Fotoausstellung „Streifzüge durch die Natur“ in Wutha-Farnroda

Wutha-Farnroda  Michael Radloff zeigt im Eiscafé „Kaffeemühle“ in Wutha-Farnroda beeindruckende Fotos heimischer Tiere und berichtet über seine Erlebnisse.

Auf dem Leberblümchen kommt der Marienkäfer ganz groß zur Geltung.

Auf dem Leberblümchen kommt der Marienkäfer ganz groß zur Geltung.

Foto: Michael Radloff

Das Glück, eine Wildkatze aus nächster Nähe beobachten zu können, ist meist nur Besuchern des Wildkatzengeheges in Hütscheroda vergönnt. Wenige Nationalpark-Führer oder Forstleute erlebten bislang ein Rendezvous mit den äußerst scheuen Gesellen in freier Wildbahn. Als ein befreundeter Förster den Naturfotografen Michael Radloff vor Jahren auf die Sichtung eines ausgewachsenen Exemplars hinweist, ist das Objekt der Begierde bei der Ankunft längst über alle Berge. Der geschulte Blick des Fotografen aus Dönges entdeckt aber eine halbwüchsige Wildkatze. „In meinem Tarnanzug habe ich mich in eineinhalb Stunden mit meiner sieben Kilogramm schweren Kameraausrüstung im Anschlag bis auf fünf Meter an das Tier heranschleichen können“, beschreibt Radloff, wie seine ersten Wildkatzen-Fotos entstanden.

Für weitere Fotos einer Wildkatze hat er vier Wochen geduldig suchen müssen. Inzwischen besitzt der erfahrene Fotograf ein gutes Gefühl, um die Katzen aufzuspüren, die sich nur zu gern in höherer Offenland-Vegetation verstecken.

Einen Ausschnitt seines künstlerischen Schaffens und seiner benötigten Geduld zeigt die Fotoausstellung „Streifzüge durch die Natur“, die ab sofort im Eiscafé „Kaffeemühle“ in Wutha-Farnroda zu sehen ist.

Die Aufgabe, Wildkatzen mitten in stockdunkler Nacht zu fotografieren, stellte sich Michael Radloff ebenfalls. „Etwa vier Wochen musste ich jeden Abend meine Kameras und meine Blitze mit Bewegungsmelder im Wald aufbauen, einrichten und morgens vor der Arbeit wieder alles abbauen, bis ich endlich die gewünschten Bilder hatte“, erzählt der 44-Jährige während der Vernissage, die Heidrun und Jörg Klingelhöfer als Duo „Minz & Melodey“ mit Gedichten und Lieder am Freitagabend ausschmücken.

Aber auch andere Tiere nimmt der naturverbundene Mann zu gern vor die Linse. Für ein gelungenes Foto eines Wachtelkönigs oder eines Sperbers geduldet er sich ganze zehn Jahre.

Ungezählt viele Nächte legt er sich in seiner Wathose an Teichufern auf die Lauer, um Frösche mit geöffneten Schallblasen zu erwischen. „Selbst ein Feldhamster bringt mich dazu, Gänsehaut zu kriegen“, spricht der Fotograf über ein nächtliches Feld-Shooting, bei dem ein Hamster ihm keine 30 Zentimeter vor der Nase herumtanzt.

Ohne Ausbeute auf der Speicherkarte, aber mit einem unwiederbringlichen Erlebnis endete eine fotografische Fuchsjagd. „Mehrere Jungfüchse sind auf mir herumgeklettert – wenn sie jung sind, haben sie kaum Scheu.“ Eine unglaubliche Makroaufnahme gelingt Michael Radloff zu früher Morgenstunde von einer mit Tautropfen übersäten Libelle.

Mit einem selbst gebauten Schwimmversteck nähert sich der Naturfotograf äußerst zaghaft Wasservögeln: Zwei kämpfende Grünschenkel entlohnen den Geduldigen. Auch an Biber im Werratal pirscht er sich mit einem befreundeten Fotografen eines Tages äußerst nah heran, als unvermutet dicht hinter den beiden Fotografen ein stattlicher, wie ein Bleistift angespitzter Baum wenige Meter entfernt tosend umkracht. „Zum Glück in die andere Richtung“, denkt er an diese gefährliche Schrecksekunde.

Um „Passbilder“ von Eisvögeln an der Werra zu bekommen, baute er ein Open-Air-Fotostudio auf. „Ich habe extra Ansitze und eine Schlachtbank im Fluss aufgebaut und wurde schnell mit guten Bildern belohnt“, sagt er.

Bar & Eiscafé „Kaffeemühle“ in Wutha-Farnroda, Rotberg 45, geöffnet täglich, 11 bis 19 Uhr

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