Würdiger Beginn einer neuen Spielzeit

Gotha  Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach: Eine vorzügliche Clara-Schumann-Kennerin als Solistin und ein neuer Chefdirigent begeistern ihr Publikum bei ersten Sinfoniekonzert der Saison in Gotha.

Bevor sich Ragna Schirmer, die Solistin des Abends, an den Flügel setzte, gab sie eine ­kenntnisreiche Einführung in Clara Schumanns Klavierkonzert.

Bevor sich Ragna Schirmer, die Solistin des Abends, an den Flügel setzte, gab sie eine ­kenntnisreiche Einführung in Clara Schumanns Klavierkonzert.

Foto: Dieter Albrecht

Neue Spielzeit, neuer Chefdirigent und die Solistin ein künstlerisches Schwergewicht von internationalem Kaliber. Auf dem Programm Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann – und von deren oft unterschätzten weiblichen Pendants: Fanny und Clara.

Wie angekündigt, gab Dirigent Markus Huber zuvor eine lebendige, sachkundige, gut verständliche und den kommenden Kunstgenuss beflügelnde Einführung in die Werke des Abends. Zu Beginn erklang Robert Schumanns Opus 52 – Ouvertüre, Scherzo und Finale in E-Dur, im Gegensatz zu den vier Sinfonien eher auf heitere Leichtigkeit und populäre Eingängigkeit setzend. Nicht zuletzt bestach das Werk durch seine transparente Instrumentation bereits in der Ouvertüre, hübsche Dialoge von Holz und Streichern im Scherzo sowie die barocke Traditionen aufgreifende Polyphonie und seinen geradezu hymnischen Schluss.

Clara Wiecks hochvirtuoses und emotionsgeladenes Klavierkonzert a-Moll op. 7 erwies sich, wenngleich noch sehr an Chopin erinnernd, in der fabelhaften Interpretation Ragna Schirmers als ein genialer Wurf der gerade mal 14- bis 16-jährigen Clara Wieck. Wie recht hat Huber, wenn er die Pianistin als „Reinkarnation von Clara Schumann“ bezeichnet! Ihre Zugabe, Roberts Schumanns „Träumerei“ – das war frei strömendes Fühlen in schönster Form. Selbst äußerste Freiheit in Rhythmus und Tempo ließ das populäre Stück nicht in Romantik- Kitsch abgleiten.

Nach der Pause gab‘s die Ouvertüre C-Dur der 29-jährigen Fanny Mendelssohn. Wirklich schöne Musik, die allerdings nicht mithalten kann mit dem Esprit, den die „Italienische“ ihres Bruders Felix ausstrahlt.

Dessen 4. Sinfonie A-Dur op. 90 mit ihren mannigfaltig aufgefächerten Stimmungsbildern – mal tief sinnend, mal anmutig, mal flirrend leicht und dann wieder kraftvoll – geriet zum beglückenden Abschluss des Auftaktkonzerts. Beglückend nicht zuletzt deshalb, weil Dirigent und Orchester sich als optimal agierende Einheit präsentierten.

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