Teure Parkplätze in Ruhla

Ruhla  Ruhlaer Stadtrat stimmt der Kostensteigerung bei Projekt mit Magengrimmen zu. Weiteres Teilstück des Erbstromrohres muss erneuert werden

Erhebliche Mehrkosten entstehen bei den Bauarbeiten auf dem Platz an der Marienstraße in Ruhla. Der alte Erbstromkanal ist viel desolater, als es bislang vermutet wurde

Erhebliche Mehrkosten entstehen bei den Bauarbeiten auf dem Platz an der Marienstraße in Ruhla. Der alte Erbstromkanal ist viel desolater, als es bislang vermutet wurde

Foto: Peter Rossbach

„Für diese Bestandskonstruktion kann kein Standsicherheitsnachweis für die erforderlichen Belastungen eines Parkplatzes geführt werden“. Ein teurer Satz, der da im Gutachten von Statiker und Diplom-Ingenieur Ronald Paust steht, mit dem sich aber nun der Stadtrat Ruhla befassen musste.

Nachdem die Bauarbeiter auf der ehemaligen Teag-Fläche zwischen Marien- und Wiesenstraße den ganzen Bereich des Platzes aufgebaggert hatten, war schnell klar, dass sie dort etwas anderes vorgefunden hatten als gedacht.

Der Platz soll aufgewertet werden. Dazu hatte die Stadt die Fläche gekauft. Es sollen Parkplätze entstehen, die in diesem Bereich ohnehin Mangelware sind. Aber auch Platz für Neubebauung und eben die Zufahrt zum Stromhäuschen der Teag und die anderen Grundstücke sind geplant. Ein Teil des darunter fließenden Erbstromes sollte freigelegt werden und künftig offen fließen, ein kleiner Teil neu verrohrt und der Rest so wie bisher verrohrt bleiben. Man ging von partiellen Ausspülungen und keinen größeren Mängeln am liegenden Kanal aus.

Teilweise sehr dünne Wände des Kanals

Das allerdings stellte sich nun anders dar. „Unsachgemäße Bauausführung“ in der Vergangenheit macht das Bauamt dafür verantwortlich. Vor vielen Jahrzehnten wurde der Kanal gebaut. Der schnell hinzugezogene Statiker stellt fest, dass die Konstruktion der Erbstromeinfassung aus einem unbewehrten Betongewölbe besteht, das auf einen Natursteinsockel aufgesetzt wurde. Die Konstruktion weise sehr unterschiedliche Dicken auf, vor allem in Richtung Natursteinsockel sind die Kanalwände sehr dünn, so die neue Ruhlaer Bauamtschefin Inge Endler im Stadtrat. Eine Gründung des Kanals war nicht zu entdecken. Dadurch ist dies nicht als Untergrund für einen Parkplatz geeignet, zumal die Teag in ihrem Stromhäuschen die darin befindlichen Spulen von Zeit zu Zeit ersetzen muss, und dann mit schweren Lastwagen auf die Fläche muss und eine Zufahrt über die Wiesenstraße nach Angaben Endlers nur schwerlich machbar ist.

Die Folge ist, dass auch dieses Teilstück des Erbstromrohres erneuert werden. Und dieser Neubau des Kanals über die etwa 30 Meter Breite des Parkplatzes kostet etwa 200.000 Euro mehr. Bereits nach der Ausschreibung im Frühjahr waren die Kosten um 25.000 angewachsen, da waren höhere Baupreise der Grund. Und so hatte der Stadtrat also nun über eine Erhöhung der Ausgaben von 225.000 Euro zu befinden. Die Gesamtkosten des Projektes wachsen damit auf 665.000 Euro an.

Immerhin kommt die Stadt dabei auch bei den Mehrkosten von 225.000 Euro in den Genuss einen rund 66-prozentigen Förderung aus dem Stadtumbauprogramm. So sind nun weitere 150.000 Euro als Förderung veranschlagt. Für die restlichen 75.000 Euro will die Stadt in die Rücklage greifen.

Am Ende stimmte der Ruhlaer Stadtrat mit großer Mehrheit (16 Ja, ein Nein und drei Enthaltungen) dieser Kostensteigerung und der vorgeschlagenen Finanzierung zu – wenn auch mit Magengrimmen. Aus der CDU-Fraktion kritisierten Frank Böwe und Stefan Hartung, der für die eine Nein-Stimme sorgte, dass die Verwaltung keinerlei Alternativen zu dieser Vorgehensweise auf den Tisch gelegt habe. „Wir haben gar keine andere Möglichkeit als dies hier durchzuwinken“, klagte Böwe. Aus seiner Sicht hätte man da vorher besser drauf schauen müssen.

Man werde, so versprach Bürgermeister Gerald Slotosch (parteilos), künftig noch intensivere Voruntersuchungen für solche Flächen vorsehen: „Das wird aber dann höhere Planungskosten zur Folge haben.“

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