Wie eine „altersschwache“ Glocke die Radprofis der Deutschlandtour fast zu Fall brachte

Eisenach  Gefährliches Glockenspiel: Die Zielankunft der Deutschlandtour hätte in Eisenach um ein Haar in einem Unglück enden können.

Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) läutet mit dieser Glocke die letzte Runde ein.

Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) läutet mit dieser Glocke die letzte Runde ein.

Foto: Stadt Eisenach

Es herrschte bestes Wetter. Die Sonne meinte es vergangenen Samstag noch einmal gut mit den Radprofis, die knapp 189 Kilometer von Göttingen bis in die Wartburgstadt in den Knochen hatte. Gegen 17 Uhr rauschte die Spitze des langgezogenen Pelletons zum ersten Mal durch Eisenach. Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) hatte die ehrenvolle Aufgabe, eine Glocke zu läuten. Dieses Geräusch ist am Ende eines anstrengenden Rennentags Balsam für die Ohren der Fahrer. Es kündigt die letzte Runde an. Allerdings war die finale Schleife kein Spaß, denn das Feld musste sich noch einmal bis zur Hohen Sonne am Rennsteig hinaufquälen, um dann erneut in die Stadt rauschen zu können.

Sie habe sich sehr auf ihre Aufgabe gefreut, erzählt Katja Wolf gestern dieser Zeitung. Etwa Hundert Sportlern die letzte Runde einläuten zu dürfen, diese Verantwortung habe sie noch nie gehabt. Es sei aufregend gewesen, so dicht am Fahrerfeld stehen zu dürfen.

Defekte Glocke fällt zwischen die Radprofis

Für den Job bekam die Stadtchefin von den Organisatoren eine Handglocke, wie sie Marktschreier verwenden. Ein Stiel am oberen Ende diente zum Festhalten und Schwenken.

Gesagt, getan: Als sich die ersten Fahrer näherten, habe sie das Glöckchen unermüdlich geschwenkt, erzählt Katja Wolf. Jeder der Radprofis sollte erfahren, dass er sich auf die letzten Kilometer begebe, um seine Reserven für den Zielkurs zu mobilisieren.

Dann geschah das Unfassbare. „Mir ist das Herz in die Hose gerutscht“, versichert die Linke-Politikerin. Denn die Glocke löste sich vom Stiel und hüpfte über den Asphalt mitten zwischen die heranrasenden Radfahrer. Der Schreck sei groß gewesen, so die Politikerin. Nicht nur, weil sie den folgenden Sportlern nicht mehr heimläuten konnte. Nein, die Glocke auf der Rennstrecke war für Radprofis eine echte Gefahr. Die Männer seien mit Tempo 50 an ihr vorbeigerauscht. „Nicht auszudenken, wenn einer von ihnen das Metallstück erwischt hätte.“

Die Verantwortlichen versuchten sofort, in den Lücken zwischen mehreren Fahrern die Glocke zu bergen. Das sei zum Glück nach einiger Zeit auch gelungen. „Leider ließ sie sich nicht mehr mit dem Stiel verbinden.“ Katja Wolf versichert aber, dass sie mit dem übrig gebliebenem Rest versucht habe, auch für das Ende des Fahrerfeldes die letzte Runde einzuläuten.

Altersschwache Glocke

Einige Tage später nimmt sie Panne mit Humor. „ Die Glocke war einfach altersschwach.“ Trotz des Malheurs sei die Deutschlandtour für Eisenach samt der Live-Bilder im Fernsehen eine fantastische Werbung gewesen, freut sich die Oberbürgermeisterin.

In der Landeshauptstadt waren die Organisatoren schließlich bemüht, eine Ersatzglocke zu besorgen. Diese stellte kurzerhand die Erfurter Teamspirit GmbH, die etwa die Steherrennen im Andreasried veranstaltet, zur Verfügung.

Die Reste der defekten Glocke hat Katja Wolf übrigens nicht auf ihrem Schreibtisch stehen. Sie würde sich aber sehr freuen, wenn die Stadt diese als Andenken bekommen könnte.

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