Revierleiter zeigt bei Exkursion nahe Eisenach Waldschäden

Eisenach  Die Initiative für Klimaschutz mahnt die Gesellschaft zum Umdenken. Für Revierleiter Stefan Wichmann sind Klimaskeptiker fern jeglicher Realität.

Am Beginn der Exkursion zum Thema „Wald im Klimawandel“ unweit der Eselsstation machten die Mitglieder der Initiative Klimaschutz und Teilnehmer mit einem Banner auf ihre Sache aufmerksam.

Am Beginn der Exkursion zum Thema „Wald im Klimawandel“ unweit der Eselsstation machten die Mitglieder der Initiative Klimaschutz und Teilnehmer mit einem Banner auf ihre Sache aufmerksam.

Foto: Jensen Zlotowicz

„Machen Sie weiter!“ Diesen Satz gab Stefan Wichmann, Leiter des Forstreviers Wartburg, den Initiatoren und Mitstreitern nach der Tour „Wald im Klimawandel“ der Initiative für Klimaschutz am Samstag dankbar mit auf den Weg. Etwa 60 Gleichgesinnte führte Wichmann von der Eselsstation aus mit Umweg zur Sängerwiese und zeigte ihnen, was das veränderte Klima und seine Begleiterscheinungen im Wald schon angerichtet haben.

Dass er im Umkreis der Wartburg einmal Fern- und Aussichten wie im 12. Jahrhundert schaffen müsste, hätte sich der Revierförster nicht vorstellen können. Dann zeigte er hinüber zum Hang oberhalb des Droschkenplatzes und kündigte an, dass dort etwa 80 Prozent der Bäume gefällt werden müssen, weil sie beschädigt sind und die Verkehrsicherheit nicht mehr gewährleistet sei. Die Wiederaufforstung sei Sache des Eigentümers, also der Wartburg-Stiftung.

Max von Trott als Sprecher der Initiative für Klimaschutz hatte die Tourgänger am Start daran erinnert, dass der Bundestag gerade den Antrag der Grünen, nämlich Tempolimit 130 auf deutschen Autobahnen, abgelehnt hat. „Die Gesellschaft hat das Klimaproblem leider noch nicht verstanden“, kommentierte von Trott.

Selbst der resistente Eichentrockenwald stirbt

Bei Revierleiter Stefan Wichmann treten die Initiatoren offene Türen ein. Die „Klimaskeptiker“ hat der Förster „gefressen“. Das erinnere ihn an die Zeit von Galileo Galilei, dem trotz erdrückender Beweise immer noch entgegengehalten wurde, dass die Erde eine Scheibe sei. „Wir sind in unserer Blase gefangen.“

Der Revierförster wanderte mit den 60 Menschen an exponierten Stellen vorbei, erläuterte Klima und Baumsterben, anhand von Diagrammen die Trockenheit und deren immense Folgen für die Natur. Selbst der Eichentrockenwald, von Hause aus geschützt, sterbe ab. Dabei könne gerade die Eiche Trockenheit aushalten.

Was man gegen den Käferbefall machen könne, wurde Stefan Wichmann gefragt. Antwort: „Wenig“. Der Forst kämpft mit einem übermächtigen Gegner, wie gegen Windmühlen und ist so gut wie chancenlos. Der Klimaveränderung Einhalt gebieten, den Status quo wenigstens erhalten, so Peter Schütz von der Initiative für Klimaschutz, könne allein der Mensch mit seiner Lebens- und Konsumweise. Derzeit lebten wir vor allem auf Kosten anderer.

Lange war man in Thüringen einschließlich der Wartburgregion der Auffassung, dass der Buche durch die Trockenheit nichts passieren könne. Die halte das aus. Aber gefehlt. Es müsste etwa fünf Monate am Stück regnen, um das Niederschlagsdefizit der vergangenen zwei Jahre auszugleichen, dozierte der Förster. Schädlinge wie der Werft- oder Buchenprachtkäfer killen auch die Buchen. „Dann werden sie senil und knicken einfach ab.“

300 Esskastanien für Aufforstung bestellt

Immer wieder zeigte Wichmann nach oben, führte den Blick der Mitwanderer in die Kronen der Bäume, wo sich das ganze Drama zeigt. Das Wartburg-Revier mit seinen zahlreichen Totalreservatflächen hat einen speziellen Charakter. In anderen Wäldern der Region ist die Lage dramatischer oder eben auch nicht. Die Fichte ist dabei ein besonderer Gradmesser. Nur auf etwa 15 bis 18 der insgesamt 1200 Hektar de Wichmann-Reviers müsste nachgepflanzt werden. Über in der Zukunft taugliche Baumarten wurde reichlich diskutiert. Sogar 300 Esskastanien habe Wichmann für die Aufforstung bestellt. Traubeneiche, Robinie, aber auch die Ulme komme in Frage. „Die Mischung macht‘s“.

Auch die Kohlendioxid-Bilanz von Holz in verschiedenen Facetten, ob Totholz, bei der Verarbeitung für Dinge des täglichen Bedarfs oder bei der Verbrennung, war ein Thema auf der Exkursion. Für den Förster ist das Verbrennen von Holz die letzte Stufen im kaskadenartigen System der Nutzung. Die Hälfte des in Deutschland genutzten Holzes werde immer noch importiert. Die CO2-Bilanz Holz ist im Vergleich zu anderen Rohstoffen gut und demnach klimaunschädlich. Grundsätzlich, so der Revierförster sollte jeder Mensch seinen Konsum in jeglicher Form hinterfragen. Und ja, das beginnt auch beim Klopapier.

Der Wald mit seinen Funktionen des Schutzes, der Nutzung und der Erholung sei ein Gradmesser für menschliches Tun.

Arboretum geplant

Direkt am Waldhaus Sängerwiese will Revierförster Stefan Wichmann im kommenden Jahr ein sogenanntes Arboretum schaffen - eine Fläche mit neu gepflanzten Bäumen, die in ganz Europa heimisch sind, eine Gehölzsammlungen für Pflanzen. Für 150 bis 300 Euro je nach Baumart kann jedermann so einen Baum spenden und bekommt dafür seinen Namenszug auf ein Schild.

Die nächste Aktion der Initiative „Fridays for Future“ findet am 1. November, 14 Uhr, auf dem Eisenacher markt statt.

Die nächste Aktion plant die Eisenacher Initiative für Klimaschutz zum Weltklima-Aktionstag am 29. November.

Das Freischneiden von Felsformationen im Revier Wartburg hat für den Revierleiter derzeit keine Priorität.

Das könnte Sie auch interessieren:

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.