In Eisenach ergießt sich Schlammlawine über Grundstücke und Straßen

Wartburgregion.  Problem sind im Eisenacher Ortsteil Stregda enge Rohre und vernachlässigte Gräben. 100 Menschen bei Aufräumarbeiten. Auch andere Orten betroffen.

In Stregda ging eine Schlammlawine durchs Dorf, die sich bis in die Mühlhäuser Chausee rollte. Rund 100 Stregdaer griffen am Sonntag zu Schaufel und Schubkarre, um der Massen Herr zu werden. 

In Stregda ging eine Schlammlawine durchs Dorf, die sich bis in die Mühlhäuser Chausee rollte. Rund 100 Stregdaer griffen am Sonntag zu Schaufel und Schubkarre, um der Massen Herr zu werden. 

Foto: Hans-Joachim Nennstiel

Wie die Straße Am Wasserlauf zu ihrem Namen kam, ist Anliegern im Eisenacher Ortsteil Stregda nicht erst seit Samstagabend klar. „Sobald es regnet, läuft es die Straße runter“, sagt ein Anwohner. Das zweite Juni-Wochenende wird er jedoch nicht vergessen. In seinem Garten stehen am Montag immer noch braune Brühe und Schlamm. Die schweren Gewitter haben gegen 21 Uhr am Sonnabend eine Schlammlawine ausgelöst, die vom oberen Feld her in die Grundstücke und auf die Straße drückte.

In der Straße gibt es mehrere Eigenheime, fast jeder Besitzer hat etwas von der Gewalt der Erd- und Wassermassen zu spüren bekommen. In der Mühlhäuser Chaussee hat es Anwohner noch schlimmer getroffen, erzählt Ortsteilbürgermeister Hans-Joachim Nennstiel (parteilos).

Die schmutzigen Spuren sind Montag noch sichtbar. Obwohl tags zuvor schon 100 Menschen im Ort mit anpackten, um das Gröbste zu beseitigen und sich untereinander zu helfen. „Wir waren am Sonntag vollkommen auf uns allein gestellt“, berichtet Nennstiel. Der Ortsteilbürgermeister suchte am Wochenende telefonisch über Leitstelle und Stadt Hilfe durch den städtischen Bauhof. Vergeblich. Nur die Feuerwehr kam wieder. Das Meiste haben die Menschen selbst erledigt.

Gräben müssen dringend gereinigt werden

Die Stadt sagte dazu auf Nachfrage, dass das zuständige Tiefbauamt keine Bereitschaft am Wochenende hat. Es gebe die Bereitschaft der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehren, erklärte Sprecherin Sophia Spangenberg. Seit Montag arbeitet der Bauhof aber an der Beseitigung von Schäden. Städtische Gebäude sind vom Unwetter nicht arg betroffen gewesen. Nur in der Kita Hötzelsroda und in der Stadtbibliothek war Wasser eingelaufen. Das habe man aber beheben können, hieß es.

Mitarbeiter des städtischen Umweltamtes begutachten am Nachmittag in Stregda in der Straße Am Wasserlauf die Situation. Die Anlieger wollen vor allem die Gräben zügig beräumt haben, bevor der nächste Regen kommt und den Schlamm wieder auf ihre Grundstücke spült. Das Umweltamt sieht den Pächter wie Eigentümer des Feldes in der Verantwortung. Man wolle aber unterstützen, hieß es. Das ist nötig, sind doch die Rohre unter der Straßendecke zu klein und derzeit verstopft. Hier braucht es ebenso eine Lösung, wie für Gräben unterhalb der Straße. „Es muss etwas passieren“, fordern Anlieger.

Dauereinsatz für Feuerwehren im Wartburgkreis

Aufgeräumt wurde am Montag auch auf Betriebs-Arealen oder Tankstellen wie etwa der Shell in Eisenach. Der vom Wasser angeschwemmte Unrat wurde aus Mulden und Rinnen entfernt. Zahlreiche Menschen hatten das Unwetter auf Video festgehalten, ob in Eisenach, Mosbach oder Ettenhausen/Nesse. Die Beseitigung der letzten Schäden an Straßen und Bürgersteigen wird noch Tage in Anspruch nehmen, wissen die Verwaltungen.

Bürgermeister betroffener Orte wie Hörselberg-Hainich oder Wutha-Farnroda bedankten sich für das bürgerschaftliche Engagement bei den Aufräumarbeiten, und nicht zuletzt bei ihren Feuerwehren und Bauhöfen. Überschwemmt war auch der Keller der an der Elte gelegenen Kindertagesstätte in Lauchröden, der des angrenzenden Jugendclubs auch. Auch am Montag wurde in diesen Einrichtungen noch gekehrt und geputzt.

In der Eisenacher Karolinenstraße hatte sogar ein Blitzeinschlag die Elektroinstallation eines Hauses beschädigt.

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