Wenn Kindern Gewalt angetan wurde...

Eisenach  Die Kinderschutzambulanz am St.-Georg-Klinikum Eisenach wird aktiv bei Verdachtsfällen von Kindesmisshandlung oder sexuellem Missbrauch. In dieser Woche hat sie dafür eine Anerkennung erhalten.

Die Kinderklinik am St.-Georg-Klinikum Eisenach wurde als Westthüringer Kinderschutzambulanz anerkannt: Kathleen Schlichter (Kinderklinik) nimmt das Zertifikat aus den Händen von Franziska Müller (2. von rechts/Thüringer Fachstelle für Qualitätsentwicklung im medizinischen Kinderschutz) in Empfang. Dahinter freuen sich auch (von links): Sabine Wenzel (Kinderschutzdienst Wartburgkreis), Gudrun Keßler (Kinderschutzdienst Eisenach), Kathrin Heinisch (Kinderschutzdienst Eisenach), Ellen Wietschel (Jugendamt) und Chefarzt Benno Kretzschmar.

Die Kinderklinik am St.-Georg-Klinikum Eisenach wurde als Westthüringer Kinderschutzambulanz anerkannt: Kathleen Schlichter (Kinderklinik) nimmt das Zertifikat aus den Händen von Franziska Müller (2. von rechts/Thüringer Fachstelle für Qualitätsentwicklung im medizinischen Kinderschutz) in Empfang. Dahinter freuen sich auch (von links): Sabine Wenzel (Kinderschutzdienst Wartburgkreis), Gudrun Keßler (Kinderschutzdienst Eisenach), Kathrin Heinisch (Kinderschutzdienst Eisenach), Ellen Wietschel (Jugendamt) und Chefarzt Benno Kretzschmar.

Foto: Peter Rossbach

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„In der täglichen Arbeit ändert das für uns nicht viel, weil wir das ohnehin tun. Aber es ist natürlich schön, nun auch dafür zertifiziert zu sein“, sagt Chefarzt Benno Kretzschmar. Die Westthüringer Kinderschutzambulanz am St.-Georg-Klinikum Eisenach wurde von der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin als Kinderschutzgruppe anerkannt. Am Freitag wurde darüber berichtet. Die Ambulanz ist in der Kinder- und Jugendklinik angesiedelt und hat zum Ziel, Fälle von Kindesmisshandlung und sexuellem Missbrauch fachübegreifend zu diagnostizieren und zu behandeln. Überdies werden die weiteren Schritte auch außerhalb des medizinischen Bereiches für den Schutz der Betroffenen eingeleitet.

Ein zentraler Bereich in einem Klinikum

„Kinderversorgung ist ohnehin ein ganz zentraler Bereich in einem Klinikum, aber der Kinderschutz wird immer wichtiger“, sagt Klinikums-Geschäftsführer Thomas Breidenbach. Rund 30 Verdachtsfälle im Bereich der Kindesmisshandlung oder sexuellem Missbrauch treten in jedem Jahr in der Kinderklinik auf. Das Team um Chefarzt Kretzschmar hat Erfahrung im Umgang mit solchen Fällen. Seit einigen Jahren schon ist man offizielle Inobhutnahme­stelle der Stadt Eisenach. „Das Thema gewinnt ja immer mehr an Bedeutung, auch nach dem Bekanntwerden von Fällen in Kirchen, Sportvereinen oder auf Campingplätzen. Und das war möglicherweise nur die Spitze des Eisberges“, sagt Kretzschmar. Natürlich sei nicht jeder Verdachtsfall auch am Ende ein tatsächlicher Fall von Kindesmisshandlung oder sexuellem Missbrauch. Aber im Klinikum sehe man seine Aufgabe eben nicht nur darin, die jungen Patienten auch in diesen Lagen medizinisch optimal zu betreuen, sondern auch, wenn nötig, den weiteren Schutz zu organisieren. Dazu habe man schon länger einen guten Draht etwa zum Jugendamt.

Weitere Partner dabei sind für das Klinikum die Kinderschutzdienste des Wartburgkreises und der Stadt Eisenach. Es gehe da um das Baby mit dem Schütteltrauma genauso wie um die vergewaltigte 17-Jährige. Im Vordergrund stehe zunächst die Versorgung und das Wohl der jungen Patienten und nicht so sehr die mögliche Strafverfolgung, so Kretzschmar.

In der Kinderschutzambulanz arbeiten Fachleute aus den Bereichen Frauenheilkunde, Psychologie und Radiologie eng mit den neun Ärzten und 25 Schwestern der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin zusammen. Die Ambulanz kann jederzeit von Eltern, Behörden und Kinderärzten in Anspruch genommen werden.

Die nun zertifizierte Kinderschutzgruppe selbst besteht aus einem Facharzt mit kinderschutzmedizinischer Erfahrung, einer Fachkraft des psychosozialen Dienstes und einer Pflegekraft. Die Gruppe soll auf jeden Verdachtsfall von Kindesmissbrauch innerhalb von 24 Stunden reagieren.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren