Wie Gastwirte die Corona-Schließzeit zu überstehen versuchen

Wartburgkreis.  Einige Wirte in der Wartburgregion bieten Speisen zum Mitnehmen an, andere zehren von ihren Umsätzen im Sommer. Die Angst um die wirtschaftliche Existenz ist groß.

Frank und Alexandra Fischer bieten in ihrer Gaststätte am Waldbad Mosbach am Wochenende mehrere Gerichte zum Abholen an.

Frank und Alexandra Fischer bieten in ihrer Gaststätte am Waldbad Mosbach am Wochenende mehrere Gerichte zum Abholen an.

Foto: Birgit Schellbach

„In der Krise merkt man, wer zu einem hält“. Frank Fischer, Inhaber der Gaststätte Waldbad in Mosbach, ist seinen Gästen dankbar, die am Wochenende sein Speisenangebot zum Mitnehmen nutzen. Schnitzel mit Bratkartoffeln und Salat oder Wildgulasch mit Thüringer Klößen können nach Vorbestellung vor Ort abgeholt werden. Je nach Kapazität sind auch Lieferungen nach Hause möglich. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Wenn es das Wetter zulässt, legt der Gastwirt samstags und sonntags außerdem Bratwürste, Wildbratwürste oder Brätl auf den Rost und bietet Getränke an. Wanderer und Radfahrer freut es, und den Familienbetrieb hält es in Coronazeiten über Wasser. Fischers haben im ersten Lockdown die Thüringer Hilfen beantragt und erhalten. „Aber wir wollten uns nicht darauf verlassen“, sagt der Gastwirt, der bereits im März Gerichte „to go“ angeboten hat. Außerdem hat er mit Übernachtungen in sechs Zimmern – viele haben in diesem Jahr im Inland Urlaub gemacht – und mit dem Biergarten über den Sommer gute Umsätze gemacht. Frank Fischer spricht „vom großen Glück“, viel unter freiem Himmel machen zu können. Ob er jetzt erneut Unterstützung vom Staat beantragt, weiß er noch nicht. Hilfreich seien aber auch die Regelungen zur Kurzarbeit und die gesenkte Mehrwertsteuer.

Für den Eisenacher Gastwirt Tino Kuchinke ist es „pure Verzweiflung“, dass er jetzt freitags, samstags und sonntags zehn Gerichte zum Mitnehmen anbietet. Beim ersten Lockdown hatte er komplett geschlossen. Er war skeptisch, etwa Gänsekeule mit Thüringer Klößen und Rotkraut in der Assiette anzubieten. Schließlich sei er kein Dönerladen und keine Pizzeria. Jetzt hat er Bambus-Behältnisse entdeckt, die sich für frisch und aufwendig zubereitete Speisen eignen. Tino Kuchinke findet vieles an den Coronavorschriften ungereimt. Er musste sein Restaurant in der Tiefenbacher Allee schließen, obwohl er zwischen den Tischen extra Raumteiler eingebaut hatte. Während ein Hotel in einem Eisenacher Ortsteil für Geschäftsreisende öffnen darf und dort ganz normaler Restaurantbetrieb herrscht. Überhaupt findet er, dass die Politik nicht an die kleinen Selbstständigen denkt, „die den Laden am Laufen halten“.

Die Nachfrage nach Essen zum Mitnehmen in Eisenach sei nicht so groß

Für Andreas Gutsell vom „Augustiner Bräu“ und „Storchenturm“ in Eisenach lohnt es sich nicht, die Küche zu öffnen: „Wir haben alles runtergefahren, um die Kosten auf null zu setzen.“ Die Nachfrage in Eisenach sei nicht so groß, er merke das an seinem Currywurst-Imbiss. Noch schlimmer sei aber, wenn im Dezember das Weihnachtsgeschäft wegbreche. Davon habe er sonst noch im Januar und Februar gezehrt, die erfahrungsgemäß umsatzarm sind. Andreas Gutsell mag sich nicht ausmalen, was wird, wenn der Staat dann sagt: Aber ihr habt doch geöffnet… Außerdem beschäftigt den Gastwirt, wann die Fördermittel für den derzeitigen Lockdown ausgezahlt werden. Bisher konnte er noch nicht einmal einen Antrag stellen. Aber die Kosten ab 1. Dezember laufen. „Man will gar nicht darüber nachdenken, sonst hat man nur noch schlaflose Nächte.“

Im März lief das Geschäft „to go“ nicht so erfolgreich, äußert Thomas Regensburg. Seine Ausflugslokal, die Ruhlaer Skihütte, liegt abseits. Doch der Gastwirt versucht es jetzt wieder. Martinsgänse mit Rotkraut und Klößen habe er gut verkauft. Gäste brachten ihre Bräter mit, und Thomas Regensburg hat sie bei 80 Grad im Geschirrspüler gereinigt – keine Chance für das Virus. Jetzt bietet er am Wochenende drei Gerichte an: dicke Rippe und zwei Sorten Schnitzel. Der Hüttenwirt war neulich bei einer Sitzung des Gaststättenverbands. „Sie haben uns für den Dezember nicht viel Mut gemacht.“ Die Umsätze im Sommer sind gut gewesen. Aber wenn er die Reserve jetzt schon angreifen muss, sei das „blöd“.

Zahlreiche Gaststätten und Restaurants bieten Speisen zum Mitnehmen an. Wer sein Lieblingslokal unterstützten will, ruft am besten dort an.