Peter Bock hinterlässt „riesige Fußabdrücke“

Von Peter Rossbach
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Eine Urkunde und eine Erinnerungsschild gab es bei der Verabschiedung von Peter Bock als EVB-Aufsichtsratschef durch OB Katja Wolf

Eine Urkunde und eine Erinnerungsschild gab es bei der Verabschiedung von Peter Bock als EVB-Aufsichtsratschef durch OB Katja Wolf

Foto: Peter Rossbach

Eisenach.  Großer Bahnhof zum Abschied des 72-Jährigen als Aufsichtsratsvorsitzender der EVB.

So nach und nach nehmen immer Menschen aus dieser Kategorie „Frauen und Männer der ersten (Nachwende)-Stunde“ Abschied. Das sind nicht die, die als Raubritter ihr Glück im Osten versuchten und schnell wieder verschwanden, sondern die, die als Helferinnen und Helfer gemeinsam aufbauen wollten und mit Rat und Tat zur Seite standen. In die letztere Kategorie gehört Peter Bock. Als Sparkassen-Chef ist der 72-Jährige schon länger im Ruhestand, aber seine vielfältigen ehrenamtlichen Aufgaben hat er noch beibehalten.

Nun erhielt er seinen verdienten großen „Bahnhof“ zum Abschied als ehrenamtlicher Aufsichtsrats-Chef der Eisenacher Versorgungs-Betriebe (EVB). Und das obwohl er „das noch einige Zeit hätte machen können und wir uns das auch gewünscht hätten“, so Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) für die Stadt Eisenach als Mehrheitsgesellschafter und damit auch Mitglied im Aufsichtsrat. Nach knapp 30 Jahren aber empfand Bock es als an der Zeit, diese Aufgabe abzugeben. Wolf: „Sie hinterlassen riesige Fußabdrücke“ – dies nicht nur in der EVB oder der Sparkasse. Mit der sanierten Wandelhalle durch die von ihm mit initiierten Stiftung gebe es schon eine Art Denkmal für Peter Bock in der Stadt.

Es gab in den Jahren keine größere Entscheidung innerhalb der EVB, an der Bock keinen Anteil gehabt hätte, sei es die technisch heikle Umstellung vom „nur fürs Kochen geeignetem Stadtgas“ (Bock) auf Erdgas, sei es die Trennung der Netz GmbH vom übrigen Bereich der EVB oder sei es der Bau des EVB-Gebäudes in Nord, nur als „das Schiff“ bekannt.

Vor allem aber waren es auch die Investitionen im hoch zweistelligen Millionen-Bereich. Allein in den ersten Jahren, erinnert sich Bock, habe die EVB 430 Kilometer neue Stromkabel verlegt, 200 Kilometer Gasleitungen und 20 Kilometer für Fernwärme. Die Gasturbine wurde erneuert und durch die Übernahme der für das Werk überdimensionierten Opel-Turbine die Produktion der Autofabrik und damit die Arbeitsplätze gesichert.

71 Aufsichtsratssitzungen hat Bock in dieser Zeit geleitet, 54 Gesellschafterversammlungen beraten und 35 Mal das Unternehmen im Personalausschuss vertreten. Dazu kamen stundenlange Vorbereitung, viele Gespräche und Nacharbeit. „Und das alles im Ehrenamt“, so Wolf. Mit Weitblick, akribischer Vorbereitung jeder Sitzung und dem Gespür dafür, dass Energieversorgung „mit der wichtigste Baustein für eine gute Entwicklung einer Stadt“ ist, habe Bock im positiven Sinne immer die richtigen Strippen gezogen. Ergebnis: Die EVB sei ein wirtschaftlich kerngesundes Unternehmen, aber auch ein Motor für die Region. Und dies, so Wolf, „in dem Mix aus bescheidener Art und klarerer Ansprache, die Peter Bock immer ausgezeichnet hat“.

Auch der Aufbau der Sportbad GmbH, die noch heute dafür sorge, dass Eisenach ein Schwimmbad besitzt, gehört zu den Dingen, die Bock mit vorangetrieben habe, „angespornt vom damaligen Geschäftsführer Erich Keßler“, wie Bock ergänzt. Mindestens genauso wichtig sei aber, dass er für die Beteiligung privater Gesellschafter eingetreten sei, aber auch im Konsens mit den Privaten immer gewusst und gelebt habe, dass „die EVB als kommunales Unternehmen Entscheidungen nicht nur aus rein wirtschaftlicher Sicht treffen kann“, so Wolf. Umrahmt wurde der Abschied mit Musik von Musikschüler Burkhard Wagler am Klavier.

Nach und nach will Bock nun auch weitere Ehrenämter abgeben, beim Deutschen Roten kreuz, in Fördervereinen, in der Wandelhallenstiftung. Wolf: „Es gibt Menschen, die wünschen sich Ehrenamt, es gibt Menschen, die zeigen Ehrenamt, und es gibt Menschen, die sind Ehrenamt. Peter Bock gehört in die dritte Kategorie“.