Zwischen Isolation und Quarantäne in Eisenach

Eisenach.  Die Telefon-Odyssee einer Eisenacherin. Zahl der nachgewiesenen Corona-Fälle in der Region steigt in der Amts-Statistik.

Eine besondere Form der Abstandswahrung gab es in dieser Eisenacher Fleischerei. Damit die Kunden in der Schlange nicht zu eng anstehen, wurden Kisten zur Abtrennung aufgestellt.

Eine besondere Form der Abstandswahrung gab es in dieser Eisenacher Fleischerei. Damit die Kunden in der Schlange nicht zu eng anstehen, wurden Kisten zur Abtrennung aufgestellt.

Foto: Norman Meißner

Die Zahl der Menschen, die sich am Freitag in der Eisenacher Karlsstraße aufhielten, war überschaubar. Und dennoch weist die Stadt noch einmal auf die wegen des Corona-Virus verschärften Regeln hin. Kontrollen des Ordnungsamtes hatten ergeben, dass Geschäfte und Cafés diese überwiegend einhalten. Alle aktuellen Infos im Corona-Liveblog

Es scheine aber so, dass die noch geöffneten Supermärkte als Treffpunkte mit Freunden und Familie genutzt würden. Hinweis der Stadt: Wer unbedingt einkaufen müsse, solle dies allein tun. „Ansammlungen in Supermärkten sind nicht gestattet.“

Auch am Freitag, 20. März, gab es wie jeden Tag um 16.30 Uhr die neuesten Coronafall-Zahlen vom Gesundheitsamt in Bad Salzungen. Danach gab es zu diesem Zeitpunkt in der Region zwölf nachgewiesene Fälle, zwei davon sind bereits wieder gesund. Von den noch Erkrankten wohnen sechs im Südkreis, drei im Nordkreis, einer in Eisenach. Demzufolge ist die Zahl der Erkrankten binnen 24 Stunden um vier gestiegen. Aufgelistet wird dort auch die Zahl der Menschen, die unter Quarantäne stehen. Das sind 98, somit 41 mehr als 24 Stunden zuvor (82 im Südkreis, 13 im Nordkreis und 3 in der Stadt Eisenach.

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Bislang stand bei der Stadt Eisenach in dieser Statistik immer eine 0. Und dies las Alexa K. (Name geändert, der Redaktion bekannt) jedes Mal wieder mit Erstaunen. Sie fühlt sich schon seit Donnerstag vergangener Woche als Quarantänefall – von Amtswegen. An diesem Donnerstag hatte die 51-Jährige erfahren, dass sie zwei Wochen zuvor mit einem nachgewiesen mit dem Corona-Virus infizierten Menschen zu Abend gegessen hatte.

Sie habe, so die Eisenacherin, darauf hin sofort das Gesundheitsamt kontaktiert, um zu erfahren, wie sie mit dieser Information richtig umgehen soll. Dort wurde ihr geraten, erst einmal zu Hause zu bleiben und auf den Rückruf einer Ärztin zu warten.

In diesem Rückruf habe die Ärztin gesagt, sie möge an diesem Nachmittag zu Hausen bleiben und auf einen weiteren Rückruf warten. „Es gab aber keine Nachfrage, mit wem ich zusammen lebe oder wen ich in der Zwischenzeit schon getroffen habe“, erinnert sich Alexa K. Einen weiteren Rückruf habe es nicht gegeben, sodass Alexa K. am nächsten Morgen wieder beim Gesundheitsamt anrief. Von einer Mitarbeiterin habe sie die Aufforderung bekommen, ab sofort zu Hause zu bleiben, was sie als Quarantäne-Anordnung aufnahm.

Als ihr Partner Erkältungssymptome mit Fieber aufwies, ging die Telefon-Odyssee am Samstag weiter. Unter der Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung sei zunächst kein Durchkommen gewesen und beim x-ten Versuch erhielt sie von der Erfurter Kontaktstelle die Aussage, dass es in Eisenach keine Teststelle gibt. „Wir sollten bis Montag warten, es erneut beim Gesundheitsamt versuchen und im Notfall die SMH anrufen“.

Auf Nachfrage beim Sankt-Georgs-Klinikum bekam sie am Sonntag eine weitere Hotline-Nummer und landete beim Gesundheitsamt in Bad Salzungen. Dort wurde gesagt, dass der Fall am Montag vorgestellt wird und sie einen Rückruf erhalte. Dieser erfolgte am Montag auch, mit dem Hinweis zum Hausarzt zu gehen und es sei auch für den Partner eine Quarantäne verhängt worden – zumindest haben sie es so verstanden. Aber einen Test gebe es für Patienten, die bereits Symptome aufwiesen, beim Amt ohnehin nicht, sondern nur beim Hausarzt. Der Partner von Alexa K. ist neu in der Stadt und hat noch keinen Hausarzt.

Auf eigene Initiative fand Alexa K. eine Eisenacher Ärztin, bei der Bekannte des Paares Teströhrchen abholen und nach dem Test auch wieder abgeben konnten. Bis das Ergebnis vorliegt, hat Alexa K. erfahren, kann es ein paar Tage dauern. Das ganze Prozedere kann sie beim besten Willen nicht nachvollziehen, weil sie und ihr Partner nun stark verunsichert sind.

Das Gesundheitsamt teilte auf Nachfrage mit, dass es sich hier um ein Missverständnis handeln müsse. Die Frau und ihr Partner seien nicht als Menschen geführt, für die eine behördlich angeordnete Quarantäne gelte. Eine solche Quarantäne-Anordnung werde überdies nur schriftlich erteilt, mit den Hinweisen, wie man sich zu verhalten hat, und welche Rechtsfolgen eine Nichtbeachtung haben kann. Nur in Fällen, die den vom Robert Koch Institut vorgegebenen Empfehlungen entsprechen, würde eine Quarantäne angeordnet und werde schnell ein Test auf eine mögliche Covid19-Erkrankung vollzogen. In mehreren Fällen sei bislang aber auch vom Gesundheitsamt schon eine sogenannte „häusliche Isolation“ angeraten worden. Das bedeute, dass sich der Patient freiwillig nur noch zu Hause aufhalte – wie gesagt: freiwillig.

Ob sie die mittlerweile über eine Woche anhaltende „Quarantäne“ freiwillig auf sich genommen hätte, weiß sie nicht, und was sie nun mit dieser Information anstellt, will Alexa K. entscheiden, wenn die Testergebnisse vorliegen. Sie habe sie sich aber „ein solches Agieren vom Gesundheitsamt vorher nicht vorstellen können“.