Rundgang durch Eisenacher Südstadt ist ein lauter Hilfeschrei

Eisenach  Sprecher zweier Vereine führen an Orte der Vernachlässigung und stellen der Stadtverwaltung ein mieses Zeugnis aus. Wir waren dabei.

Die Blicke der Rundgang-Teilnehmer richten sich nach oben zu abgestorbenen Baumteilen. Zudem wurde Kritik an der Sanierung des Prinzenteiches laut. Die drei kranken Erlen direkt an der Teichmauer ganz links, wo sie nicht mehr saniert ist, werden in Kürze abgeholzt.

Die Blicke der Rundgang-Teilnehmer richten sich nach oben zu abgestorbenen Baumteilen. Zudem wurde Kritik an der Sanierung des Prinzenteiches laut. Die drei kranken Erlen direkt an der Teichmauer ganz links, wo sie nicht mehr saniert ist, werden in Kürze abgeholzt.

Foto: Jensen Zlotowicz

Ein einziger Hilfeschrei ist das Resultat des vom Südstadtverein und dem Förderkreis zur Erhaltung Eisenachs veranstaltete Rundgang durch die Südstadt am Dienstag. Die Initiatoren legten im Beisein von wenigen Stadtratsmitgliedern und einigen Bürgern den Finger in eine Vielzahl von mehr oder weniger großen Wunden. Wortführer Thomas Herrmann (Südstadtverein) und Ingrid Pfeiffer (Förderkreis) wurden nicht müde, die aus ihrer Sicht Vernachlässigung oder falschen Herangehensweisen der Stadtverwaltung im Flächendenkmals Südstadt anhand von Beispielen aufzuzeigen.

Die Rolle der Unteren Denkmalschutzbehörde sei dabei tragisch wie traurig, hieß es beim Rundgang. Die handelnden Personen würden an vielen Stellen die Meinung der Kritiker teilen, selbst in einigen Fällen den mahnenden Zeigefinger heben, doch sei der Einfluss auf städtisches Handeln oder eben Unterlassungen begrenzt.

Die Sanierung des Prinzenteiches hätte in dieser Ausführung einen Baustopp nach sich ziehen müssen, hieß es beim Rundgang. Die Denkmalbehörde habe vergeblich interveniert, ließ Ingrid Pfeiffer verlauten.

Die provisorische Sanierung des Prinzenteiches wurde an mehreren Stellen kritisiert, nicht nur der „lieblos gestaltete“ Ein- und Überlauf. Es zeige sich, so schilderte Herrmann, dass nicht klar definiert sei, was der Teich für einen Zweck erfüllen solle. Die Vertreter des Stadtrates, mehrheitlich Linke und SPD-Vertreter, notierten eifrig.

Die bedenklich-dramatische Frage der Rundgänger „Was soll daraus werden“, zog sich wie ein roter Faden durch die Bestandsaufnahme. Die Kritik etwa an der Verwendung von untauglichen Pflastersteinen, an „überproportionalen Neubauten“, (Kapellenstraße 16, Investor: Städtische Wohnungsgesellschaft SWG), an maroden Details und ungepflegten Grünbereichen (Johannistal) riss nicht ab. Das Flächendenkmal Südstadt, ein Aushängeschild Eisenach auch für den Tourismus, verkomme an vielen Stellen des öffentlichen Raumes innerhalb der Bebauung, verliere an Wert.

Private Hausbesitzer hätten ihre Häuser meist in Schuss, hätten auch auf Auflagen der Stadt hin investiert. Die Stadtverwaltung hingegen zeige sich in vielen Bereichen „arglos, planlos, überfordert“, nicht nur bei Parks, Gärten und Promenaden. Als „Trauerspiel“ wurden seit Jahren gesperrte Treppen ausgemacht, etwa im Bereich der Ziegerstraße. Der benannte Handlungsbedarf füllte Seiten der Notizen der Stadtratsmitglieder. Als „Katastrophe“ wurde der Zustand der denkmalgeschützten und seit Jahren dem Verfall preisgegebenen Villa Kurstraßen 8 im Besitz der SWG benannt. Die Wohnungsgesellschaft arbeite auf Abriss und Neubau hin, so der Vorwurf. Es gab Kaufinteressenten

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