Warum die Wartburg eine Schaffnerin namens Emma hatte

Eisenach  Historische Fotos erklären, was eine Schaffnerin auf der Wartburg tat und wer sie war. Weitere Geschichten über die Eisenacher Burg sind in einer Veranstaltung am Freitag zu erfahren.

Die Aufnahme zeigt Emma Rudloff, die ab 1919 Haushälterin von Burghauptmann Hans Lucas von Cranach auf der Wartburg tätig war.

Die Aufnahme zeigt Emma Rudloff, die ab 1919 Haushälterin von Burghauptmann Hans Lucas von Cranach auf der Wartburg tätig war.

Foto: Hans Lucas von Cranach

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Als die Wartburg-Stiftung im Zusammenhang mit der Sonderausstellung „Objektiv – Die Wartburg im Spiegel der Fotografien des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts“ aufgerufen hatte, historische Fotos aus Privatbesitz einzusenden, war nicht vorherzusehen, wie die Resonanz ausfallen würde.

„Zahlreiche Menschen haben ihre privaten Alben durchstöbert und unseren Bestand um ganz viele persönliche Bilder bereichert“, sagt Grit Jacobs, wissenschaftliche Leiterin der Wartburg-Stiftung und Kuratorin der Ausstellung. Mehr als 120 Aufnahmen sind zusammengekommen. Die ältesten und interessantesten werden ausgewählt und in einer virtuellen Sonderschau präsentiert.

Die Schaffnerin der Wartburg hieß Emma

Außerdem: Nach einer ersten Dankeschön-Veranstaltung im Juni wird es eine zweite am morgigen Freitag um 17.30 Uhr im Kellergewölbe des Gadem-Cafés im zweiten Burghof geben. Aber auch wer keine historischen Fotos der Wartburg besitzt, sondern einfach nur neugierig auf die eingesendeten Motive ist, ist an dem Abend gern willkommen. Erzählt werden die Geschichten, die sich mit den Aufnahmen verbinden.

Dazu gehört die Geschichte von „Emma, der Schaffnerin“. Diese Bezeichnung hatten Grit Jacobs und ihre Kollegen in den Unterlagen entdeckt, ohne dass sie die dazu gehörige Negativplatte im sonst reich bestückten Archiv gefunden hätten.

Eine Erklärung gab es erst, als Dorle Nitschke mehrere Fotos aus der Sammlung ihrer Großmutter übergeben hat. Sie wusste, dass ihre Vorfahrin auf der Wartburg gearbeitet hat, aber mehr nicht.

Haushälterinnen als „Schaffnerinnen“ bezeichnet

Wie sich herausstellte, war es die besagte Emma. Mit vollständigem Namen heißt sie Emma Rudloff, und sie war die Haushälterin des Burghauptmanns Hans Lucas von Cranach. Sie hat auf der Wartburg von 1919 bis 1929 gewohnt und Cranach bis zu seinem Tod betreut, auch als es ihm gesundheitlich nicht mehr so gut ging.

Wiederum hat Cranach, der ein leidenschaftlicher Fotograf war, seine „Schaffnerin“ für Postkartenmotive abgelichtet. „Emma von der Wartburg“ lautet ein Gruß, der eine Dame zeigt, die aus einem Fenster der Dirnitz schaut, eingerahmt von Geranien. Schaffnerin, das hat sich auch erst jetzt herausgestellt, war der damalige Begriff für Haushälterin.

Dorle Nitschke stellte aus der Sammlung ihrer Großmutter auch Aufnahmen vom Wartburg-Auto-Verkehr zur Verfügung. In den 1920er Jahren fuhren Motorwagen auf einer touristischen Linie zwischen Eisenach, der „Hohen Sonne“ und der Wartburg.

Ein Foto zeigt Emma Rudloff inmitten einer Schar illustrer Fahrgäste. Als die Wartburg-Stiftung das Motiv auf Facebook veröffentlichte, meldete sich sofort Enrico Martin vom Wartburgfahrerclub, weil er eine ganze Bilderserie zu dem Thema besitzt. „Wir freuen uns sehr, weil wir davon bisher keine Aufnahmen haben“, so Jacobs.

Und weiter: Das älteste Motiv von der Eselstation stammte bisher von 1909. Doch inzwischen reichte eine Dame ein noch älteres von ihrer Urgroßmutter auf einem Esel ein. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1905 und datiert damit fast auf die Anfänge der Eselstation. Bis heute ist es für Kinder ein unvergessliches Erlebnis, mit dem Esel bis unterhalb des Droschkenplatzes zu reiten.

Selbst Kaiser Wilhelm II. ging das letzte Stück zu Fuß

Ab dem Droschkenplatz musste selbst Kaiser Wilhelm II. zu Fuß zur Burg pilgern. Das beweisen Fotos, die ein Sammler aus Erfurt eingesendet hat. Für diese Schnappschüsse muss sich der am Eisenacher Frauenberg ansässige „Hofphotograph“ Carl Remde am Wegesrand „auf die Lauer gelegt“ haben. Denn er war für die Wartburg nicht zugelassen, weiß Jacobs. Es gab strenge Vorschriften, wer in den Burgmauern als Fotograf sein Geld verdienen durfte.

Am Freitag wird noch sehr viel mehr zu erfahren sein. Die Sonderschau selber ist bis zum 31. Oktober zu sehen. Jeweils am letzten Freitag im Monat werden Führungen angeboten.

Öffentliche Veranstaltung zur Sonderausstellung „Objektiv – Die Wartburg im Spiegel der Fotografien“ am 13. September, 17.30 Uhr, Gademkeller, zweiter Burghof

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren