Pädagogik-Dozent plädiert in Eisenach: Schule soll Kindern Freiräume bieten

Eisenach.  Der Dozent für anthroposophische Pädagogik aus Basel, Marcus Schneider, spricht an der Waldorfschule Eisenach.

Der Dozent für anthroposophische Pädagogik aus Basel, Marcus Schneide, sprach an der Waldorfschule in Eisenach.

Der Dozent für anthroposophische Pädagogik aus Basel, Marcus Schneide, sprach an der Waldorfschule in Eisenach.

Foto: Susanne Sobko

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Was man nach dem Vortrag von Marcus Schneider an der Waldorfschule in Eisenach machen will: Das Buch der Nobelpreisträgerin für Literatur lesen, mehr mit den Kindern sprechen, zuversichtlich sein egal was passiert. Der Dozent für anthroposophische Pädagogik aus Basel ist regelmäßig Gast an der Schule, und wie immer hat er begeistert. Unter dem Thema „Was kommt nach 100 Jahren Waldorf?“ referierte er über die Pädagogik im digitalen Zeitalter.

Er begann mit einem Rückblick zu Waldorf-Begründer Rudolf Steiner, dessen Hauptanliegen es gewesen sei, mit Gründung einer Schule die Gesellschaft zum Besseren zu verändern, weil nur die Jungen Neues ermöglichen könnten. „Von uns greisen Köpfen ist nichts mehr zu erwarten“, zitierte er Steiner.

Ansinnen sei es unter anderem gewesen, dass erwirtschaftetes Geld zu den Menschen zurückfließt, die staatlichen Instanzen unabhängig sind, die Politik dem Volk dient. „Das haben wir noch nicht erreicht“, resümiert Schneider, und so wünscht er sich wie damals „neue Gedanken“. Ein Grundproblem sieht er in den extremen Polaritäten zwischen den die Menschen existieren wie Lüge und Wahrheit, Arm und Reich. Viele Menschen fühlten sich haltlos, seien dadurch manipulierbar. Fehlende Kohärenz nennt er es – sich nicht zugehörig fühlen. Eine Lösung sieht er in einem anderen Blick auf Kinder: Bei Schule sollte es nicht vordergründig um Abschlüsse und Lehrpläne gehen, sondern dass sich ein Kind gemäß seines Wesens gesund und frei verwirklichen kann.

Stattdessen sähen Eltern, Erzieher und Lehrer das Kind als Objekt und stülpten ihm fertige Urteile über. „Da kann nichts Neues entstehen“, kritisierte der Referent. Zudem würden Menschen nur vom Außen definiert und sollten funktionieren, aber gerade für Kinder sei der Innenraum sehr wichtig. Deshalb würden auch immer mehr Kinder nicht mitmachen und keine Abschlüsse schaffen.

Und die Medien? „Der Umgang beginnt damit, dass ein kleines Kind gar keinen damit hat“, so Schneider. Sie würden für innere Leere sorgen – damit erklärt er auch Ergebnisse der Pisa-Studie, wonach Kinder und Jugendliche Texte lesen aber nicht verstehen könnten. Mit dem älteren Kind solle man die digitale Welt gemeinsam entdecken. Das wichtigste Hilfsmittel, damit Kinder sich frei entwickeln, sieht Schneider in der Sprache, was die Hirnforschung bestätige. Als Grundbedürfnisse eines Kindes nennt er entwicklungsadäquate Erfahrungen, Lob und Anerkennung, Verlässlichkeit, das Erfahren von Grenzen und körperliche Unversehrtheit, „dann ist eine gesunde Basis geschaffen“.

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