Scherbda möchte Wohnort für alle Altersgruppen werden

Scherbda.  Im Zuge der Dorferneuerung haben sich die Bewohner verschiedene Vorhaben im Gesamtwert von 1,7 Millionen Euro ausgedacht

Vom Rastplatz an der Blutbuche bietet sich ein schöner Ausblick auf Scherbda. Laut einer Legende soll an dieser Stelle der Verwalter des Gutes Scherbda einen Leibeigenen erschlagen haben, dessen Vater die Buche zum Gedenken pflanzte.

Vom Rastplatz an der Blutbuche bietet sich ein schöner Ausblick auf Scherbda. Laut einer Legende soll an dieser Stelle der Verwalter des Gutes Scherbda einen Leibeigenen erschlagen haben, dessen Vater die Buche zum Gedenken pflanzte.

Foto: Birgit Schellbach

Das 354 Einwohner zählende Scherbda hat es geschafft, zum zweiten Mal in das Programm zur Dorferneuerung zu kommen. Der Ortsteil gehört inzwischen zur Stadt Amt Creuzburg.

Städteplanerin Ines Klinke stellte zur Sitzung des Stadtrats am Donnerstagabend in der „Goldenen Aue“ im Ortsteil Mihla den Prozess vor, wie es dazu gekommen ist, erneut die Urkunde mit der Bestätigung als Förderschwerpunkt in den Händen zu halten. Außerdem informierte sie über die Vorhaben, die der Dorferneuerungsbeirat gern in den nächsten Jahren umsetzen möchte.

Teil der Antragstellung ist eine Dorfmoderation gewesen. Das heißt, die Bewohner des Ortes konnten sagen, wo der Schuh drückt und ihre Ideen einbringen. Gleich beim ersten Treffen hatten sich zwölf Scherbdaer bereiterklärt, in besagtem Beirat mitzuarbeiten. Insgesamt fünf Zusammenkünfte hat es gegeben. Lange diskutiert wurde beispielsweise über ein „multiples Haus“. Ines Klinke spricht nicht mehr von einem Dorfgemeinschaftshaus, weil deutlich mehr Funktionen unters Dach gebracht werden sollen: Arztsprechstunde, Landhandel, Treffpunkt für Vereine und Gruppen, private Festlichkeiten. Mehrere Immobilien haben zur Auswahl gestanden, wobei sich letztlich auf die ehemalige Gaststätte geeinigt worden ist.

„Die historische Entwicklung von Scherbda ist heute noch gut an der Dorfstruktur ablesbar“, schätzte Ines Klinke ein und erwähnte die Gutsanlage neben der Kirche und den Anger. Das so genannte Haufendorf ist im 19. Jahrhundert erweitert worden mit entsprechendem Zuwachs an Einwohnern.

In der Gegenwart sinkt die Zahl der Scherbdaer. Trotzdem gibt es einen Lichtblick, denn die Bevölkerung ist jünger als die im benachbarten Creuzburg. Jünger meint unter 44 Jahre. „Es fällt auf, dass es viele Familien mit mehreren Kindern gibt“, so Ines Klinke.

Der Bauzustand der Gebäude sei überwiegend gut, und der Leerstand sehr gering. Allerdings könnten nach Schätzung der Planerin in den nächsten Jahren wegen fehlender Erbfolge 30 bis 80 Gebäude leer stehen, wenn nichts dagegen unternommen wird. Die Wohnnutzung überwiegt. Dazu kommen Funktionen der Selbstversorgung aus dem eigenen Garten oder der Landwirtschaft im Nebenerwerb. Über 90 Prozent pendeln zur Arbeit in andere Gemeinden und Städte.

Obwohl Scherbda in den 1990er-Jahren schon einmal in der Dorferneuerung gewesen ist, sind die Straßen nicht saniert worden. Damit einher geht die bisher nicht erfolgte Erneuerung des Kanalnetzes. Auch bei der Breitbandversorgung gibt es große Lücken.

Im Zuge der Bewerbung für die Dorferneuerung sind Schwächen und Stärken aufgelistet worden. Dazu gehört die Erarbeitung eines Leitbildes. Für Scherbda wird dieses wie folgt formuliert: Wohnen für alle Altersgruppen. An diesem Leitbild hangeln sich die verschiedenen Vorhaben entlang, die bis 2025 umgesetzt werden sollen und einen geschätzten Umfang von 1,7 Millionen Euro haben. „Ich hoffe, so viel wie möglich davon umsetzen zu können“, so Ines Klinke.

Das hängt davon ab, wie viel Geld im Haushalt des Amts Creuzburg für Scherbda zur Verfügung gestellt werden kann. Anfang Dezember will sich der Hauptausschuss mit Mitgliedern des Dorferneuerungsbeirats über die Vorhaben für 2021 verständigen.