Stedtfelder Karnevalisten sagen alle Veranstaltungen ab

Eisenach.  Der Vorsitzende des Stedtfelder Carneval Vereins, Torsten Peterhänsel, äußert sich zu abgesagten Veranstaltungen und Folgen für das Vereinsleben.

Die Garde des Stedtfelder Carneval Verein (SCV) hatte noch einen großen Auftritt, bevor Corona einen Strich durch alle Veranstaltungen gemacht hat.

Die Garde des Stedtfelder Carneval Verein (SCV) hatte noch einen großen Auftritt, bevor Corona einen Strich durch alle Veranstaltungen gemacht hat.

Foto: Norman Meißner

Glück im Unglück hatte der Stedtfelder Carneval Verein (SCV) Anfang des Jahres. Alle Festsitzungen des Vereins waren erfolgreich über die Bühne gebracht worden, da bereitete Corona allen Großveranstaltungen, Festen und Feiern deutschlandweit ein jähes Ende. Wie plant der SCV nun für die neue Saison, wollten wir vom Vereinsvorsitzenden Torsten Peterhänsel wissen.

Verlässt angesichts der Pandemie den Stedtfelder Narren irgendwann der Humor?

Keineswegs. Wir sind es gewohnt, schwierige Situationen zu meistern, wenn auch die Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung darstellt und ganz besonders ernst zu nehmen ist. Wir verfolgen das Infektionsgeschehen im Land und die damit verbundenen, sich ständig veränderten Maßnahmen.

Und wir sind uns sehr wohl bewusst, dass wir verantwortungsvoll mit dieser gesundheitlichen Bedrohung umgehen müssen, um unsere Vereinsmitglieder, aber ganz besonders auch unsere Gäste bestmöglich zu schützen.

Das heißt, Karneval vorerst mit Maske und ohne Alkohol?

Das ist wohl so nicht vorstellbar. Darum hat sich der Vorstand als Vertreter des Vereins entschlossen, keine Veranstaltungen in der kommenden Saison 2020/21 stattfinden zu lassen. Festsitzungen im Saal in der aktuellen Situation sind einfach nicht zu verantworten, selbst mit reduzierter Besucherzahl. Dies würde sich finanziell nicht tragen. Aber auch für unsere Akteure ist es auf der Bühne nicht möglich, die Hygieneerfordernisse einzuhalten. So schwer es uns auch fällt, es kann keiner sicherstellen, dass im Laufe einer Veranstaltung stimmungs-und auch alkoholbedingt etwas aus dem Ruder läuft. Für einen regionalen Corona-Hotspot mit Kranken und einem Lockdown in Eisenach und vielleicht dem Wartburgkreis möchte keiner verantwortlich sein. Die Folgen sind kaum vorstellbar.

Also ruht die Arbeit aktuell im Verein? Ende August/Anfang September begannen ja stets in den Vorjahren die ersten Übungsstunden für die Akteure der Bühne?

Natürlich sind wir alle in Gedanken bei der Gestaltung eines neuen Programms. Doch all diese Ideen lassen sich auch ein Jahr später umsetzen, wenn dann hoffentlich Corona nicht mehr so eine große Gefahr darstellt. Aber mit dem Karneval ist es ja wie mit Weihnachten. Weihnachten findet statt – auch wenn vielleicht kein Weihnachtsmarkt stattfindet. Jeder kann doch kreativ werden und kleine, sichere Feiern intern machen und auch so Karneval feiern. Ich rate allen Karnevalsvereinen der Region zu einer Komplettabsage in der ursprünglichen Form, wie wir sie alle kennen.

Die großen Vereine in Köln, Düsseldorf, Mainz, aber auch Wasungen machen uns es vor, unabhängig von nicht absehbaren Folgen, auch eine Art Selbstschutz der Verantwortlichen – vor allem moralisch.

Mir tut es auch besonders Leid für die vielen Aktiven, die Karneval jedes Jahr mit Herzblut leben. Eine Absage ist daher eine Entscheidung die schmerzt, meiner Meinung nach aber alternativlos und absolut richtig ist.

Wie wird trotzdem der Zusammenhalt im Verein aufrechterhalten?

Wir sind nicht aus der Welt. Wir halten vielfältig Kontakt untereinander. Der Vorstand trifft sich und beredet Vorhaben im Verein. Bisher war wichtigster Punkt, machen wir Veranstaltungen oder nicht? Nach der jetzigen Entscheidung kann man viele Dinge, die in den letzten Jahren stiefmütterlichbehandelt worden sind, erledigen. Wir sind derzeit dabei, unsere Internetseite neu zu gestalten, aber auch die vereinseigene Licht- und Tontechnik kann gewartet werden. Das Malern des Techniklagers und Probendomizils und eine Erweiterung der Heizungsanlage stehen schon länger an. Da gibt es immer was zu tun, viele denken ja Karneval ist nur vom 11. November bis Rosenmontag, weit gefehlt, Vereinsarbeit ist das ganze Jahr.

Und manche Ideen, die im Kopf entstehen, werden schon mal aufs Papier gebracht, um übers Jahr nicht in Vergessenheit zu geraten.

Wie steht es denn finanziell dann nach der Absage um den Stedtfelder Carneval Verein?

Ganz klar, für uns als kleiner Verein, schlägt so ein Jahr Pause natürlich ein Loch in den Vereinshaushalt. Die Einnahmen fehlen schon, es gibt ja auch immer laufende Kosten, die in den vergangenen Jahren schon stattliche Summen erreicht haben. Einerseits durch eine treue Mitgliedschaft, aber auch unsere Sponsoren lassen uns nicht im Stich. Dafür sei all unseren langjährigen, treuen Unterstützern, die uns immer wieder Jahr für Jahr finanziell oder auch materiell zur Seite stehen, ein großes Dankeschön ausgesprochen. Wir hoffen natürlich, dass alle die Pandemiezeit unbeschadet überstehen, sich vom Virus nicht unterkriegen lassen und mit uns zusammen, wie gewohnt, im nächsten Jahr fulminant in die Saison 2021/22 pünktlich am 11. November um 11.11 Uhr starten.