Taxifahrer kam einst als Musiker nach Deutschland

Eisenach  Iwan Minkow übergibt sein Taxiunternehmen in Eisenach nach 30 Jahren an seine Enkelin. Er blickt auf sein Berufsleben zurück.

Iwan Minkow (77) ist gebürtiger Bulgare. Als er 1969 in die DDR kam, verdiente er sein Geld zunächst als Trompeter. Seine Enkelin Jeanette Ebeling führt das Unternehmen weiter.

Iwan Minkow (77) ist gebürtiger Bulgare. Als er 1969 in die DDR kam, verdiente er sein Geld zunächst als Trompeter. Seine Enkelin Jeanette Ebeling führt das Unternehmen weiter.

Foto: Birgit Schellbach

Iwan Minkow ist froh, eine Nachfolgerin gefunden zu haben, noch dazu in der eigenen Familie. Enkelin Jeanette Ebeling übernimmt den Betrieb von ihrem Großvater, der mehr als drei Jahrzehnte auf Eisenachs Straßen und darüber hinaus in Thüringen und Hessen unterwegs war.

Bevor sich Minkow 1990 als Taxiunternehmer selbstständig gemacht hat, war er nebenberuflich mit seinem Dacia unterwegs. Der zu DDR-Zeiten zuständige Kraftverkehr schaffte es nicht, den Bedarf zu decken und war froh über jede Unterstützung. „Die Leute standen am Taxistand Schlange. Wenn man von einer Fahrt zurückkam, sah man immer noch dieselben Gesichter in der Reihe“, erinnert sich der 77-Jährige.

Der gebürtige Bulgare kam im Dezember 1969 in die DDR. In Dresden spielte er Trompete in einer Kapelle, später auch in Erfurt, Mühlhausen und Eisenach. Hier lernte er seine Frau kennen. Sie war damals Empfangschefin im Hotel „Thüringer Hof“. Ihre Idee war es, ihre Enkelin ins Taxigeschäft einzubeziehen. Um einen Betrieb führen zu dürfen, braucht es eine fachliche Eignung, die seitens der IHK bestätigt werden muss. Jeanette Ebeling hat einen kaufmännischen Beruf gelernt, und so ist es ihr leichter als anderen gefallen die fachliche Prüfung zu bestehen. Später machte sie ihren Personenbeförderungsschein und schnupperte zunächst in den neuen Beruf hinein. Sie übernahm anfangs Fahrten am Abend oder an Sonntagen, wenn der Opa frei hatte. Jetzt ist das Eine-Frau-Taxi tagsüber meist im Auftrag der Krankenkassen unterwegs, fährt Patienten in Kliniken nach Erfurt, Jena, Bad Berka oder Bad Hersfeld und zurück. Besonders gefällt der 30-Jährigen der Kontakt mit den Menschen: „Man lernt so viele verschiedene Leute kennen, kommt mit ihnen ins Gespräch und hört sich ihre Geschichten an“. Hingegen man am Abend oder in der Nacht hauptsächlich Leute fahre, die vom Partys oder Feiern kommen. „Das ist dann ein bisschen, als würde man mit denen weggehen, nur ohne dabei Bier zu trinken“, erzählt sie schmunzelnd. Opa und Enkelin schätzen außerdem einen Aspekt des Berufes sehr: „Man entdeckt immer neue Ecken, die man vorher noch nie gesehen hat.“

Trotz Ruhestand hilft er gelegentlich im Büro aus

Iwan Minkow hat in seiner Zeit als Taxifahrer viele Geschichten erlebt. Einmal erreichte ihn zum Beispiel ein Anruf aus der Taxi-Zentrale der Genossenschaft, bei der er Mitglied war und jetzt auch seine Enkelin Mitglied ist. Es habe jemand sein Handy verloren. Iwan Minkow hatte tatsächlich eines in seinem Taxi gefunden. Also fuhr er zur besagten Adresse. „Der Mann wollte die Fahrkosten übernehmen, wenn ich ihm sein Handy bringe. Als ich es abgeben wollte, war es aber nicht sein Handy, sondern ein anderes, dessen Besitzer ich bis heute nicht gefunden habe. Die Fahrkosten wollte er dann natürlich nicht mehr übernehmen.“

Der Beruf hat auch Schattenseiten. Wenn das Taxi in einen Unfall verwickelt ist oder größere Reparaturen anfallen, die viel Geld kosten. Denn, so die Einschätzung des 77-Jährigen: „Taxifahren ist zwar eine Existenz, aber reich werden kann man damit nicht, mit Arbeit sowieso nicht“. Weniger schön sei auch gewesen, wenn Leute gar kein Geld in der Tasche hatten und sich die Taxi-Leistung mit falschen Versprechen erschlichen oder wenn Fahrgäste zu tief ins Glas geschaut haben.

Der Abschied aus dem Taxigeschäft fällt Iwan Minkow schwer: „Es ist komisch, wenn man auf einmal keine Fahraufträge mehr bekommt. Die Tage erscheinen einem plötzlich viel länger“. Deshalb unterstützt er seine Enkeltochter noch bei der Abrechnung. „Ich kenne niemanden, der so mit Zahlen umgehen kann wie er“, erklärt sie und fügt hinzu, dass ihr Opa früher mit einem Mathematikstudium angefangen hatte.

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