Neu in Eisenach: Roboter und Chefarzt

Eisenach  Universitäts-Professor leitet Klink für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Eisenach. Werner Kneist ist zurück in seiner Geburtsstadt

Am OP-Tisch samt dem Roboterarm mit den vier kleineren Armen, die die OP-Werkzeuge führen. Dabei Remzi Gashi, Facharzt für Viszeralchirurgie.

Am OP-Tisch samt dem Roboterarm mit den vier kleineren Armen, die die OP-Werkzeuge führen. Dabei Remzi Gashi, Facharzt für Viszeralchirurgie.

Foto: Peter Rossbach

Dass er bei der Operation rund drei Meter vom Patienten entfernt ist, ist für Werner Kneist kein Problem. „Diese Art der Operation gehört zu meinem Spezialgebiet in der Viszeralchirurgie. Ich schaue sozusagen weder nach rechts noch nach links, sondern bin vollständig auf die dreidimensionalen Monitorbilder fokussiert.“

Der 48-jährige Mediziner ist seit Anfang Oktober der neue Chefarzt der Klink für Allgemein- und Viszeralchirurgie am St.-Georg-Klinikum Eisenach. Er gehört zu den ersten für robotische Operationen europäisch zertifizierten Viszeralchirurgen, auf deutsch: Er ist gefragter Experte im Bereich der robotischen Chirurgie. Das Klinikum in Eisenach möchte mit seiner Hilfe ein Zentrum für robotische Chirurgie etablieren.

Um dies überhaupt zu ermöglichen, hat das Klinikum in die Tasche gegriffen: Für rund 2,2 Millionen Euro wurde der DaVinci Xi angeschafft. Dabei handelt es sich um einen hochmodernen OP-Roboter. „Aber nicht der Roboter operiert, sondern auch weiterhin der Mensch. Sobald ich die Finger vom Joystick nehme, passiert nichts mehr. Der Roboter führt lediglich die Bewegung aus, die der Operateur ausführt“, wirkt Kneist möglichen Ängsten der Patienten entgegen.

„Wir haben uns für die kostenintensivere Variante mit zwei OP-Plätzen und dem dazugehörigen OP-Tisch entschieden, um diese neue OP-Methode im Sinne der Patienten optimal nutzen zu können, sowohl für kompliziertere Operationen als auch zu Ausbildungszwecken“, so Klinikums-Geschäftsführer Thomas Breidenbach.

Klinikum erweitert die Möglichkeiten

Bei der robotischen Chirurgie handelt es sich um eine weitere minimal-invasive OP-Methode, also einer Methode, bei der wie bei der Laparoskopie auf den großen Schnitt verzichtet wird. Mit dem Einsatz des Roboters erweitert das Klinikum seine Möglichkeiten in diesem Bereich.

Ein Ziel des gebürtigen Thüringers Kneist ist es, am Eisenacher Klinikum ein Zentrum für robotische Chirurgie zu etablieren. Hierzu wurden erste viszeralchirurgische sowie urologische Operationen bereits mit dem DaVinci Xi durchgeführt. Gynäkologische Eingriffe werden zeitnah folgen. Weiterhin wird die onkologische Schwerpunktsetzung der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie für den neuen Chefarzt Priorität haben.

Der Patient liegt auch weiterhin auf einem OP-Tisch, über ihm aber ist ein großer Roboterarm, an dessen vier Enden das benötigte OP-Besteck hängt. Über vier kleine Löcher werden diese an den Ort der OP im Körper des Patienten eingeführt. Zum Besteck gehören eine Kamera, eine Lampe, eine Pinzette, um Organe bewegen zu können, und Hochfrequenz-Skalpell oder anderes Schneiderwerkzeug. Die Kamera überträgt die Bilder aus dem Innern des Patienten dann in hochauflösender Qualität, in bis zu zehnfacher Vergrößerung auf die Bildschirme der beiden OP-Stationen. Dort kann der Operateur über zwei Joy-Sticks die Werkzeuge einsetzen und die OP ausführen. Minimal-invasive Methoden sind da der Eingriff selbst kleiner ist, schonender für den Patienten. Dies gilt auch für die robotische Chirurgie. Hier, so Werner Kneist, kommt aber noch der Vorteil hinzu, dass der Operateur noch exakter arbeiten kann und selbst das normale Zittern, das jeder Mensch in den Händen hat, durch den Roboter ausgeglichen wird. Und da der OP-Tisch mit an das System angebunden ist, kann während der OP die Lage des Patienten wenn erforderlich verändert werden, ohne das zuvor alle Werkzeuge erst wieder aus dem Körper entfernt werden müssen. Das gleicht der Roboter alles aus.

