Klassik in der Zahnradfabrik

Zürich  Die Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach gastiert in Zürich. Das Konzert führt sie in die aktuelle Spielstätte der weltbekannten Tonhalle. Was das mit Industrie zu tun hat?

Blick in den Konzertsaal. Kaum zu ahnen, dass er sich in einer früheren Fabrik zur Zahnrad-Herstellung befindet. Die Akustik ist enorm.

Blick in den Konzertsaal. Kaum zu ahnen, dass er sich in einer früheren Fabrik zur Zahnrad-Herstellung befindet. Die Akustik ist enorm.

Foto: Horst Gröner

Wieder einmal stand für die Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach ein besonderes Konzert während einer Gastspielreise an. Zum ersten Mal sollte das Orchester am vorigen Donnerstag in der Tonhalle Zürich auftreten. Dabei handelte es sich aber nicht um die weltbekannte „Tonhalle“, die derzeit umgebaut wird, sondern um einen Ausweichraum, der für die Jahre 2017 bis 2020 die Heimat des gleichnamigen Orchesters darstellt.

Auf dem Gelände einer ehemaligen Zahnradfabrik wurde in eine Werkshalle der Konzertsaal eingebaut, die „Tonhalle Maag“, die knapp 1250 Besuchern Platz bietet. Alles, von Boden, Decke, Wänden bis zur Bühne, besteht aus lasiertem Fichtenholz und verfügt über eine ausgezeichnete Akustik.

Sieben Stunden dauerte die Anreise per Bus am Mittwoch.

Die Thüringer bestritten das Konzert am Folgetag mit dem als „Wunderkind“ angekündigten, in Moskau geborenen, 14-jährige Pianisten Dmitry Ishkhanov.

Mendelssohns Sommernachtstraum

Der russisch-amerikanische Gastdirigent Vladimir Lande leitete. Etwa 1000 Besucher besuchten die Veranstaltung. Sie begann mit der Ouvertüre zu „Ein Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Immer wieder beeindruckend kam der Beginn dieses Werkes herüber, als nach klaren Flötentönen und schwirrenden Klängen der groß besetzten Streicher die volle Wucht des Orchesters einsetzte – in dieser Akustik mit fast schon übermächtiger Präsenz der Blechbläser.

Technisch brillant servierte der junge Pianist Ishkhanov Schumanns Klavierkonzert a-Moll opus 54. Doch auch die Zartheit des zweiten Satzes ließ er durch seine unglaubliche Fingerfertigkeit zu einem wahren Genuss werden, wie auch den dritten Satz in einem scheinbar davon stürmenden Tempo. Die Zuhörer riefen: Bravo.

Im Gegensatz zu diesem Pianisten mit großer Zukunft brachte die Geigenlegende Shlomo Mintz die viersätzige Violinfantasie „Meereslandschaften“ von Alexej Shor. Ihm war eine einfühlsame Wiedergabe dieser zeitgenössischen Komposition zu verdanken.

Den Abschluss bildeten die vier Sätze der Sinfonie Nr. 2 D-Dur von Johannes Brahms. Noch einmal war dabei zu erleben, wie in diesem unvergleichlichen Saal sich das Orchester großartig entfalten konnte. Der lange, kräftige Schlussapplaus galt nicht nur dem Dirigenten und dem ganzen Orchester, sondern vor allem auch den Instrumentalsolisten der Philharmonie, die zu Recht vom Publikum gefeiert wurden.

Zu den Kommentaren