Tierleiden in Kauf genommen

Vitzeroda (Wartburgkreis). Eisenacher Schöffengericht verurteilt 50-jährige Frau zu einem Jahr Haft auf Bewährung. In einer ausgedienten Kaserne in Vitzeroda hatte sie 120 Hunde gehalten.

Zu einem Jahr Haft auf Bewährung wurde die 50-jährige Angeklagte am Freitag in Eisenach wegen Tierquälerei verurteilt, hier mit Anwalt Axel Dohmann (rechts). Foto: Peter Rossbach

Zu einem Jahr Haft auf Bewährung wurde die 50-jährige Angeklagte am Freitag in Eisenach wegen Tierquälerei verurteilt, hier mit Anwalt Axel Dohmann (rechts). Foto: Peter Rossbach

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Zu einer Haftstrafe von einem Jahr - ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung - hat das Eisenacher Schöffengericht unter Richter Roland Engels am Freitag eine 50-jährige Frau wegen Tierquälerei verurteilt. Zusätzlich hat sie 200 gemeinnützige Arbeitsstunden abzuleisten und erhielt ein Tierhaltungsverbot für die nächsten fünf Jahre.

Damit geht ein Fall zu Ende, der viel Aufsehen hervorgerufen hatte. Hintergrund ist die Räumung des Geländes der ehemaligen Kaserne bei Vitzeroda. Dies geschah im November 2011 auf Anweisung des Veterinäramtes des Kreises. Rund 120 Hunde waren neben sechs Katzen und einem Stachelschwein unter katastrophalen hygienischen Verhältnissen, so eine Tierärztin, gehalten worden. Im Bericht des Veterinäramtes vom Tag der Räumung heißt es, dass das Gebäude einen verwahrlosten Zustand gehabt habe.

Überall lagen Kot und Schlachtabfälle

Die Böden seien mit Kot und vergammelten Schlachtabfällen übersät gewesen. Es habe ein beißender Gestank aus Kot und Abfall in der Luft gelegen. In einem völlig abgedunkelten Raum habe man 40 Hunde auf engstem Raum gefunden, die bis über die Knöchel im Kot gestanden hätten.

Fünf Stunden nahm der letzte Verhandlungstag in Anspruch, an dessen Ende eine Art Geständnis der Angeklagten stand.

Letztlich bleibt, was den Ablauf in der Kaserne angeht, einiges offen. Auch das Motiv ist für Richter Engels noch undeutlich. Klar ist, dass die Angeklagte 1998 aus Hessen mit vielen Hunden in der Kaserne Vitzeroda einzog, um Tieren in Not eine Bleibe zu verschaffen, und sie dann, so zumindest die Aussage mehrerer Zeugen gestern, weiter zu vermitteln. Die Zeugen waren sich auch darin einig, dass die Zustände über Jahre zumindest akzeptabel gewesen seien.

"Der Zustand der Anlage mindestens am Tag der Räumung und auch schon davor war furchtbar", so Richter Engels. Viele Tiere seien krank und/oder verhaltensgestört gewesen. Nachdem die Tiere in Vitzeroda befreit wurden, waren sie auf Tierheime in ganz Deutschland verteilt worden. Die Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin hatte in einem hessischen Heim sieben dieser Hunde begutachtet. Bei vier Tieren ist aus ihrer Sicht belegbar, dass sie "langanhaltenden Leiden" ausgesetzt gewesen seien, die auch auf mangelnden Umgang mit Menschen zurückzuführen seien.

Zum Abschluss des gestrigen Tages ließ die Angeklagte über ihren Verteidiger erklären, dass die Dinge 2011 "aus dem Ruder gelaufen" seien. "Ich weiß, ich hätte es beenden müssen oder die Hilfe der Behörden annehmen". Anwalt Axel Dohmann wies aber daraufhin, dass das Ziel seiner Mandantin gewesen sei, Tieren in Not zu helfen. "Das war ihr zur Lebensaufgabe geworden. Sie hat nicht aus Eigennutz gehandelt. Das ist lobenswert." Sie habe nicht gewollt, dass einige Tiere leiden müssten.

Und, so Dohmann: "Hätte das Veterinäramt des Kreises ordnungsgemäß gehandelt, wäre das alles nicht passiert". Während einige Mitarbeiter die Angeklagte gedrängt hätten, den Tierbestand abzubauen, habe es andere gegeben, die sie ermutigten, den Bestand noch aufzustocken. Richter Engels wertet das Verhalten des Veterinäramtes als "unglücklich".

Auch Staatsanwaltschaft und Gericht sahen nicht den Vorsatz bei der Angeklagten, den Tieren leid zuzufügen, aber, so Richter Engels zur Angeklagten: "Sie haben das Leid der Tiere am Ende wissentlich in Kauf genommen". Das Urteil ist rechtskräftig.