Wirtschaftsminister von Idee einer Eisenacher IT-Firma angetan

Eisenach.  Beim IT-Unternehmen Evan GmbH in Eisenach und bei der Elektronik-Firma Phoenix Mecano in Wutha-Farnroda sammelte Tiefensee wertvolle Eindrücke.

Beim Besuch des Thüringer Wirtschaftsministers Wolfgang Tiefensee bei der IT-Firma Evan GmbH in Eisenach erklärten Firmenmitbegründer Thomas Müller (links) und Evan-Protagonist Thomas Herbst (rechts) ihre Idee. Mit beim Gespräch waren auch SPD-Stadtratsmitglied Jonny Kraft und Mario Scharf vom SPD-Kreisverband (von links auf dem Sofa).

Beim Besuch des Thüringer Wirtschaftsministers Wolfgang Tiefensee bei der IT-Firma Evan GmbH in Eisenach erklärten Firmenmitbegründer Thomas Müller (links) und Evan-Protagonist Thomas Herbst (rechts) ihre Idee. Mit beim Gespräch waren auch SPD-Stadtratsmitglied Jonny Kraft und Mario Scharf vom SPD-Kreisverband (von links auf dem Sofa).

Foto: Jensen Zlotowicz

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) war angetan. Beeindruckt von dem, was die etwa 20 Mitarbeiter des jungen Start Up-Unternehmens Evan GmbH mit Sitz in Dresden und Eisenach seit der Firmengründung im Januar auf die Beine gestellt haben.

Eine nicht manipulierbare, digitale Identität

Weil die IT-Spezialisten den Grundstein für ein digitales Netzwerk gelegt haben, das Firmen und deren Produkten eine nicht manipulierbare, digitale Identität verschafft, mit der sie auf dem Markt agieren können, will Tiefensee die Evan-Leute ins Boot holen.

Der von Evan geprägte Standard könnte etwa Maßstab für die Thüringer Aufbaubank bei der Höhe der Förderung von Unternehmen sein.

Verbürgte digital abrufbare Firmen- und Produktinformationen als Maß der Dinge? Nur wer diesen manifestierten Standard erfülle, erhalte zum Beispiel die volle Fördersumme, konstruierte Tiefensee.

Paradebeispiel eines jungen Start Up-Unternehmens

Das System könne zugleich Fehler ausschließen, wie sie etwa bei Corona-Zahlungen an Firmen in anderen Bundesländern massenweise aufgedeckt wurden.

In Thüringen, so der Wirtschaftsminister, gebe es lediglich ein halbes Dutzend juristisch verfolgte Fälle, wo sich Firmen Corona-Zuschüsse unter falschen Angaben erschlichen.

Evan mit den drei Köpfen Thomas Müller, Thomas Herbst und André Münnich ist ein Paradebeispiel eines Start Up-Unternehmens, das nach den typischen Schwierigkeiten der Anfangsphase Fahrt aufgenommen hat, dozierte Thomas Müller.

Spitzen des Mittelstandes von der Digitalisierung überzeugen

Sieben Prozent des Kapitals investierte das Beteiligungsmanagement des Landes in die Firma. Diese Summe soll demnächst aufgestockt werden, deutete Müller an.

Müller und Herbst führten dem Minister den Werdegang, die Probleme der Corona-Zeit, Visionen und Chancen vor Augen. Und nicht zuletzt die größte Aufgabe: die Überzeugung der Spitzen des Mittelstandes von der Digitalisierung. Viele verstünden darunter den Wechsel von Fax zu E-Mail, nicht die tatsächlichen Dimensionen.

Deshalb sind die Köpfe von Evan nicht nur Entwickler von Geschäfts-Netzwerken und Plattformen, sondern Aufklärer und Missionare. „Die schwierigste Arbeit ist, Entscheider zu überzeugen und ihr Vertrauen zu gewinnen“, sagt Müller.

Die Mauer des Skepsis gegenüber Neuerungen einreißen

Warum soll ich etwas leisten, wovon Partner und Mitstreiter auch profitieren? Die Wand der Skepsis will das Evan-Team anpicken, sie im besten Fall einreißen.

Es gehe freilich um ein Produkt, um den Aufbau von Digitalkompetenzen in Unternehmen, um kooperative Wertschöpfung. Aber zuerst gehe es um die Philosophie, die Einsicht in die Notwendigkeit.

Der Schulterschluss von Industrie und Technologie, bestätigte Wirtschaftsminister Tiefensee die Evan-Mannschaft, könne Thüringen mit seinen vielen kleinen Firmen als Netzwerk auf lange Sicht konkurrenzfähig machen.

Persönlicher Kontakt durch weniger Messen erschwert

Auch die Evan GmbH wurde durch Corona in Details gestoppt. In Barcelona war bereits ein Büro klar gemacht, sollte die Internationalisierung aufgebaut werden. Daraus wurde durch Corona nichts, berichtet Thomas Herbst.

Die angesprochene Überzeugungsarbeit sei in Corona-Zeiten noch schwieriger als sonst. Es gäbe weniger Messen und Zusammenkünfte und damit auch weniger Dialog Auge in Auge. Aber einige „Leuchttürme“ als Partner seien mittlerweile Türöffner.

Tiefensee verwies bei seiner Sommer-Tourstation auf das Förderprogramm „Digital Bonus“ und darauf, dass er die besonders schwierige Situation der Automobilzulieferer mit dem (drohenden) Wegfall zahlreicher Arbeitsplätze in der Wartburgregion kenne.

In erster Linie müssten sich die betroffenen Unternehmen selbst dieser Herausforderung stellen und sich neue Standbeine schaffen. Wie das erfolgreich funktionieren kann, erfuhr Tiefensee beim Elektronik-Hersteller Phoenix Mecano in Wutha-Farnroda.