Schlossbesitzer in Stedtfeld gibt seine Pläne auf

Stedtfeld  Die Größe des Projekts und andere Probleme überfordern den Eigentümer. Ein möglicher neuer Investor zielt auf altersgerechtes Wohnen mit Pflegeangebot. Doch hier kommt der Fachkräftemangel ins Spiel.

Lage und Ambiente des 1667 erbauten Unteren Schlosses in Stedtfeld mit seinem verwitterten Sandsteinbrunnen sind hervorragend. Die Sanierung und bauliche Gestaltung des historischen Anwesens gestaltet sich aus wirtschaftlicher Sicht jedoch schwierig.

Lage und Ambiente des 1667 erbauten Unteren Schlosses in Stedtfeld mit seinem verwitterten Sandsteinbrunnen sind hervorragend. Die Sanierung und bauliche Gestaltung des historischen Anwesens gestaltet sich aus wirtschaftlicher Sicht jedoch schwierig.

Foto: Jensen Zlotowicz

Was wird nun aus dem Unteren Schloss in Stedtfeld? Seit gut eineinhalb Jahren ist das zum Teil denkmalgeschützte Anwesen an den Architekten Michael Hammesfahr verkauft. Der hatte ehrgeizige Pläne mit dem Schloss, wollte das Schlossgebäude selbst restaurieren und vor allem 23 Reihenhäuser bauen. Das ist eine Menge Holz, auch aus Sicht der Vermarktung. Getan hat sich bis heute nicht so viel. Architekt Hammesfahr kann das umfangreiche Projekt selbst derzeit nicht bewältigen.

Diese Information hat auch der Stedtfelder Ortschaftsrat bekommen. Ihm wurde parallel dazu eine neue Idee vorgestellt, die nicht nur Ortsteilbürgermeister Volker Schlundt (SPD) noch besser gefällt als der bisherige Entwurf, für den es bereits eine Baugenehmigung gibt. Der neue Entwurf passe sich wunderbar in den Ortskern ein.

Abgewandelter Bauantrag

Mit Hilfe von Branchenkennern in Eisenach sucht Hammesfahr nicht nur einen neuen Investor. Es gibt einen Interessenten, doch fix ist trotz aller Pläne und Ideen noch nichts. Der potenzielle Investor mit familiärer Anbindung in Eisenach hat die Sache auf dem Schirm, eruiert mit einem Änderungsbauantrag die Lage, will wissen, was aus Sicht der Verwaltung möglich ist.

Die neuen Vorstellungen gehen in Richtung altersgerechtes Wohnen und Pflegewohnen. Der Interessent sucht dafür einen Betreiber und führt dazu aktuell Gespräche mit örtlichen, karitativen Trägern. Aber es ist noch nichts in Stein gemeißelt. Es geht freilich auch um Fragen der Wirtschaftlichkeit, um Geld.

Preise für Baustoffe steigen rasant

Bauprojekte in diesem Umfang sind vor allem aufgrund des Niedrigzinsniveaus immer noch rentabel, die Rendite-Erwartungen der Investoren ob der gestiegenen und weiter steigenden Baupreise allerdings im Vergleich zu vor zehn Jahren deutlich gesunken, weiß der Eisenacher Immobilien-Experte Philipp Neumann. Ausschlaggebend dafür sind weniger die Preise im Baugewerbe und für Handwerker selbst, sondern die Materialpreise. Da sei auch kein Ende in Sicht, weiß der Mitarbeiter der Firma Stregda Bau. Man könne die gestiegenen Baukosten nicht ein zu eins auf die Miete umlegen. Das gebe der Markt nicht her, so Neumann. Der privat initiierte Wohnungsbau würde aus seiner Sicht noch mehr stagnieren, gäbe es die niedrigen Zinsen nicht. Hier gibt es dann die Schnittstelle zur Stadtentwicklung. Der Bedarf an Wohnraum ist vorhanden, der Wohnungsbau hinke der Nachfrage aber hinterher.

Etwas neidisch blickt die Privatwirtschaft auf den sozialen Wohnungsbau etwa durch die Städtische Wohnungsgesellschaft Eisenach (SWG). Der soziale Wohnungsbau sei gut und richtig, sagt Philipp Neumann, jedoch müsse man sich auch darüber im Klaren sein, dass er mit Steuergeld subventioniert wird.

Wenn sich Bauvorhaben nicht rechnen, bleiben Quartiere wie das Untere Schloss in Stedtfeld im schlimmsten Fall eben unbearbeitet. Dabei sei das Anwesen mit seiner Lage so traumhaft schön.

Der Stedtfelder Ortschaftsrat hofft inständig, dass der Interessent einen Träger aus dem Bereich der Wohlfahrtspflege für das Projekt findet und es damit umgesetzt werden kann. In diese Frage spielt auch die momentan angespannte Pflegekräfte-Situation hinein, die das Konstrukt noch komplexer macht. Altersgerechtes Wohnen mit Pflegedienstleistung ist gefragter denn je, ist ein Markt der Zukunft, doch braucht es dafür auch Arbeitskräfte. Die Zukunft des Unteren Schlosses in Stedtfeld hängt an vielen Faktoren.

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