Wenn drei Sachen zwei Liederschreiber hofieren

Eisenach.  Aus Radeberg kommt ein Bier und das Trio Tricando. Auch das kannman sich köstlich auf der Zunge zergehen lassen.

Das Radeberger Tricando in der Waldorfschule, von links Enrico Schneider, Andreas und Paul Zöllner.

Das Radeberger Tricando in der Waldorfschule, von links Enrico Schneider, Andreas und Paul Zöllner.

Foto: Jensen Zlotowicz

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Dem Verein Neues Leben um Susanne Sobko sei Dank, dass er das Radeberger Trio Tricando und seine Musik nach Eisenach holte. Ihr kreatives Tun auf der Bühne der Waldorfschule war ein Gewinn für alle Beteiligten.

Mit drei Stimmen, zwei Gitarren, Cajon, Electronics, Cello, Flöten, Konzertina und mehr rocken und flüstern, singen und spielen Tricando mit den Songs von Rio Reiser und Gerhard Gundermann. Die Hommage an beide zu früh verstorbenen Poeten und Freigeister – der eine aus dem Westen, der andere aus dem Osten Deutschlands – ist in mehrfacher Hinsicht ein verwobenes Etwas. Reiser und Gundermann einen Texte über das Leben, die Liebe, das Nachdenken über eine bessere Welt und der Hang zu melancholischen moll-Akkorden.

Ein ausverkaufter Saal und zufriedene Gesichter nach dem Konzert waren der schönste Lohn für Vater Andreas und Sohn Paul Zöllner und ihren Rechtsaußen Enrico Schneider. Mit Tricando haben sich seit 2018 seelen- (und bluts)verwandte Multiinstrumentalisten zusammengerauft, um zu erzählen, was Gundermann und Reiser zu sagen hatten. Und sie hatten viel zu sagen, musikalisch mehr oder weniger tränengeschützt verpackt.

Tricando ziehen leichtfüßig wie zielsicher durch den Backkatalog der beiden Liederschreiber und hinterlassen dabei eine Spur der eigenen Interpretationen, nie zu weit weg vom Original, aber fern genug, um den Liedern eine Prägung zu verpassen, die nie billige Kopie ist. Andreas Zöllner, Profi-Musiker seit seiner Zeit bei der Dresdner Folkband Das Blauen Einhorn, steht dabei nur räumlich im Mittelpunkt. Die beiden jungen Kerle an seiner Seite sind nämlich auf Augenhöhe und strotzen vor Spielfreude an gefühlten 20 Instrumenten.

Das dankbare Publikum begleitete die Spielart des Trios je nach Schlagzahl, die im Verlaufe des Abends höher wurde. Was mit einer musikalisch-philosophischen Note aus den Federn von Baggerfahrer Gundermann und Revoluzzer Reiser begann, nahm seinen flotten Lauf. Natürlich musste es dem programmatischen Strickmuster geschuldet zwei Abschlusslieder geben und zwei Zugaben. Der Beifall reichte für alle drei; für ganz Berlin, ganz Hoywoy und ganz Radeberg.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.