Eisenachs Oberbürgermeisterin will Zuliefererbranche für Zukunft sehen

Katja Schmidberger
| Lesedauer: 3 Minuten
Opel war auch im Rathaus dabei. Nach außen drang aber nicht, wie man den schwierigen Produktionsstart des Grandland in Eisenach rechtfertigt.

Opel war auch im Rathaus dabei. Nach außen drang aber nicht, wie man den schwierigen Produktionsstart des Grandland in Eisenach rechtfertigt.

Foto: Sascha Fromm

Eisenach  Wahl 2019 Katja Wolf initiiert eine neue Partnerschaft zwischen Betrieben und Politik. Treffen mit Unternehmern und Ramelow

Über den seit einigen Jahren existierenden Industriestammtisch hinaus soll es mit Blick auf den derzeitigen Strukturwandel in der Automobilzuliefererindustrie ein neues regionales Netzwerk zwischen Stadtspitze, Landesregierung, Unternehmern, Branchenverbänden und Gewerkschaften geben. Dies kündigte Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) am Donnerstag nach einem ersten Treffen aller Beteiligten an.

Katja Wolf nannte ihre Initiative eine neue strategische Partnerschaft. Einen Turnus, in dem künftig getagt werden soll, gebe es jedoch noch nicht, erklärte sie. Es sei aber durchaus der Wunsch der Unternehmen gewesen, weiter im Gespräch miteinander zu bleiben.

Licht und Schatten in den Firmen

Die Oberbürgermeisterin hatte vier Tage vor der anstehenden Landtagswahl neben dem Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) auch Wirtschaftsstaatssekretärin Valentina Kerst (SPD) nach Eisenach eingeladen. Diskutiert wurde bei dem Termin vor allem die aktuelle Lage der Branche. Neben Zulieferern wie BMW, AE Group und Lear nahm auch Opel an der Zusammenkunft im Rathaus teil.

Wie Staatssekretärin Kerst erklärte, habe es bei dem ersten Termin wenig Forderungen von Seiten der Unternehmen selbst an die Politik gegeben. Katja Wolf sprach von einem intensiven Dialog mit vielen Wortmeldungen aus den Firmen selbst, welche ihre eigene Situation geschildert haben. Es ging um Fragen wie Abhängigkeiten von Auftraggebern sowie die Veränderung der Auftragssituation in den Unternehmen, und wie die Firmen ihre Zukunft auf dem Markt beurteilen. Natürlich sei in der Wartburgregion die Abhängigkeit von großen Autokonzernen immer ein Thema. Was ihr in die „Glieder gefahren“ wäre, war das Signal Einzelner, die erklärten, dass der Wandel aus eigener Kraft nicht mehr zu schaffen ist, schilderte Wolf.

Valentina Kerst erklärte, dass der vom Strukturwandel betroffene Freistaat mehr in den Blickpunkt der Bundesregierung rücken muss. Unterstützungen des Bundes seien nötig, um den Weg zu neuen Technologien und Antrieben zu gehen.

In der Automobilindustrie stünden durch die Strukturveränderungen bis 2030 bis zu 125.000 Arbeitsplätze in Deutschland auf dem Spiel, beim Kohleausstieg gehe es im Vergleich um 72.000 Jobs.

Die besondere Herausforderung für die gesamte Wartburgregion wird darin bestehen, den Umbau der Wirtschaft so zu gestalten, dass die Automobilbranche klar auf die wichtigen Zukunftsfelder ausgerichtet wird.

Die Staatssekretärin betonte, dass Thüringen mit Blick auf die hiesige Wirtschaft die Forderung aufgemacht hat, endlich am Automobilgipfel am 4. November im Kanzleramt teilzunehmen. Im Vorfeld dieses Termins, so Kerst, soll es zwischen den in der Wartburgregion angesiedelten Unternehmen und ihrem Ministerium weitere Kontakte geben, um als Thüringer Landesregierung konkrete Forderungen beim Autogipfel in gut zwei Wochen stellen zu können. Es gehe darum zu klären, welche Unterstützungsleistungen es konkret braucht, welche Fördertöpfe helfen und wie ein mögliches Transfer-Kurzarbeitergeld aussehen könnte.

„Ein Thema war auch die Nachfolgeregelung in Unternehmen“, so Kerst. Und kündigte an, dass die Landesentwicklungsgesellschaft als Koordinierungsstelle sich intensiver mit dieser Frage beschäftigen soll. Zudem sei eine stärkere Vernetzung der Firmen nötig, um die schwierige Lage besser stemmen zu können. Sie sehe aber eine Chance in der Neuausrichtung auf neue Perspektiven und Antriebstechnologien, meinte sie.