Schiffmann und Co. werden in Eisenach wie Popstars gefeiert

Eisenach.  Der querdenkende Arzt Bodo Schiffmann und Co. trifft auf Tour-Stop in Eisenach auf etwa 400 dankbare Anhänger.

Etwa 400 Menschen versammelten sich auf dem Eisenacher Marktplatz, um die Querdenker und Corona-Leugner um Bodo Schiffmann (rote Jacke) reden zu hören.

Etwa 400 Menschen versammelten sich auf dem Eisenacher Marktplatz, um die Querdenker und Corona-Leugner um Bodo Schiffmann (rote Jacke) reden zu hören.

Foto: Jensen Zlotowicz

19.13 Uhr rollte der Luxus-Bus mit österreichischem Kennzeichen am Sonntag auf den Marktplatz in Eisenach. Da warteten bereits Hunderte Menschen und gut 30 im Umfeld postierte Einsatzkräfte der Polizei auf die Galionsfiguren der „Querdenker“-Bewegung, auf den HNO-Arzt Bodo Schiffmann, den als „Unternehmer“ deklarierten Youtuber und Ex-Prediger Samuel Eckert oder Rechtsanwalt Ralf Ludwig. Das Team aus dem Corona-Verschwörungsreich ist auf Info-Tour durch Deutschland. Darmstadt, Fulda und Eisenach waren Stationen am Sonntag. Etwa 400 Menschen jubelten den Querdenkern vor dem Stadtschloss zu.

Wie Popstars wurden die Männer empfangen. Jubel und Beifall noch bevor sie ausgestiegen waren. Die Fans zückten die Handys als würde Bill Clinton noch einmal in Eisenach sein. Verehrerinnen umarmten Bodo Schiffmann am Bus persönlich, überreichten Blumen. So wird ein Heilsbringer empfangen. Mund-Nase-Masken? Fehlanzeige.

Menschen stimmenin Sprechchor ein

Die Botschaft der Tour: die Corona-Gefahr werde von den Regierenden und ihren Beratern überschätzt und dramatisiert. Pure Hysterie. Die Schutzmaßnahmen seien unverhältnismäßig. Kurz: Wir würden alle nur verschaukelt, von den Merkels, Spahns, Drostens, Lauterbachs – und Medien. Das merkten nun viele Leute und es würden täglich mehr, war zu vernehmen. „Wir sind viele“, animierte Schiffmann die Menge zum Sprechchor und erntete langen Applaus.

Die „Querdenker“ genossen das Bad in der Menge, die Woge der Begeisterung, jubelten über die 20.000 Zuschauer der Live-Übertragung auf dem eigenen Internet-Kanal und sprachen den Fans auf dem Markt aus der Seele. Es gäbe keine Pandemie, Schutzmaßnahmen seien aberwitzig und überhaupt laufe in diesem Land gewaltig etwas schief.

Wer Kindern die Masken in der Schule auferlege, begehe eine Straftat, schrieben sie Lehrern ins Stammbuch und riefen zum Ungehorsam auf. Wer sich widersetze müsse keine Angst vor Konsequenzen haben. Verfahren würden von Gerichten auf die lange Bank geschoben, „aus gutem Grund“. Sonst müsste man ja Beweise antreten. Langer Beifall brandet auf.

Und wenn es die Gewalten des Rechtsstaates nicht mehr in den Griff bekämen, dann müsse es der „Souverän“ in die Hand nehmen, das Volk. So wie im Herbst 1989. Der Bezug zur friedlichen Revolution war fix hergestellt. Haben es die Leute einmal geschafft, schafften sie es auch ein zweites Mal und der Westen mache jetzt auch mit, versprachen die Querdenker-Mannen und erhalten stürmischen Beifall.

Samuel Eckerts Ausflüge in die Bibel gehörte in Luthers Stadt wohl zum guten Ton. Über allem stehe die Liebe, Gerechtigkeit, Dankbarkeit, Freiheit und nein, Gewalt sei keine Alternative. Die nächste friedliche Revolution, da sind sich die Querdenker sicher, gehe von dieser Bewegung aus. „Das dauert nicht mehr lange“, sagt ihr Bauchgefühl. Die Anhänger auf dem Markt, darunter reichlich Mitglieder und Sympathisanten von AfD und NPD, unterschrieben das in der Hoffnung, dass es auch so wird. Schließlich müsse sich in Deutschland etwas ändern.