Notizbuch: Nicht geheilt, höchstens geschlossen

Also, da ist ja mal ordentlich was los an diesem Wochenende in Eisenach. Der Versuch, alles erleben zu wollen, wird scheitern – versprochen.

Peter Rossbachs Anmerkungen zur Woche in Eisenach und Wartburgkreis.

Peter Rossbachs Anmerkungen zur Woche in Eisenach und Wartburgkreis.

Foto: Norman Meißner

Also, da ist ja mal ordentlich was los an diesem Wochenende in Eisenach. Der Versuch, alles erleben zu wollen, wird scheitern – versprochen.

Das liegt an der Anziehungskraft der Stadt, an ihrer Kultur und vor allem an ihrer Geschichte – auch der schlimmen Teile dieser Geschichte. Das „Achava“-Fest greift dies auf.

Das Schöne ist aber, dass hier zwei Bögen gespannt werden im Umgang mit der Geschichte. Der heitere Bogen mit Musik, Spaß und Lachen bei Konzerten, Straßenfest und mehr. Und der ernsthafte Bogen mit etwa der Ausstellungeröffnung über das „Entjudungsinstitut“ in Eisenach zu Nazizeiten. Auch die Stadt selbst nimmt diesen Faden auf und erinnert in vielfältiger Form an die bereits gestorbene jüdische Ehrenbürgerin Avital Ben-Chorin und ihr Leben in Eisenach und danach.

Ein für mich zudem besonders wichtiger Termin steht Samstag in der Georgenkirche an, weil dort eine klaffende Wunde der Stadtgeschichte zwar nicht geheilt, aber geschlossen wird. An den Emporen fehlen zwölf Bibelworte. Diese waren 1940 entfernt worden, weil sie aus dem Alten Testament stammten oder auf Mose und Israel Bezug nahmen. Dies durfte in der gnadenlosen Ideologie des Nationalsozialismus nicht sein. Die Bibelworte sind wiederhergestellt und werden nun – fast 80 Jahre später – wieder ihren Platz in der Georgenkirche an den Emporen finden. Ein wichtiger Moment für Kirche und Stadt.

All dies zeigt, dass auch in Eisenach aus Erinnerung an die Geschehnisse und Verbrechen der Nazizeit auch Verantwortung erwächst. Und aus dieser Verantwortung die Pflicht, heute nicht zu vergessen und nicht zu schweigen, wenn der rechte Ungeist wieder lauter wird.

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