Ursachen für Schulabbrecher-Quote sind sehr vielschichtig

Eisenach.  Eisenach – die Stadt der Schulabbrecher? Wachtmeister verteidigt die eigene Arbeit und die der Pädagogen an den betroffenen Eisenacher Schulen.

Die Stadt arbeitet mit Sozialpädagogen gegen die hohe Abbrecher-Quote. Unlängst gab es ein erstes Auswertungsgespräch in der Gemeinschaftsschule mit Bernd Wächter, Sascha Mumlek, Julia Herrmann, Cathrina Ortlepp, Maria Scheuermann, Nadine Rohmann, Wolfgang Bitter und Frank Trautmann. Schulleiterin Kerstin Lüder (3. von rechts) sieht positive Effekte für die eigene pädagogische Arbeit. 

Die Stadt arbeitet mit Sozialpädagogen gegen die hohe Abbrecher-Quote. Unlängst gab es ein erstes Auswertungsgespräch in der Gemeinschaftsschule mit Bernd Wächter, Sascha Mumlek, Julia Herrmann, Cathrina Ortlepp, Maria Scheuermann, Nadine Rohmann, Wolfgang Bitter und Frank Trautmann. Schulleiterin Kerstin Lüder (3. von rechts) sieht positive Effekte für die eigene pädagogische Arbeit. 

Foto: Katja Schmidberger

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„Die Stadt der Schulabbrecher“ – so titelte am 22. November die Süddeutsche Zeitung über Eisenach, darunter ein großes Foto mit einer in Nebel gehüllten Wartburg und der Kernaussage, dass nirgends anders als hier junge Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen. Sofort flammte die Diskussion in den Parteien und sozialen Netzwerken auf, warum nur in Eisenach alles so schlecht sei. Die einen meinten, dass sei wieder typisch Eisenach. Andere hinterfragten die Arbeit des Bildungsdezernenten. Im Gespräch mit unserer Zeitung äußerte sich nun gestern Bildungsdezernent Ingo Wachtmeister (SPD).

Wachtmeister: Prozessebrauchen ihre Zeit

Natürlich sei das Niveau an Schulabbrechern in Eisenach hoch, räumt er ein. Die Probleme seien aber vielschichtig und durch grundsätzliche Sozialindikatoren der Stadt mitbestimmt. Untätig sei man keineswegs. „Ich hatte gehofft, der Journalist kommt nochmal vorbei und recherchiert vor Ort, tritt mit den Schulen in Kontakt“, sagt Wachtmeister. Das sei so nicht passiert, merkt er kritisch an. Der Beigeordnete verweist auf das eingeführte Bildungsmanagement und die zwei großen Bildungskonferenzen, die unter der Regie der Stadt gelaufen sind, an der alle intensiv über Eisenach als Bildungsstandort diskutieren konnten. Doch pädagogische Prozesse wirkten nicht von heute auf morgen, sondern erst in fünf und sechs Jahren.

„Da macht jetzt der Artikel eine ganze Menge kaputt“, meint Wachtmeister. Die dort angeführte Studie beruhe auf Zahlen und auf Beschreibungen, die nicht mehr der Aktualität entsprechen. Die Stadt hatte die Zahlen selbst überprüft und war zu einem etwas besseren Ergebnis gekommen. Es gehe ihm aber nicht darum, die Zahlen im Detail zu widerlegen. Die Quoten resultierten aus diversen Faktoren. Da zählen Förderschüler hinein, auch die, die außerhalb der Stadt wohnen und in Eisenach lernen und keinen Schulabschluss schaffen können. Hinzu kommt zudem der 2015/2016 verstärkte Zuzug von Flüchtlingen vom Kreis in die Stadt. Man habe aber die Probleme nicht verschlafen, sondern auch aufgrund der hohen Abbrecher-Quote das kommunale Bildungsmanagement eingeführt. Zudem ist die Stadt, betont der Beigeordnete, selbst Träger eines Förderprogramms, dass mit zusätzlichen Sozialpädagogen und Zuschüssen für Nachhilfe der Entwicklung bewusst entgegentrete (unsere Zeitung berichtete).

Schulen werden stigmatisiert,
dabei sinken Abbrecher-Quoten

Wachtmeister findet viel schlimmer, dass die im Artikel genannten zwei Schulen durch ihre Nennung nun bundesweit stigmatisiert werden. Er wisse, dass die Pädagogen in den zwei Schulen sehr betroffen darüber seien. Zudem sie ihre Quoten weiter senken konnten. Im Schuljahr 2018/2019 waren es zehn Schüler, die ohne Abschluss die Gemeinschaftsschule verließen, an der Goetheschule sieben. Abbrecher gebe es an allen Eisenacher Schulen, stellt Wachtmeister klar.

Doch wie diesem Trend entgegenwirken? Der Dezernent plädiert dafür, Förderprogramme zur Verbesserung der Bildungsqualität an Schulen nicht mehr nach Gießkanne, sondern nach Sozialfaktoren zu entwickeln. Faktoren wie der SGB II-Anteil, das Einzugsgebiet, der Notendurchschnitt, die Abbrecher-Quote bestimmen dann darüber, wie die Lehrerausstattung an Schulen aussieht oder ob ein Schulneubau auf den Weg gebracht wird. Der Dezernent würde zudem gern eine Praxisklasse an Schulen einführen, um so früh wie möglich mit einer Berufsorientierung zu beginnen. Schon ab der 6. oder 7. Klasse könne pädagogische Orientierung so gestärkt werden. Unterstützung erwartet er auch aus dem Ministerium. Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) habe dazu schon das Gespräch mit dem Kultusminister gesucht.

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