Wie zwei junge Treffurter zu Katzenhelfern wurden

Treffurt.  Mit einem kläglichen Fieben im Hof fing alles an. Inzwischen haben sich Kim Rohland und Nils Geimke schon um ein Dutzend herrenloser Kätzchen gekümmert.

Eisenach Die Treffurter Kim Rohland (rechts) und Nils Geimke mit den beiden kleinen Katzenkindern, die sie groß gezogen haben.

Eisenach Die Treffurter Kim Rohland (rechts) und Nils Geimke mit den beiden kleinen Katzenkindern, die sie groß gezogen haben.

Foto: Peter Rossbach

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Die beiden kleinen und quicklebendigen Wollknäuel sind noch jung und verspielt. Keine Sekunde bleiben sie mal still, auch nicht in den Armen von Kim Rohland und Nils Geimke. Das junge Paar aus Treffurt lebt seit ein paar Monaten in der Werrastadt, der einstigen Heimat der Oma von Nils. Die beiden haben ein kleines Häuschen in der Bergstraße gekauft und wollen es nun nach und nach sanieren. Aber schon kurz nach ihrem Einzug haben die beiden ein sehr zeit- und kostenaufwendiges Hobby gefunden – oder besser, sie wurden vom Hobby gefunden: Sie kümmern sich um streunende Katzen in ihrem Wohnumfeld.

Begonnen hat alles, als Kim und Nils ein deutlich vernehmbares, jämmerliches, über einen längeren Zeitraum anhaltendes Fiepen vernahmen. „Unter ein paar von uns im Hof abgestellten Möbeln lag ein etwa anderthalb Wochen altes Kätzchen, das wohl dort zur Welt gekommen und von der Mutter nicht mitgenommen worden war“, erinnert sich Kim Rohland.

Eigentlich sind die beiden Neu-Treffurter Hundefreunde, gleich zwei Jagdhunde gehören zur Familie. „Da ist uns das Thema Tierschutz nicht neu“, sagt Nils Geimke. So fand das kleine Kätzchen eine Heimat im Fachwerkhaus an der Bergstraße.

Bislang keine Erfahrung mit jungen Katzen

Als Kim und Nils das das Kätzchen fanden, hatte es noch die Augen geschlossen und war auf Hilfe angewiesen. Alle zwei bis drei Stunden wurde es über Tage hinweg von den beiden Rettern gefüttert, Tag und Nacht. Natürlich nahmen Kim und Nils auch Verbindung mit einem Tierarzt auf, „wir hatten ja gar keine Erfahrung im Umgang mit so kleinen Katzen“. Der kleine Wurm öffnete dem Paar aber auch den Blick auf die vielen anderen Katzen in ihrer Wohngegend. Allein dort im nahen Umfeld schätzen die Tierhelfer den Bestand auf 20 halterlose Tiere und etwa zehn Freigänger, also Tiere, die einen Halter haben, aber viel Zeit draußen verbringen.

Zahl der nicht-kastrierten Tieremüsste dringend gesenkt werden

Schnell stand für die Beiden fest, „dass wir da was tun wollen“, so Kim Rohland. Die erste Überlegung war, sich um die Streuner zu kümmern. So war auch ein alter Kater mit einem Beckenbruch zeitweise Gast in dem Haus in der Bergstraße, der dann vom Tierarzt versorgt wurde. „Das eigentliche Ziel muss es sein, die Zahl der nicht-kastrierten Tiere in der Stadt zu senken, damit die Katzen-Population nicht weiter ungehemmt zunimmt“, sagt Nils Geimke.

Bisher aber nahmen vor allem die vielen ganz jungen Katzen alle Zeit in Anspruch, die den Helfern zur Verfügung steht. Da es sich mittlerweile auch über die Facebook-Gruppe (Treffurter Katzenhilfe) herumgesprochen hatte, was Kim und Nils da taten, kamen immer wieder Hinweise, wo sich streunende, verletzte oder ganz junge Katzen befänden. „Zeitweise hatten wir hier vier Baby-Katzen. Und das war dann grenzwertig“, so das Paar, das sich gerade beruflich selbstständig machen will.

Das Ziel ist jetzt der Aufbau eines Tierschutzvereins in Treffurt

Es ist ja nicht nur die Zeit, sondern auch ein erheblicher finanzieller Aufwand. Der Weg zum Tierarzt, untersuchen, impfen, kastrieren und mit einem Chip versehen – pro Katze sind das schnell mal zwischen 20 und deutlich über 100 Euro. In nur wenigen Monaten haben Kim und Nils zehn Jungtiere, eine verletzte Katze und einen Streuner versorgt und behandeln lassen. Acht der zehn Jungtiere konnten sie an neue Besitzer vermitteln. „Es gibt auch Menschen, die uns mit einer privaten Spende unterstützen, aber auf Dauer geht das so nicht“, findet Kim Rohland. Das Ziel ist es jetzt, einen Tierschutzverein aufzubauen, wo sich mehr Menschen zusammenfinden, um sich des Problems anzunehmen.

Unterstützung finden die beiden auch bei der Stadt Treffurt. „Wir sind froh, dass sich mit den beiden Neu-Treffurtern jemand gefunden hat, der das Problem nicht nur ansprechen, sondern auch angehen will“, so Bürgermeister Michael Reinz (Bürger für Bürger).

Im Stadtrat hat er das jüngst auch angesprochen. Zur Debatte steht die Einführung einer Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen. Das würde bedeuten, dass alle Katzen, die nicht nur in der Wohnung oder dem Haus gehalten werden, kastriert werden müssen. Da wären dann die Tierhalter in der Pflicht. Auch über eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen, wie es sie beispielsweise bereits für Hunde gibt, könne man nachdenken, beschrieb Detlef Händel vom Ordnungsamt mögliche Handlungsoptionen. Es geht der Stadt, so Reinz, um das Tierwohl, aber auch um die Sauberkeit und die Abwehr möglicher Gefahren.

Machen Katzenhalter diesmal mit?

Das Thema ist in Treffurt kein Neuland. Händel erinnert sich: „Der Versuch, mit interessierten Bürgern der Stadt ein Projekt mittels Spenden und Fördermitteln zu initiieren, um Straßenkatzen zu kastrieren und sogar Katzenhaltern von Freiläufern dabei unter die Arme zu greifen, schlug einst leider aus rechtlichen Gesichtspunkten, aber auch wegen der fehlenden Mitwirkung der Katzenhalter fehl.“

Das junge Pärchen freut sich über die Unterstützung der Stadt auf diesem Wege, weil es ihr Wirken auch rechtlich sicherer machen würde. Aus Sicht von Kim Rohland und Nils Geimke muss aber mehr passieren: „Noch ist das Problem mit einem überschaubaren Aufwand lösbar, aber irgendwann eben nicht mehr“. Die Spenden sind nötig, aber am Ende werden mehr „helfende Hände“ benötigt.

Info-Abend am 5. Dezember im Bürgerhaus

Und so gibt es jetzt am Donnerstag, den 5. Dezember, einen ersten Info-Abend, in dem Kim Rohland, Nils Geimke und die Stadt mit interessierten Bürgern Treffurts ins Gespräch über Streuner und Katzenhilfe kommen wollen. „Da kann jeder Fragen stellen, Ideen vorbringen und selbst aktiv werden“. Los geht es um 17.30 Uhr im Mehrzweckraum des Treffurter Bürgerhauses.

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