Die Zauberinnen

Wir sehen uns draußen

Carolinde Müller-Wolf plädiert für einen Kompromiss in der bunten, regnerischen Jahreszeit

Zauberhaft im Regen

Zauberhaft im Regen

Foto: Carolinde Müller-Wolf

Es regnet, es regnet die Erde wird nass. Soll ich im Herbst das Haus verlassen? Freiwillig? Eigentlich nur, wenn es wirklich nötig ist. Denn nach einem ungewöhnlichen Sommer, der uns ungewöhnlich viel Kraft gekostet hat, ist er nun da: der gewöhnliche Herbst.

Eigentlich ist doch der Herbst für mich die schönste Jahreszeit. Alles leuchtet in bunten Farben und man hat das Gefühl, dass unsere Natur mit Gold überzogen ist. Gerade, wenn die Sonne durch die Bäume schillert. Na ja, ist ja geschehen, nur vergessen wir das an Tagen wie solchen eben. Am besten wir fliegen nach Griechenland, da leuchtet es immer. Ach so, da war ja was – das geht ja gerade nicht.

In Prospekten zeigt sich der Herbst immer so verträumt. Nur wird man bei uns in Eisenach oftmals in die Realität zurückgeholt und wir mit einem schlichten Grau konfrontiert. Aber nicht so ein Designgrau in 80 verschiedenen Nuancen, sondern eben einfach Grau gepaart mit Regen. Und zu guter Letzt werden wir noch mit dem so geliebten Last Christmas beschallt.

Nun frage ich mich täglich und zaghaft, ob wir einen kleinen Spaziergang durch den verregneten und schlammigen Wald machen wollen? Meine Antwort ist klar: nein! Auch alle, die sich sonst im Straßenverkehr auf ihr Fahrrad setzten, sitzen sie nun in ihren warmen Autos.

Aber eins kann ich wohl behaupten, Kinder sind wasserdicht, sie interessiert es doch gar nicht, ob es regnet oder die Sonne strahlt. Wir können wirklich viel lernen von den kleinen Rackern. Lasst uns im Laub spielen und im Regen tanzen: Herbst spüren ist die Devise! Denn alles hat doch etwas Wunderbares. Wir müssen einfach unseren Blickwinkel ändern und die positiven Aspekte sehen.

Keine Wespen, keine Klimaanlagen, sondern mal riechen wie der Herbst so duftet und der Moment, in dem man die Tür aufschließt, sich einen Tee macht und ein wunderbares Buch in den Händen hält und die Kerzen flackern, währenddessen der Regen applaudierend die Fenstersimse küsst. Genau das ist der Moment, in dem ich den Herbst, den verregneten Herbst liebe.

Und denken wir mal an unsere Natur, der Herbst schenkt uns wunderbare Früchte, wie Äpfel, Birnen, Trauben und Kürbisse. Also schließe ich einen Kompromiss mit meinem inneren Schweinehund und gehe raus, lass Drachen steigen und backe einen wunderbaren Apfelkuchen. Wir sehen uns draußen.