Personalkonzept, Jugendclubs und die Vereine

Wutha-Farnroda.  Die Bürgermeisterwahl steht in Wutha-Farnroda an. Klaus Stöber (AfD) will Nachfolger von Torsten Gieß werden. Er ist einer von drei Kandidaten.

Klaus Stöber (AfD) tritt zur Wahl des neuen Bürgermeisters der Gemeinde Wutha-Farnroda an.

Klaus Stöber (AfD) tritt zur Wahl des neuen Bürgermeisters der Gemeinde Wutha-Farnroda an.

Foto: Peter Rossbach

„Wer Demonstrationen verbietet, ist eine Diktatur“, schreit es jedem Autofahrer von dem Plakat an der Ortsdurchfahrt von Thal in Großbuchstaben entgegen. Aufgestellt hat es Klaus Stöber, Chef der AfD in Westthüringen und Kandidat für die Bürgermeisterwahl in Wutha-Farnroda.

Warum will einer Bürgermeister in einer Diktatur werden? „Das Plakat habe ich unter dem Eindruck der Geschehnisse rund um die große Demonstration zu den Corona-Maßnahmen in Berlin aufgestellt“, antwortet er. Die Formulierung sei überspitzt und natürlich sein Deutschland keine Diktatur, auch wenn einzelne Maßnahmen derzeit schon „diktatorisch“ seien.

Bürgermeister werden will er in Wutha-Farnroda, dort wird Anfang November gewählt. Eine Kandidatin und zwei Kandidaten werden auf dem Stimmzettel zu finden sein – keiner hat einen echten Amtsbonus. Es geht um die Nachfolge von Torsten Gieß, der 18 Jahre lang Rathauschef war. Und es geht um ein Signal, so Stöber, wenn mit ihm erstmals ein AfD-Mann den Posten eines hauptamtlichen Bürgermeisters in Deutschland ergattern würde. Das sagte er beim AfD-Familienfest in Vacha.

Im Wahlkampf in Wutha-Farnroda selbst sagt er das allerdings nicht. Den will der 59-Jährige lieber von Parteipolitik freihalten. Auf seinen Plakaten und Flyern tauchen weder Name noch Logo der AfD auf. Und deshalb habe er, so Stöber, auch Angebote von AfD-Landesgrößen zur Unterstützung seines Wahlkampfes dankend abgelehnt. „Bei einer Bürgermeisterwahl geht es nicht um Migration, EU oder Klimawandel, sondern um Schulen, Vereinsförderung und Kindergärten. Da hat Parteipolitik keinen Platz“, sagt der, der sich parteipolitisch wandlungsfähig zeigt. Und so ganz ohne Parteipolitik kommt Stöbers Wahlprogramm dann doch nicht aus. Er möchte künftig ein Begrüßungsgeld von 500 Euro für Babys aus dem Ort auszahlen – aber natürlich nur „pro Neugeborenem mit deutscher oder EU-Nationalität“.

Als Gründungsmitglied des SPD-Ortsvereins Wutha-Farnroda, kam Stöber 2014 zur Initiative „Aufbruch Wutha-Farnroda“, für die er in den Gemeinderat einzog und eine Fraktions-Koalition mit der CDU einging. Die beendet die Zusammenarbeit als seine Mitgliedschaft in der AfD herauskam. Der gehört er seit 2015 an, ist Chef des Kreisverbandes Westthüringen und Fraktionschef im Kreistag.

Vier Bürgerabende in unterschiedlichen Ortsteilen der Gemeinde hat er absolviert und ist da ganz zufrieden, auch wenn durchaus mehr Besucher hätten kommen dürfen. Befragt nach den drei wichtigsten Punkten aus seinem Wahlprogramm nennt er zu erst den Aufbau eines zusätzlichen Jugendclubs in der Gemeinde – Mosbach oder Farnroda könnte sich Stöber da gut vorstellen. „Es reicht nicht aus, Jugendliche zu tadeln, wenn sie aus Langeweile Unfug anstellen“. Da gelte es auch Angebote zu unterbreiten, einen Ort anzubieten, wo sich Jugendliche locker treffen könnten, Darts oder Billard spielen oder eben einfach zusammensitzen. Da könnte die Gemeinde den Startschuss vielleicht zusammen mit einem Verein geben, um den Klubs dann in die Hände der Jugendlichen selbst zu übergeben. Auch einen Jugendbeirat oder gar einen Jugendgemeinderat kann sich Stöber vorstellen – als Angebot, das die Jugendlichen dann aber selbst mit Leben füllen müssten.

Zweiter Punkt wäre die Verbesserung der Vereinsförderung. Derzeit erhielten die Vereine nur eine Förderung von fünf Euro je Mitglied unter 18 Jahren. Dies wolle er verdoppeln, lobt er doch die Kinder- und Jugendarbeit in den örtlichen Vereinen und auch deren dabei unter Beweis gestellt große Integrationsleistung. Gleichzeitig wolle er eine Grundförderung für alle Vereine einräumen.

Und als dritten Punkt nennt Stöber die stetigen Kostensteigerungen in der Verwaltung auf den Prüfstand stellen zu wollen. „Das fällt uns bei jeder Haushaltsdebatte wieder auf die Füße“, sagt der Steuerberater. Es gehe dabei nicht um Entlassungen von Verwaltungsangestellten, sonder darum, die Strukturen auf den Prüfstand zu stellen und mit einem Personalentwicklungskonzept die zukünftige Aufstellung der Verwaltung zu beleuchten.

Im Kreistag würde er weiter für die AfD bleiben wollen, um „die Interessen der Gemeinde auch dort zu vertreten“. Als erste Amtstat würde er eine Mitarbeiterversammlung einberufen, um „meine Ziele vorzustellen, aber auch Ideen aufzunehmen und Berührungsängste zu nehmen. Ich bin kritik- und kompromissfähig – auch in Richtung Gemeinderat.“

Zur Person

Klaus Stöber ist 59 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Nach dem Studium zum Diplom-Ökonom an der Universität Leipzig ist er nun seit 25 Jahren als selbstständiger Steuerberater tätig. Er ist Vorsitzender des Tennisclubs Ruhla und einst Initiator der Bürgerinitiative für bezahlbare Gebühren im Trink- und Abwasser Verband Eisenach-Erbstromtal.

Von 1989 bis 2010 gehörte Stöber der SPD an und ist seit 2015 Mitglieder der AfD. Er ist Vorsitzender der Westthüringer AfD. Seit 1994 gehört er dem Gemeinderat an. Bei der jüngsten Kommunalwahl wurde er auf der Liste Aufbruch Wutha-Farnroda gewählt und war für diese kurzzeitig in einer Fraktions-Koalition mit der CDU – bis seine AfD-Mitgliedschaft öffentlich wurde.

Klaus Stöber lädt für Samstag, 17. Oktober, ab 14 Uhr zu einem Familienfest in den Schlosspark Farnroda ein.