„Es ist aber eine Teamarbeit“, sagt Kneist. Neben dem Operateur selbst ist stets noch ein weiterer Mediziner dabei, direkt am OP-Tisch, der die Werkzeuge einführt und bei der OP zur Seite steht. Dazu kommen eine OP-Schwester, ein sogenannter Springer und das Anästhesie-Team. Die Kommunikation läuft über eine Mikrofonanlage. „Die Kommunikation ist ganz entscheidend.“ Die Operationen sind „extrem standardisiert“. Das führt aus Sicht von Kneist zu noch höherer Sicherheit für den Patienten.

Zwingend erforderlich ist aber, dass das gesamte OP-Team speziell dafür geschult ist. Es dauert, bis ein Arzt die Schulungen soweit durchlaufen hat, dass er selbst mit diesem Verfahren operieren darf. Chefarzt Kneist verfügt über eine entsprechende europäisch zertifizierte Kompetenz. Im Eisenacher Klinikum operiert neben ihm auch der Ärztliche Direktor Heiko Wunderlich robotisch.

Weitere Ärzte werden folgen und natürlich gilt dies auch für die weiteren Mitarbeiter im OP. „Wir haben hier tolle, motivierte Kolleginnen und Kollegen“, freut sich Kneist über sein neues Arbeitsumfeld.

Werner Kneist ist in Eisenach geboren, besuchte in Erfurt die Schule und studierte in Jena. Der Gesundheitsökonom habilitierte 2005 im Fach Chirurgie an der Johannes Gutenberg Universität Mainz.

Im Jahr 2011 wurde er dort zum Professor ernannt und erhielt 2016 den Ruf auf die W2-Professur für das Fach „Onkologische kolorektale Chirurgie, Minimalinvasive Chirurgie und Robotik“. Er leitete diesen Schwerpunkt bis zum aktuellen Wechsel in seine Geburtsstadt. Kneist ist ein national und international anerkannter Chirurg, Hochschullehrer und Wissenschaftler.

Herausforderung als Arzt und Ausbilder

Mit dem Anruf aus Eisenach, mit der Frage, ob ich mir einen Wechsel vorstellen könne, „gab es für mich die Chance, eine neue Herausforderung als Chefarzt in meinem Spezialgebiet anzunehmen“. Und da Eisenach auch Lehrkrankenhaus der Uni Jena ist, gibt es weiter die Chance für ihn, akademisch zu arbeiten. Dies zusammen mit der Möglichkeit, in die alte Heimat zurückzukehren, gaben den Ausschlag für den Wechsel ans St.-Georg-Klinikum.

Die robotische Chirurgie bildet aus seiner Sicht eben eine weitere Möglichkeit der minimal-invasiven Operationen. „Ziel ist es natürlich die Anzahl der offenen Operationen weiter zu reduzieren. Es wird auch weiter laparoskopische und offene Operationen geben. Man muss wie bisher auch im Einzelfall entscheiden, welche die beste, sicherste und schonendste Methode für den jeweiligen Patienten mit seiner jeweiligen Diagnose ist. Nur haben wir jetzt in Eisenach eine Option mehr“, so Kneist. Sein Ziel: „Wir wollen diesen Bereich auf hohem Niveau im Sinne der Patienten in Eisenach und Umgebung weiter entwickeln“.

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