Teilweise Erhaltung als letzte Chance für Eisenacher Fürstenhof diskutiert

Eisenach  Eisenach. Das Sanierungsgebiet soll um das einstige Hotel erweitert werden. Ausschuss-Mitglieder sahen sich Schäden vor Ort an.

Eigentümer Thomas Cannon (links) führte den Aussschuss für Stadtentwicklung gestern durch den Fürstenhof. Gelingt der neuerliche Kompromiss, könnten 100 Prozent Fördermittel für die Teilsanierung fließen. Die Bornemannsche Villa mit dem Schriftzug Fürstenhof soll dann erhalten werden. Foto: Sascha Willms

Eigentümer Thomas Cannon (links) führte den Aussschuss für Stadtentwicklung gestern durch den Fürstenhof. Gelingt der neuerliche Kompromiss, könnten 100 Prozent Fördermittel für die Teilsanierung fließen. Die Bornemannsche Villa mit dem Schriftzug Fürstenhof soll dann erhalten werden. Foto: Sascha Willms

Foto: zgt

Um die stadtbildprägenden Teile des einstigen Hotels Fürstenhof zu erhalten, sei die Aufnahme des Ensembles in das Stadtumbaugebiet „Innenstadt-Georgenvorstadt“ vielleicht die letzte Chance, sagte Bürgermeister Andreas Ludwig gestern im Ausschuss für Stadtentwicklung.

Eine entsprechende Beschlussvorlage für den Stadtrat Ende April brachten dessen Mitglieder gestern Abend einstimmig auf den Weg. Zuvor überzeugten sie sich in einer Führung mit dem Fürstenhof-Eigentümer Thomas Cannon selbst vom Ausmaß der Schäden im traditionsreichen Ensemble. Er hatte es in einer Zwangsversteigerung vor zehn Jahren erworben. Aus dem einstigen Plan, eine Wohnung für sich und weitere Mietwohnungen zu schaffen, wurde nichts.

Nicht erst seitdem haben die Schäden ein immenses Ausmaß angenommen. Durchgebrochene Decken, aufgequollenes Parkett, Schimmel und Fäulnis, aber auch Einbrüche und Diebstähle von Marmorplatten, Kupferleitungen und einigem mehr, haben dem Haus schwer zugesetzt, so Cannon. Er schwenkte einen dicken Gutachten-Ordner, der seine Ansicht belege. Unter Denkmalschutz stehe das Gebäude seit 2004 nicht mehr, wohl aber unter dem Ensembleschutz der Karthäuser Höhe. Cannons Antrag auf Komplett-Abriss lehnte der Stadtrat dennoch ab. Für die Eisenacher prägt der Fürstenhof eben nicht nur das Stadtbild, sondern auch die Identität.

„Was haben wir hier gefeiert“, so oder so ähnlich wie Linke-Stadtrat Erwin Jentsch sagten und dachten auch andere. Jugendweihen, Hochzeiten, Bälle und Empfänge wurden hier gegeben. Doch der Saal wird wohl nicht zu halten sein, ebenso wenig die Grotten-Bar, die einer Ruine gleicht.

Erhalten werden könnten nun aber die weithin sichtbaren Gebäudeteile, wie die Bornemannsche Villa mit dem Schriftzug „Fürstenhof“. Gelingt Ludwigs Plan, den auch Thomas Cannon unterstützt, dann liegt der Komplex bald im Sanierungsgebiet, der bislang an der Wandelhalle endet. Damit seien Sicherungsmaßnahmen voll förderfähig, ähnlich wie bei den Projekten Mille und Sonne.

Im Fall Fürstenhof kratzen die Kosten nach vorsichtigen Schätzungen an einer Million Euro. Cannon hat mittlerweile ein Konzept vorgelegt, laut dem in den verbleibenden Gebäudeteilen und vier neuzubauenden Stadtvillen bis zu 60 Wohnungen entstehen könnten. Entsprechende Anträge sollen in den kommenden Wochen folgen.