Steigende Personalkosten erfordern strategisches Denken

Wartburgregion.  Die jüngste Personalversammlung des Verkehrsunternehmens Wartburgmobil und die aktuelle Tarifverhandlung machen Schlagzeilen.

Im Servicepunkt des Verkehrsunternehmens Wartburgmobil am Zentralen Omnibusbahnhof in Eisenach.

Im Servicepunkt des Verkehrsunternehmens Wartburgmobil am Zentralen Omnibusbahnhof in Eisenach.

Foto: Jensen Zlotowicz

Laut wurde es in der jüngsten, nicht öffentlichen, Personalversammlung des Verkehrsunternehmens Wartburgmobil (VUW). Deshalb, weil Busfahrer des Unternehmens ihrem Unmut über einige Arbeitsbedingungen Luft machten, wie aus der Sitzung bekannt wurde. Vor allem Vize-Landrat Udo Schilling (CDU) hatte in Abwesenheit des VUW-Geschäftsführers Horst Schauerte manchen Donner abbekommen.

Der Geschäftsführer hatte sich schriftlich entschuldigt. Er weilte in einem länger geplanten Urlaub. Vize-Landrat Schilling wollte sich nicht zu Inhalten der Versammlung äußern. Ohne Schauerte war die VUW-Spitze wenig auskunftsfähig, bedauert Kirsten Eckert, von der Gewerkschaft Verdi. Sie steckt in den Verhandlungen über einen neuen Tarif. Die Gewerkschaft hat den bestehenden Vertrag zum Jahresende fristgerecht gekündigt.

Bei der Personalversammlung gin es auch um die bessere Bezahlung der Busfahrer. Die VUW hat der Gewerkschaft ein Angebot vorgelegt, mit dem die Tarifkommission aber noch nicht zufrieden ist, sagt Gewerkschaftssekretärin Kirsten Eckert. „Wir verhandeln nicht unter Druck, lassen uns Zeit“, sagt Geschäftsführer Schauerte. Einen bestimmten Aufwuchs der Personalkosten habe die VUW im Wirtschaftsplan, aber wenn es deutlich teurer wird, müssten andere Dinge greifen, so der Geschäftsführer.

Höhere Personalkosten belasten den Gesamthaushalt der VUW und damit des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Landrat Reinhard Krebs (CDU) hatte bei der Einbringung des Haushaltes 2020 angekündigt, mehr Geld für den ÖPNV einzustellen. „Wer den Taktverkehr gewollt und bestellt hat, der muss ihn auch bezahlen“, meint Verdi-Frau Kirsten Eckert mit Blick auf das Gesamtkonstrukt. Ziel der Gewerkschaft ist weiterhin ein einheitliches Tarifsystem für den öffentlich besorgten Personennahverkehr. Im Januar soll erneut verhandelt werden – eine weitere Personalversammlung ist angedacht.

Aus Sicht von Fachleuten ist in erster Linie das Unternehmen VUW selbst und dann erst die Aufgabenträger gefordert. Es gelte zuerst den VUW-Betrieb zu optimieren, sagt Verwaltungsratsmitglied Hans-Joachim Ziegler, bevor weiteres Steuergeld fließen soll. Wenn der Aufwuchs der Personalkosten, sie machen 50 bis 60 Prozent der Kilometerkosten aus, überschaubar ist, könnte man mit innerbetrieblichen Maßnahmen gegensteuern. Ab einer bestimmten Größenordnung, so Schauerte, seien Mehrkosten aber so nicht zu kompensieren. Er hoffe deshalb auf einen moderaten Tarifabschluss.

Busfahrer der VUW berichten davon, das auf mehreren Linien vor allem warme Luft, aber keine Fahrgäste transportiert wird. Für Verwaltungsratsmitglied Michael Brodführer (CDU) ist der ÖPNV mit vier Millionen Euro durch Kreis und Stadt gut finanziert. Wer nach mehr Geld ruft, müsse möglicherweise Prioritäten im Kreisetat neu ordnen. Es lohne sicher auch ein Vergleich, mit welchem finanziellen Aufwand andere Aufgabenträger den ÖPNV bewerkstelligen. Auch der Etat des Wartburgkreises stoße an seine Grenzen.

In der Dezembersitzung des Stadtrates Eisenach ist die Finanzierung des ÖPNV auch ein Thema, das aber hinter verschlossenen Türen verhandelt wird.

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