Weinbau in Thüringen nahm vor 1300 Jahren am Baueshof seinen Anfang

Marksuhl  Mönche sollen die Siedlung bei Marksuhl im Wartburgkreis als erstes bepflanzt haben. Das Jahr 776 wird im „Codex Eberhardi“ des Klosters Fulda benannt.

Wein, wie hier auf einem Gut in Bad Sulza, soll vor weit mehr als 1000 Jahren auch am Baueshof bei Marksuhl angebaut worden sein. Archiv-

Wein, wie hier auf einem Gut in Bad Sulza, soll vor weit mehr als 1000 Jahren auch am Baueshof bei Marksuhl angebaut worden sein. Archiv-

Foto: Sascha Fromm

Die Frühgeschichte des Ortes Marksuhl liegt heute so gut wie im Dunkeln. Ein Nachweis der urkundlichen Ersterwähnung ist im Ort noch nicht erbracht und vorgelegt. Auch die einzige Chronik des Ortes, die der Lehrer Waldemar Döpel 1909 angefertigt hatte, nennt keine explizite Jahreszahl der Ersterwähnung.

In einigen Dokumenten wird immer wieder die Ersterwähnung von „Suhlahe“ um 800 genannt. Man schreibt diese Zahl, die auch auf einem Brunnen auf dem Marksuhler Marktplatz gestanden haben soll, in schöner Regelmäßigkeit ab und kolportiert sie ohne Beleg weiter. Es gibt in Marksuhl seit über 100 Jahren keinen offiziellen Ortschronisten mehr.

Die 1250-Jahrfeier Marksuhls im Jahr 1987 war in erster Linie die Zugabe der 400-Jahrfeier des damals sanierten Schlosses und wurde quasi angehängt ohne einen schriftlichen Bewies für dieses Jubiläum zu haben. Weil in der Marksuhler Nachbarschaft Orte wie Herda oder Gerstungen gerade Jubiläen der Ersterwähnung ausgiebig feierten und andere Dörfer wie Oberellen selbige gerade vorbereiten, sinnieren einige ältere Marksuhler mehr denn je, aber ratlos wie eh und je über die Frühgeschichte ihres Ortes.

In die Gastwirtschaft „Blauer Engel“ brachte ein Stammgast unlängst ein Büchlein aus dem Thüringer Rhino-Verlag mit, das er von einem seiner Söhne geschenkt bekommen hatte. Der Weinkenner las das „Kleine Thüringer Weinbuch“ mit großem Interesse und staunte nach eigenen Worten nicht schlecht, was die Autoren und Weinexperten Stefan A. Beck und Matthias Gose darin schilderten.

Mönch erstellt Verzeichnis der Güter

Im Büchlein ist nachzulesen, dass als ältester thüringischer Ort mit Weinbau der Baueshof bei Marksuhl gilt. Erwähnung finde dies im bekannten „Codex Eberhardi“ des Klosters Fulda aus dem Jahr 776. Der Codex ist ein Verzeichnis der Güter des Klosters Fulda, das um 1150 von dem Mönch Eberhard angefertigt wurde, wobei dieser auf Abschriften der im Kloster gesammelten Besitzurkunden zurückgriff. Mehrere Orte in Thüringen stützen ihre Ersterwähnung auf das historische Dokument, zum Beispiel auch Gerstungen. Der Baueshof ist eine kleine Siedlung etwa 1,5 Kilometer westlich von Marksuhl. Das Anwesen steht unter Denkmalschutz.

Der Weinbau an Saale und Unstrut, heute einzige kommerzielle Weinbauregion in Thüringen, entstand erst etwa 300 Jahre später. Der frühe Weinbau dürfte laut Autoren von Westen aus nach Thüringen gekommen sein. „786 werden in einer Urkunde Kaiser Karls des Großen Weinberge in (...) ,villa Thoranthorp‘, dem heutigen Dorndorf in der Rhön erwähnt“, notierten die Autoren. Die Klöster waren von besonderer Bedeutung für die Ausbreitung des Weinbaus. Mönche kamen aus ehemaligen römischen Reichsgebieten. „Sie waren mit Wein bestens vertraut, war und ist das Vorhandensein von Messwein eine Grundlage klösterlicher Lebensführung“, ist zu lesen. Selbstversorgung war ein Gebot der Stunde. Der Baueshof gehörte zum Zisterzienserinnenkloster Frauensee, dessen Gründungsdatum selbst unbekannt ist.

Weinbau in Marksuhl, das aus klimatischer Sicht nicht als die Toscana des Werratals gilt? Die Buchautoren erklären: „Vom 12. bis 15. Jahrhundert wurde ohne Rücksicht auf Klima und Bodenverhältnisse so gut wie jeder Hügel berebt.“ Die Hauptanbaugebiete hätten in den Flusstälern gelegen, so auch an der Werra von Eisenach bis Eschwege. Das Klima war vor über 1000 Jahren möglicherweise zudem von anderen Faktoren weingünstig beeinflusst

Wolfgang Sinn (Dönges), neuerdings Stadtchronist von Bad Salzungen, weiß um den Erstweinbau in Vacha. „Vacha, Dorndorf, Marksuhl – das ist alles eine Gegend und damals war das Werratal insgesamt mehr Urwald, war Besitz nicht auf den Meter abgesteckt und bekannt“, sagt Sinn. Gab es den Baueshof, so gab es jedenfalls auch Marksuhl, sagt der Hobby-Historiker.

Der Baueshof bietet einen Südhang, heute bewaldet. Wein wird von den Besitzern nicht produziert, aber Naturprodukte. Er wird von Familie Brand als Bio-Bauernhof bewirtschaftet. Ziegen- und Schafsmilch, Joghurt und Käse werden hergestellt. Spätestens jetzt sollten die Baueshöfer aus der Quelle aber Kapital schlagen und auch Wein anbieten, empfiehlt Wolfgang Sinn – Wein „aus dem ältesten Anbaugebiet Thüringens“.

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