Poesiealbum und Lieblingsbuch

Eisenach  Avital Ben-Chorin hieß früher Erika Fackenheim und besuchte in Eisenach die Schule. Im Beisein ihrer Tochter wird eine Gedenkvitrine in genau jener Schule eingeweiht, wo die Schülerin Erika in der Nazi-Zeit ausgegrenzt und schikaniert wurde.

Treffen in der Goetheschule, die früher Charlottenschule hieß (von links stehend): Tovia Ben-Chorin, Simaran, Ariela Kimchi, Sadaivan, Letizia und Oberbürgermeisterin Katja Wolf. Unten im Bild: Layla und Laurin.

Treffen in der Goetheschule, die früher Charlottenschule hieß (von links stehend): Tovia Ben-Chorin, Simaran, Ariela Kimchi, Sadaivan, Letizia und Oberbürgermeisterin Katja Wolf. Unten im Bild: Layla und Laurin.

Foto: Peter Rossbach

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Es war ein zarter, bewegender Moment, den Jung und Alt in der Goetheschule erleben durften. So mancher etwas ältere Teilnehmer wischte ein Tränchen der Rührung aus den Augen. Es war so ein Moment, wie ihn Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) wohl meint, wenn sie an ihre Begegnungen mit Eisenachs im Jahr 2017 gestorbener jüdischer Ehrenbürgerin Avital Ben-Chorin denkt – sehr emotional und im Herzen bleibend.

Um Erinnerung an diese Frau geht es. Im Beisein der mit Halbbruder und Ehemann aus Israel angereisten Tochter Avitals, Ariela Kimchi, wurde in der Schule eine Vitrine für die Ehrenbürgerin eröffnet. Sie enthält Gegenstände aus dem Nachlass von Avital Ben-Chorin, wie ein Poesiealbum, ein Aufsatzheft der Klasse IV der Charlottenschule sowie ihr Lieblingsbuch „Peterchens Mondfahrt“.

Die 1923 als Erika Fackenheim geborene Avital Ben-Chorin besuchte bis 1936, dem Jahr ihrer Auswanderung nach Israel, die Charlottenschule, so hieß die Goetheschule früher.

Die Erinnerungen Avitals ließen Schülerinnen der Klassenstufen 7 und 9 real werden. Sie hatten sich in einem Schulprojekt mit Ben-Chorins Leben befasst. Layla und Laurin aus der 7b trugen fiktive, selbst verfasste Tagebucheinträge eines jüdischen Mädchens vor. Ergänzt wurde das durch Aufsätze, die die Neuntklässlerinnen Simaran, Sadaivan und Letizia vorlasen. Sie hatten sich in die junge Avital hineinversetzt und für sie Tagebucheinträge verfasst. Darin beschrieben sie deren Erlebnisse in der Charlottenschule, berichteten von Beschimpfungen, Judenhass, Ausgrenzung sowie der Flucht.

„Was ihr heute gemacht habt, ist ein Zeichen des Vertrauens. Das ist der richtige Weg, um an die Vergangenheit zu erinnern“, empfand Rabbiner Tovia Ben-Chorin, Halbbruder von Avital Ben-Corins Tochter Ariela Kimchi. Diese ergänzte: „Ihr habt uns Gefühle meiner Mutter nahegebracht, die diese uns nie so offenbart hat. Es war so echt, so ein berührender und besonderer Tag für unsere Familie.“

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