Erfurter Feuerwehr rückt 18 Mal zu Sabine aus

Erfurt.  Das Sturmtief richtete keine großen Schäden an, schränkte aber das öffentliche Leben ein. Sogar Trauerfeiern mussten abgesagt werden.

Am Hauptbahnhof blies der Sturm Fahrräder um.

Am Hauptbahnhof blies der Sturm Fahrräder um.

Foto: Sascha Fromm

Sturmtief „Sabine“ hat heulenden Wind und peitschenden Regen nach Erfurt gebracht. Die Feuerwehr ist seit Sonntagnachmittag in Alarmbereitschaft, am ICE-Kreuz fährt über Stunden hinweg kein ICE. Freizeiteinrichtungen und Friedhöfe wurden geschlossen. Von Katastrophen blieb die Landeshauptstadt aber trotz teils kräftiger Orkanböen verschont.

Die Bahn hatte den Betrieb der ICE seit Sonntagabend stufenweise bis auf Null zurückgefahren. „Zug fällt aus“ – das stand in der Halle des Hauptbahnhofes auch am Montagvormittag noch neben jedem ICE, der in den folgenden Stunden abfahren sollte. Die Regionalzüge hatten häufig Verspätung.

Im Reisecenter hatte sich der Ansturm der verunsicherten Fahrgäste gegen 11 Uhr am Montag beruhigt, und auch am Infoschalter stand keine Schlange mehr. „Eben standen die Leute noch bis zum Fahrstuhl“, sagte ein Bahn-Mitarbeiter.

Viele Möglichkeiten, gestrandeten Passagieren weiter zu helfen, hatten die Auskunfts-Mitarbeiter nicht. „Wir können nur auf den Nahverkehr verweisen“, sagte der Mann.

Die Feuerwehr registrierte in den ersten Stunden des Sturms 18 unwetterbedingte Einsätze, sagte Sprecher Lars Angler. „Zumeist handelte es sich um lose Dachziegel, Jalousien oder Äste auf den Straßen“, sagte er.

Der spektakulärste Einsatz sei durch ein umgestürztes Dixie-Klo verursacht worden. An der Autobahnauffahrt in Mittelhausen drehte „Sabine“ eine Ampel um, sodass sie in die falsche Richtung zeigte.

Schon am Sonntag war die Feuerwehr in Habacht-Stellung gegangen. Zusätzliche Kräfte wurden herangezogen, ein Einsatzstab für Ernstfälle vorbereitet. An die Freiwilligen Feuerwehren ging der Hinweis, dass für die Dauer des Sturms eine Festbesetzung nötig werden könnte.

„Wir haben die Entwicklung in den anderen Bundesländern verfolgt, in denen der Sturm zuerst eintraf“, sagt Lars Angler. „Im Vergleich zu manchen Orten haben wir Glück gehabt.“

Der Feuerwehr-Sprecher rechnet allerdings mit noch weiteren Einsätzen, die durch umgekippte Verkehrsschilder oder abgeknickte Äste ausgelöst werden. Der Sturm soll noch bis Mittwoch wüten, besagen die Prognosen.

Die Stadtwirtschaft verzichtete am Montag auf die Leerung von Glasglocken. Die speziellen Container werden am Kran zum Entsorgungsfahrzeug gehievt, was angesichts der Orkanböen mit Risiken verbunden war. „Ansonsten lag alles im üblichen Bereich“, sagte Sprecher Ivo Dierbach. „Einige Tonnen fielen um, aber es war nichts Gravierendes.“

Der Egapark und der Zoo blieben am Montag geschlossen. Der Zoo hatte bereits Sonntag 14 Uhr die Tore dicht gemacht. Grund war die Sorge vor fallenden Ästen. Sturmschäden seien bisher nicht registriert worden, sagte Sebastian Krüger vom Zoo.

Die Tiere, etwa die Affen, Flamingos oder Kängurus, blieben zumeist den ganzen Tag über in ihren Ställen. Giraffen und Elefanten durften kurz zum Luftschnappen vor die Tür, während ihre Ställe gereinigt wurden.

Die selbe Behandlung war für die Nashörner geplant. „Aber sie wollen bei dem Wetter eigentlich gar nicht raus“, sagte Sebastian Krüger. Ob der Zoo am Dienstag wieder öffne, werde am Morgen anhand des Wetters und der Prognosen entschieden.

Geschlossen blieben auch die Friedhöfe. Die Stadtverwaltung bat die Erfurter darum, auf einen Grabbesuch zu verzichten. Die geplanten Trauerfeiern und Beisetzungen wurden abgesagt.