Wutha-Farnroda: Abschied mit mehr als einem weinenden Auge

Wutha-Farnroda  Nach 18 Jahren räumt Torsten Gieß den Bürgermeister-Sessel in Wutha-Farnroda.

Torsten Gieß verlässt nach 18-jähriger Dienstzeit als Bürgermeister das Rathaus in Wutha-Farnroda.

Torsten Gieß verlässt nach 18-jähriger Dienstzeit als Bürgermeister das Rathaus in Wutha-Farnroda.

Foto: Peter Rossbach

Wutha-Farnroda. „Natürlich gehe ich mit mehr als nur einem weinenden Auge. Das war 18 Jahre lang ein bestimmender und schöner Teil meines Lebens“. Torsten Gieß verlässt am 14. Januar das Rathaus in Wutha-Farnroda. 18 Jahre war er Bürgermeister in der Erbstromtalgemeinde. Nun ist Schluss.

Bereits im vergangenen Jahr war er krankheitsbedingt mehrere Monate ausgefallen und das führte auch dazu, dass er zur Wahl im Herbst nicht mehr antrat. Der bisherige Beigeordnete Jörg Schlothauer setzte sich dort im ersten Wahlgang überzeugend durch. „Mir wird die intensive Begegnung mit den Menschen, die ein Bürgermeisteramt erfordert, sehr fehlen“, sagt Gieß.

Erst Touristenführer, später Bürgermeister

Der 52-Jährige ist verheiratet, hat ein Kind und wohnt in Wutha-Farnroda und gehört der Feuerwehr an, singt im Chor. Beruflich begann er als Touristenführer auf der Wartburg. Es folgte die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten im Landratsamt Eisenach und er baute seinen Diplom-Verwaltungswirt (FH). Nach ein paar Jahren im Landratsamt des Wartburgkreises wurde Gieß Anfang 2003 in Wutha-Farnroda zum Bürgermeister gewählt.

Damals folgte er auf Ernst Kranz, der für die SPD in den Bundestag einzog. Da war Wutha-Farnroda noch SPD-Hochburg. Auch Gieß gehörte dieser Partei an, schließlich war er 1989 Mitbegründer der SDP-Ortsgruppe in Eisenach. Mit seiner politischen Heimat aber fremdelte er zunehmend. Als die Thüringer Parteioberen eine Zusammenarbeit mit der Linken bis hin zur Koalition ankündigten, war Schluss „Noch an diesem 18. November 2013 habe ich mein Parteibuch zurückgegeben“.

Auch als Bürgermeister hatte er nicht nur Freunde. „Wer in solch einem Amt ist und das in manchmal auch turbulenten Zeiten, muss mit Gegenwind rechnen. Den hatte ich und das war okay. Allerdings habe ich auch persönliche Anfeindungen erlebt, die man nicht vergisst“, so Gieß. Da gab es Amtsenthebungsverfahren, Disziplinarverfahren – alles verlief im Sande.

Gerade in der Debatte um die Umverlegung der B19 durch den Thüringer Wald samt Tunnel bei Mosbach sei manches zum Teil völlig aus dem Ruder gelaufen. Aber bei Gieß ist die Erkenntnis da, „dass auch ich manchmal verletzend geworden bin, manchmal im Eifer des Gefechts übers Ziel hinaus geschossen bin. Das bedauere ich sehr“.

Wohnungsgesellschaft wieder in ruhigerem Fahrwasser

Beim Blick auf die Entwicklung der Gemeinde unter seiner Ägide gebe es allerdings kaum etwas, was er bedauern müsse. Was die Infrastruktur angehe, die Gewerbeentwicklung, den Kita-Bereich oder Tourismus und anderes, habe sich sehr viel bewegt. Und die größte Baustelle von seinem Amtsbeginn, die Wohnungsgesellschaft (WOG), fahre wieder in deutlich ruhigerem Fahrwasser.

Das Schöne und Spannende am Bürgermeisteramt „ist die Vielfältigkeit, alle Themen des Lebens landen auf deinem Schreibtisch. Und da ist es schön zu erleben, dass man ein paar Räder drehen und den Menschen helfen kann.“

Was er nun selbst angehen will, weiß Torsten Gieß noch nicht so recht. „Als Bürgermeister hast du keinen Acht-Stunden-Tag und es braucht vollen Einsatz und Konzentration“. Da kämen die Familie, Haus und Garten manchmal zu kurz. Das will Gieß ändern. Ansonsten kann er sich was in Richtung Beratertätigkeit oder in Sachen Geschichte/Tourismus vorstellen. „Da gibt es aber noch nix Konkretes“.