Klimawandel hinterlässt im Nationalpark Hainich seine Spuren

Hainich.  Auf etwa zehn Prozent der Buchenflächen im Hainich zeigen sich trockenheitsbedingte Schädigungen, die Fachleute noch vor einem Jahr für undenkbar hielten.

Der Blick auf den Burgberg nordöstlich von Berka/Hainich im Nationalpark offenbart die auch dort entstandenen Schäden an Buchen durch lang anhaltende Trockenheit und gestiegene Temperaturen.

Der Blick auf den Burgberg nordöstlich von Berka/Hainich im Nationalpark offenbart die auch dort entstandenen Schäden an Buchen durch lang anhaltende Trockenheit und gestiegene Temperaturen.

Foto: Nationalparkverwaltung Hainich

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Im Nationalpark Hainich ist davon auszugehen, dass sich der Wald zumindest auf bestimmten Standorten in sehr kurzer Zeit sehr deutlich verändern wird. Das ist eine Entwicklung, die noch Anfang 2019 als unwahrscheinlich eingestuft worden wäre“, macht Nationalparkchef Manfred Großmann in seiner Jahresbilanz auf die Folgen des Klimawandels in der Region aufmerksam.

Viel mehr heiße Tage als früher

Wenn Extremjahre wie 2018 und 2019 zum Normalfall würden, hätte das „kaum abzuschätzende Auswirkungen auf unser heutiges Waldbild“, so Großmann. Habe es am Ostrand des Nationalparkes in den Jahren 1950 bis 1980 im Jahresschnitt jeweils drei heiße Tage (mit Temperaturen über 30 Grad Celsius) gegeben, seien es 2019 allein 19 heiße Tage gewesen und im Jahr 2018 sogar 29, davon 18 am Stück, beschreibt Großmann die Dramatik des Temperaturanstiegs.

Das Bild von absterbenden Fichtenbeständen sei in vielen Teilen des Landes Thüringen schon fast ein gewohnter Anblick. „Dass aber auch Buchen vertrocknen und absterben, war 2019 ein ganz neues Phänomen. Die Kombination von Trockenheit, hohen Temperaturen, permanenter Sonneneinstrahlung und seit Jahren sinkender Bodenfeuchte hat sie an ihre Grenzen gebracht“, analysiert Großmann.

Veränderungen auf 300 Hektar

Ab Ende Mai vorigen Jahres seien die Folgen selbst in naturnahen Waldbeständen deutlich sichtbar geworden, vor allem in südwestexponierten und besonders flachgründigen Standorten. Auf etwa fünf Prozent der Waldfläche des Nationalparkes sei ein Drittel des Bestandes alter Buchen komplett kahl. Auf einer Fläche von etwa 300 Hektar gebe deutliche Veränderungen an den Buchen zu sehen.

Drohnenflüge und Workshop

Sehr schnell sei klar gewesen, dass diese Situation eine besondere Herausforderung für die Forschung im Nationalpark darstellt. Bereits Anfang Juli 2019 wurden mit Hilfe von Drohnen und einem Kleinflugzeug Luftbilder der Waldbestände erstellt. Im November gab es einen Forschungs-Workshop mit etwa 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu den Auswirkungen des Klimawandels im Hainich, bei dem über dringliche Forschungsfragen und Projekte diskutiert wurde. Ergebnis: „Der Klimawandel ist im Nationalpark augenfällig angekommen, mit noch unabsehbaren Auswirkungen auf seine Arten und Lebensräume.“

Besserer ÖPNV und Einzug der Luchse

Eines sei der Nationalpark Hainich aber auch geblieben, ein Magnet für Wanderer und Waldfreunde. Und wie in den Jahren zuvor wurden zahlreiche Projekte erfolgreich realisiert, Besuchern der Nationalpark nähergebracht und für die Welterberegion Wartburg-Hainich geworben. Die Nationalparkwacht wurde durch die Einstellung neuer Mitarbeiter verjüngt. Neue Wanderbuslinien verbessern das ÖPNV-Angebot rund um den Hainich. Die Wildkatzenscheune in Hütscheroda wurde nach Umbau wieder eröffnet. Anfang September zogen die beiden ersten Luchse in das Freigehege ein.

Wie geht Natur mit Trockenheit um?

Mit seinen zirka 30 heimischen Baumarten und dem Grundsatz „Natur Natur sein lassen“ sei der Hainich ein ideales Untersuchungsgebiet für die Frage, welche Laubbaumarten mit den neuen klimatischen Gegebenheiten am besten zurechtkommen und wie die Natur mit dieser Entwicklung umgeht. Bereits Ende Mai 2020 stehe, blickt Großmann voraus, das nächste Forschertreffen an. Geplant sei für 2020 zudem, an der Thiemsburg sowohl den barrierefreien Wanderweg „Waldpromenade“ Mitte des Jahres als auch das neue Erlebnis-Spielgelände „Im Reich des Fagati“ im Herbst zu eröffnen.

Aber auch der Klimawandel und seine Folgen werden den Nationalpark 2020 weiter beschäftigen. Es sei für einen Nationalpark ohne Forstwirtschaft grundsätzlich kein Problem, wenn Einzelbäume oder ganze Bestände abstürben. „Aber 2019 hat deutlich gezeigt, dass auch ein strenges Schutzgebiet wie der Nationalpark Hainich den gravierenden Auswirkungen von außen ausgesetzt ist, sei es beim Klimawandel oder beim Insektensterben.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren