Muslimische Gläubige werben in Eisenach für Toleranz

Eisenach. Für Muslime ist das Beten in der Gemeinschaft das Beste. "Da wird die Seele gereinigt", sagt ein Mitglied der muslimischen Gemeinde in Eisenach. Das zähle mehr als das Gebet ganz allein für sich.

Über einen Makler haben die Mitglieder vom Verein Deutschsprachiges-Islamisches Kulturzentrum einen Gebetsraum in Eisenach gefunden. Vor allem zum Freitagsgebet treffen sich die Muslime hier. Foto: Heiko Kleinschmidt

Über einen Makler haben die Mitglieder vom Verein Deutschsprachiges-Islamisches Kulturzentrum einen Gebetsraum in Eisenach gefunden. Vor allem zum Freitagsgebet treffen sich die Muslime hier. Foto: Heiko Kleinschmidt

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Darum war der Verein Deutschsprachiges-Islamisches Kulturzentrum in Eisenach froh, dass er anfangs in der Sophienstraße einen Gebetsraum vor allem für das Freitagsgebet gefunden hatte. Dann wurde das Mietverhältnis geändert. Das war womöglich am Ende auch ein wenig der Nazi-Propaganda der NPD geschuldet, die vor einer Weile mit einer spärlichen Kundgebung versuchte, wegen einer angeblichen "Moschee" in Eisenach negativ Stimmungsmache zu betreiben.

"Es gibt aber keine Moschee, auch bisher keine Pläne dazu. Wir machen uns auch aus rein finanziellen Gründen zurzeit darüber keine Gedanken", sagt Asram G*, Mitglied des Vereins Deutschsprachiges-Islamisches Kulturzentrum.

Eine Moschee sieht anders aus. Der Raum in einem normalen Wohn- und Geschäftshaus am Karlsplatz, über viele Stufen eine unauffällige Treppe hinauf, ist nun der neue Gebetsraum des Vereins. Der Heizkörper ist ausgeschaltet, aus Kostengründen, wie Asram G. sagt.

Im Eingangsbereich muss man die Schuhe auszuziehen. Dann folgt der Gebetsraum mit Teppichboden. Einiges sei noch herzurichten, bekennt der 39-Jährige, der mittlerweile deutscher Staatsangehöriger ist. Aber es gibt eine Küche, und ganz hinten steht ein Sofa, am Boden liegen mehrere Exemplare des Koran.

Der Verein mit seinen rund 15 Mitgliedern - darunter Ärzte, auch Ingenieure - aus dem gesamten Wartburgkreis finanziert sich nur über die Spenden seiner Mitglieder. Miete und Nebenkosten für den neuen Gebetsraum am Karlsplatz müssen ja jeden Monat bezahlt werden. In dem Verein seien nicht nur Araber, sagt Asram G., sondern auch Türken, Albaner, auch Deutsche.

Eisenacher Neonazis schüren gezielt Ängste

Probleme mit Rechtsextremen habe er bisher nicht gehabt, sagt der Mann, der seit fast 20 Jahren, seit 1994 hier in Eisenach zufrieden lebt. "Der neue Gebetsraum ist ideal", schwärmt er und hofft, dass der Verein ihn weiter finanzieren kann. Der 39-Jährige ist glücklich, dass er und seine Gemeinschaft nicht mehr für das Freitagsgebet bis Erfurt oder Bad Hersfeld pendeln müssen.

Die jüngste Hetze im sozialen Netzwerk Facebook wegen einer "Moschee" in Eisenach sowie die Seite "Keine Moschee in Eisenach", die erschreckende rund 1700 Unterstützer hat, hat ihn den Kontakt zum Bündnis gegen Rechtsextremismus aufnehmen lassen. "Ich habe keine Angst, ich wollte aber wissen, was man dagegen unternehmen kann", sagt der 39-Jährige.

Zudem die Neonazis am 16. März wieder eine Demo planen. "Eisenach ist eine weltoffene Stadt. Menschen leben hier unabhängig von ihrer Religion und Weltanschauung friedlich miteinander", reagierte das Bündnis auf die geplante Demo der Rechtsradikalen und ruft alle Eisenacher an diesem Sonnabend auf, sich ab 13.30 Uhr am Lutherdenkmal auf dem Karlsplatz zu versammeln, um dort mit bunten Schirmen eine friedliche Menschenkette zu bilden und für Religionsfreiheit zu demonstrieren. "Wer von drohender Islamisierung spricht, bedient rechtspopulistisches Denken", steht im Aufruf.

Asram G. betont: "Wir wollen nur eine Möglichkeit zum Beten, wir sind keine Bedrohung für irgendjemand." Es sei ein gutes Zeichen für ihn und seine Mitglieder im Verein, dass "die Kirchen in Eisenach an unserer Seite sind".

Das islamische Kulturzentrum will demnächst einen Tag der offenen Tür veranstalten. So könnten sich Eisenacher informieren und etwaige Scheu verlieren. "Wir sollten den Glauben des jeweils Anderen tolerieren", sagt Asram G., für den Eisenach, wie er bekennt, seine erste Heimat geworden ist.

* Der vollständige Name ist der Redaktion bekannt.

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