Heimatgeschichten: Das Werratalmuseum Gerstungen

Gerstungen  Unsere Zeitung stellt Museen oder Heimatstuben der Region vor, in dieser Folge das Werratalmuseum Gerstungen. Ein Haus, das auch für Einheimische nie langweilig werden soll.

In einer Dauerausstellung wird die farbenfrohe Werra-Keramik präsentiert. 34 Töpferwerkstätten zählte die Stadt um 1860.

In einer Dauerausstellung wird die farbenfrohe Werra-Keramik präsentiert. 34 Töpferwerkstätten zählte die Stadt um 1860.

Foto: Stefanie Krauß

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Wenn Klappern zum Handwerk gehört, sind die Störche auf dem Gerstunger Schlossdach goldrichtig. Im hiesigen Regionalmuseum nämlich haben seit seiner Gründung anno 1932 die verschiedensten Zeugnisse handwerklichen Broterwerbs eine würdige Heimstatt gefunden.

Am weitaus bekanntesten dürfte die farbenfrohe Werra-Keramik sein, die in der Dauerausstellung liebevoll präsentiert wird. Ihre Blütezeit verzeichnete die Gerstunger Töpferzunft um 1860, als insgesamt 34 Werkstätten darin vereint waren, doch schoben bald „schickere“ Industrieprodukte die irdene Ware als „arme-Leute-Geschirr“ aufs Abstellgleis.

Mitte des 20. Jahrhunderts zog in Großensee der letzte Meister seinen Kittel aus.

Neben den rund 300 Stücken, die in dem 2014 von Doris Drude unter anderen herausgegebenen Katalog „Werra-Keramik. Alte Quellen – neue Forschung“ erstmals veröffentlicht wurden, umfasst der volkskundliche Bestand Werkzeuge und Waren der Ziegler, Weber, Böttcher oder Blaudrucker.

Sonderausstellung zur Luftschlacht

„Mit der Ausstellung und ihren Exponaten kann man sehr gut arbeiten“, meint Katharina Dötterl, die das Haus vor einem knappen Jahr übernahm. Dabei denkt sie hauptsächlich an Schülergruppen, für die der Alltag der Gerstunger vor 150 Jahren im großräumigen Dachgeschoss, der Abteilung „des Handwerks“, bestens zu veranschaulichen ist. In kooperativer Zusammenarbeit mit Schulen und Bibliothek will sie Kindern künftig noch mehr Aufmerksamkeit widmen und „so die Museumsbesucher von morgen heranziehen. Interesse ist da, man muss es nur rauskitzeln und lebendig halten.“

Dazu eignen sich gewiss auch die anderen Inventarbestände zur Ur- und Frühgeschichte, zu Reformation und früher Neuzeit oder zur überraschend abenteuerlichen Geschichte des Gerstunger Bahnhofs, wo einmal sage und schreibe 700 Menschen beschäftigt waren.

Die 38-jährige Historikerin, aufgewachsen auf dem nahen Lutzberg, dann in Bayern lebend und zuletzt in Bayreuth tätig, ist von ihrem neuen Arbeitsplatz hellauf begeistert, vor allem, weil ein regionales Museum „nie fertig ist“, wie sie sagt, „sondern weiter wächst, neue Anregungen aufnimmt und aktuelle Expositionen hervorbringt – damit es auch Einheimischen, die das Haus längst kennen, niemals langweilig wird“. Die derzeit laufende Sonderausstellung wird das mit Sicherheit leisten: Bildmaterial, kleine Modelle und die am Boden gefundenen Teile abgestürzter Flugzeuge dokumentieren die spektakuläre Luftschlacht, die im September 1944 zwischen Maschinen des deutschen Jagdgeschwaders und des Wetters wegen ungeschützten Bombern der Alliierten über dem Werratal getobt hat.

Mindestens 30 davon wurden abgeschossen, 118 Soldaten der Airforce starben, 121 gerieten in Gefangenschaft. Verluste von 19 Piloten und 29 Jagdfliegern erlitten auch die Deutschen.

„Von Krauthausen bis Eisenach, von Herleshausen bis Gerstungen beobachten zahlreiche Menschen die heftigen Kampfhandlungen“, heißt es im einschlägigen Buch von Eberhard Hälbig. „Sie sehen die explodierenden Flugzeuge und die Fallschirme, die in großer Zahl zur Erde schweben.“ Den Eisenacher Forscher konnte Katharina Dötterl für begleitende Vorträge im Hause gewinnen; der nächste wird im Oktober stattfinden, wenn sich das Geschehen zum 75. Male gejährt hat.

Auch für kommende Ausstellungen geistern der Museumsleiterin bereits Ideen durch den Kopf. „Die Gerstunger Historie bietet viel Stoff, aus denen sehenswerte Schauen werden können. Schule um 1850 wäre etwa ein Thema, das besonders den Jüngsten gefallen würde.“

Die haben soeben Dutzende Störche gebastelt, die auf ihren Einsatz zur 1275-Jahrfeier am 25. August warten. Viel Unterstützung kommt zudem von einem höchst rührigen Arbeitskreis, der sich aus Einheimischen rekrutiert. Von ihrem Museum sollen die Gerstunger auf jeden Fall so viel wie möglich haben, meint Katharina Dötterl, denn schließlich wird es von der Gemeinde freiwillig finanziert, „eine Leistung, die den kulturellen Zusammenhalt zeigt und hohe Anerkennung verdient.“

Öffnungszeiten: Mai bis Okto-ber Montag bis Sonntag 14-17 Uhr und nach Vereinbarung; Tel.: 036922/31433 oder 036922/2450 (Gemeinde); museum@gerstungen.de

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