O2-Projekt in Eisenach: Land will bei der Berufsschule helfen

Eisenach  Gemeinsame Arbeitsgruppe mit Stadt und Kreis soll Lösung finden. Bescheid über neun Millionen für die Sporthalle könnte verlängert werden.

Sieg für die ThSV-Handballer aus Eisenach: Der Kampf um eine neue, bundesliga-taugliche Spielstätte ist jedoch noch in vollem Gange und ein langer Atem nötig. Archiv-

Sieg für die ThSV-Handballer aus Eisenach: Der Kampf um eine neue, bundesliga-taugliche Spielstätte ist jedoch noch in vollem Gange und ein langer Atem nötig. Archiv-

Foto: Sascha Fromm

Nach dem Gespräch im Landesverwaltungsamt zum Großprojekt O1 mit Sporthalle und Berufsschule ist Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) optimistisch, dass die neun Millionen Euro vom Land für den Teil der Drei-Felder-Halle gesichert werden können. Über die Art und Weise würden sich Landesverwaltungsamt und Finanzministerium jetzt verständigen. Ein Weg könnte sein, dass der Bescheid, dessen Frist Ende November ausläuft, neu ausgefertigt wird mit Übertragung in Folgejahre.

Die neun Millionen Euro stehen als so genannte Schuldendiensthilfe im Zuge der Sportförderung zur Verfügung. In dieser Höhe soll die Stadt einen Kredit aufnehmen, und das Land finanziert die Raten und Zinsen. Doch bisher sind die Bedingungen, um das Geld abrufen zu können, nicht erfüllt (unsere Zeitung berichtete). Eine Bedingung lautet, dass die Gesamtfinanzierung des O1 gesichert sein muss. Doch das ist bisher insbesondere für die Berufsschule nicht der Fall.

Wirtschaft braucht gut ausgebildete junge Leute

An dem Gespräch am Mittwoch in Weimar hat auch Landrat Reinhard Krebs (CDU) teilgenommen. Der Wartburgkreis wird ab 2022, wenn Eisenach seine Kreisfreiheit aufgibt, zuständig für die Berufsschule. Die Ideen der Architekten für das denkmalgeschützte Industriegebäude O1 findet der Landrat „toll“, aber niemand könne ihm zum jetzigen Zeitpunkt erklären, wie sie zu finanzieren sind. Auf Abenteuer lasse er sich nicht ein. Er stehe jedoch zu einem starken Berufsschulstandort in Eisenach. Dieser müsse deutlich verbessert werden, um den Anforderungen von Industrie und Handwerk in Westthüringen gerecht zu werden. „Alle Berufe müssen nach modernen Methoden ausgebildet werden können“, nennt Krebs als Ziel.

Für den Landrat wie für die Oberbürgermeisterin war es daher wichtig, dass die Vertreter des Landes bei dem Gespräch überzeugt werden konnten, dass Eisenach als Berufsschulstandort eine besondere Unterstützung braucht. Vereinbart wurde eine Arbeitsgruppe aus Vertreter der Stadt, des Kreises und des Landes, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Das O1 ist eine Möglichkeit, ein Neubau auf der grünen Wiese eine andere. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass sich der Kreistag noch in diesem Jahr für eine Variante entscheidet – zu viele Unbekannte.

Alle Zahlen und Fakten sollen auf den Tisch

Aktuelle Diskussionen in den städtischen Gremien vermitteln zudem den Eindruck, dass man das O1 lieber ad acta legen würde – aus Angst, dass es ein Fass ohne Boden wird. Die Oberbürgermeisterin warnt jedoch davor, jetzt Entscheidungen zu treffen, „ohne alle Zahlen, Daten und Fakten“ zu kennen. In einem ersten Schritt hatte die Stadtverwaltung, unterstützt von einem externen Büro, in dieser Woche einen Vergleich von Varianten vorgelegt. So ist untersucht worden, was es bedeuten würde, wenn die beiden Berufsschulteile am Siebenborn und in Eisenach-Nord, die in das O1 ziehen sollen, stattdessen an ihren jetzigen Standorten saniert würden. Auch der Neubau einer Regelschule mit einer Sporthalle wurde betrachtet.

In einem zweiten Schritt soll eine Berechnung der Wirtschaftlichkeit der Varianten folgen. Nach dem Gespräch am Mittwoch, das nach Aussagen sowohl von Wolf als auch Krebs „sehr gut“ verlaufen ist, sieht die OB ausreichend Zeit gewonnen, um sowohl das O1 noch einmal genauer zu betrachten als auch Alternativen. Das soll in enger Abstimmung mit besagter Arbeitsgruppe geschehen. Ob der SPD-Fraktion diese Antwort ausreicht? Sie hatte ihren Antrag, das Großprojekt O1 nicht weiter zu verfolgen und stattdessen die neun Millionen in den Ausbau der Aßmannhalle zu stecken, vorerst zurückgestellt. Der Antrag kann zur Sitzung des Stadtrats am 12. November jedoch noch zur Abstimmung gebracht werden.

Derweil es die von der Oberbürgermeisterin auf die Tagesordnung gesetzte „Aufhebung der Haushaltssperre für das O1“ offenbar nicht mehr braucht, weil das zeitliche Fenster wieder weit geöffnet scheint. In der Pressemitteilung aus dem Rathaus ist von einem Baubeginn „in der zweiten Jahreshälfte 2022“ die Rede. Bis dahin würden „weitere Beratungen und zeitnah Gespräche stattfinden“.

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