamt erledigen.

Viel Arbeit gibt es durch die zu betreuenden Quarantänefälle

Es sind zwei Dinge, die vor allem viel Arbeit im Gesundheitsamt erfordern. Da sind zum einen die steigenden Neuinfektionen mit Corona an jedem Tag, wo es gilt die Kontaktnachverfolgung sicherzustellen. Amtsärztin Helena Maier schätzt, dass das Amt mit der personellen Verstärkung bis zu einem Inzidenzwert von 100 (Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen auf 100.000 Einwohner) diese Arbeit in jedem Falle sicherstellen kann.

Der zweite große Arbeitsbereich sind die nach oben schnellenden Quarantänezahlen. Die liegen mittlerweile bei rund 900. Ob die Betroffenen die Quarantäne einhalten, wird mit Anrufen kontrolliert. „Wir verstehen das aber eher als Quarantänebetreuung, weniger als Kontrolle. Schließlich bedeutet so eine Quarantäne auch eine psychische Belastung“, so Amtsärztin Maier. Deshalb kümmere man sich darum, wie die Menschen die Zeit durchstehen, biete Hilfe an oder einfach nur das Gespräch.

Viele Gesundheitsämter seien schon nicht mehr dazu in der Lage, sondern würden nur noch elektronisch mit den Menschen in Quarantäne in Kontakt stehen. „Wir wollen es aber so lange wie möglich aufrechterhalten“, so Maier. Sie schätzt bis zu einer Zahl von 2000 Betroffenen könne das Gesundheitsamt dies vielleicht noch leisten.

Aktuell bleibt es dabei, dass im Wartburgkreis die Zahl der Neuinfektionen schnell ansteigt. In 24 Stunden (Stand 18. November 13 Uhr) kamen weitere neun Infektionen hinzu, so dass es im Wartburgkreis nun 112 Fälle gibt. Die Schwerpunkte bleiben in Bad Salzungen (17 Fälle), Dermbach (13), Ruhla/Seebach (10), Hörselberg-Hainich und Hainich-Werratal (je 9) sowie Werra-Suhl-Tal (8). In der Stadt Eisenach gibt es 35 Fälle und damit einen mehr als am Vortag. Bei den Inzidenzwerten (Stand 18. November, 0 Uhr) liegt laut Robert-Koch-Institut der Kreis mit 53,8 knapp über dem zweiten Grenzwert von 50, die Stadt Eisenach dagegen mit nur 18,9 noch deutlich unterhalb des ersten Grenzwertes von 35.

Kopfschütteln bei den Eltern

Und dann gibt es diesen Fall: Noch immer schütteln Eltern der Unterstufe am Ernst-Abbe-Gymnasium den Kopf, wenn sie an die Kommunikation mit dem Gesundheitsamt in den letzten Tagen denken. Hintergrund: Eltern einer fünften Klasse hatten am Sonntag per E-Mail erfahren, dass es in der Klasse ihrer Kinder einen positiv getesteten Fall gibt.

Es gab jedoch keine Information an sie, inwiefern eine Quarantäneregelung für ihre Kinder und sie als Eltern in Kraft treten soll. Eigene Anrufe beim Gesundheitsamt blieben ohne ausreichende Erklärung. Auch unsere Zeitung versuchte mehrfach, an eine verbindliche Information zu kommen.

Anfangs dementierte das Amt sogar die Neuinfektion des Schülers, Dienstagnachmittag räumte die Amtsärztin dann gegenüber unserer Zeitung auf mehrfache Nachfrage ein, dass der Schüler der besagten fünften Klasse des Ernst-Abbe-Gymnasiums positiv getestet wurde.

Eine Quarantäne der anderen Schüler oder Lehrkräfte habe jedoch nicht angeordnet werden müssen, weil der besagte Schüler laut Maier untypische Symptome hatte. Demnach sei er nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes nur zwei Tage vor der Testung – die erfolgte Donnerstag – ansteckend gewesen. An diesem Tag war das Kind aber nicht mehr in der Schule.

Seit Mittwoch gibt es aber in der besagten Klasse einen weiteren positiven Fall. Am Vormittag erfolgte dann auch die Quarantäne für die betroffene Klasse.

Einen Schwerpunktfall gab es am Mittwoch in einem Pflegeheim in Bad Liebenstein. Dort waren am Montag zwei Patienten nach Aufnahme im Salzunger Klinikum positiv auf das Virus getestet worden. Daher wurden alle Bewohner und Mitarbeiter einem Antigen-Schnelltest unterzogen, der weitere positive Ergebnisse ergab.

Da diese Schnelltests bei positiven Ergebnisse fehlerhaft sein können, wurden diese Personen isoliert, ein weiterer Test durchgeführt und an ein Labor geschickt. Die Werte liegen noch nicht vor. Schnelltests seien mittlerweile für alle Pflegeheime verfügbar und könnten nach den jeweils dort aufgestellten Test-Konzepten angewendet werden, so Maier.