Schicksal der Sinti und Roma thematisiert

Erfurt.  Unvermittelt steht der Besucher in der Ausstellung „Rassendiagnose Zigeuner“ im Landtag der Familiengeschichte von Marianne Rosenberg gegenüber.

Für eine flüchtige Betrachtung ist die Ausstellung „Rassendiagnose Zigeuner“ im Thüringer Landtag über Sinti und Roma eher nicht geeignet. Besucher sollten ein wenig Zeit mitbringen.

Für eine flüchtige Betrachtung ist die Ausstellung „Rassendiagnose Zigeuner“ im Thüringer Landtag über Sinti und Roma eher nicht geeignet. Besucher sollten ein wenig Zeit mitbringen.

Foto: Marco Schmidt

Der Pop-Sängerin der 1970er-Jahre, Marianne Rosenberg, und ihrer Familiengeschichte an diesem Ort zu begegnen, trifft die meisten Ausstellungsbesucher unvermittelt.

Viele Familienmitglieder in Auschwitz ermordet

„Er gehört zu mir“ war eines ihrer bekannten Lieder. Und im Familiensinn traf das wohl besonders auf ihren Vater Otto Rosenberg zu. Als 16-Jähriger kam er ins KZ Auschwitz. Es ist der Todesort seines Vaters, seiner zehn Geschwister, der Großmutter und weiterer Verwandter. Er durchlitt noch Buchenwald, Dora und Bergen-Belsen. Ihr Volk fand auch nach dem Krieg nicht die Anerkennung als Verfolgte des Naziregimes, ob Sinti-Deutsche oder Roma, die Ächtung blieb.

Bürgerrechtler der Sinti und Roma initiieren Ausstellung

Otto Rosenberg engagierte sich als Vorstandsmitglied im Zentralrat Deutscher Sinti und Roma. Die aktuelle Ausstellung, erstellt 2017, ist der Initiative der Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma zu danken. Sie führt von der jahrhundertelangen Stigmatisierung und Verfolgung durch die verschiedenen geschichtlichen Epochen und in vielen Ländern über die Entrechtung und den Genozid „im gesamten nationalsozialistischen Einflussbereich“ – bis in die Ausgrenzungen der Gegenwart.

Für eine flüchtige Durchquerung des Ausstellungs-Ganges neben dem Landtags-Foyer ist diese Ausstellung zu „schwere Kost“. Auch das Thema der Wanderausstellung vom Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma – „Rassendiagnose: Zigeuner“ – lässt die Besucher nicht in Scharen strömen. Doch wer wie Silvia C. und J. Kronacher extra gekommen und die Ausweis-Prozedur am gesicherten Eingang des Parlamentsgebäudes hinter sich gebracht hat, bringt auch Zeit mit.

Statistische Übersichten des Grauens

Das genaue Lesen der Informationstafeln birgt bei aller Bekanntheit der Verfolgung durch die Nazis, den betroffen machenden historischen Bildern der zumeist vernichteten Familienverbände und den statistischen Übersichten des Grauens manch bisher eher unbekannte Information. So wurde Otto Rosenberg in seiner Heimatstadt Berlin das erste Mal vor den Olympischen Spiele 1936 interniert, wie weitestgehend alle zur Minderheit gehörenden Berliner Sinti und Roma. Das Zwangslager gehörte zum Stadtbereich Berlin-Marzahn. Und die Ausstellung verweist explizit darauf, wie Kommunalverwaltungen die Verfolgung selbst in der Hand hatten – und umsetzten.

Rolle der kommunalen Verwaltungen hinterfragen

Galt das auch für Erfurt? Gibt es hier einen weißen Fleck in der Stadtgeschichte? Es bleibt nicht die einzige Frage nach dem Ausstellungsrundgang. Informationsmaterial liegt aus, fragen kann man unangemeldet aber niemanden. Geschäftig eilen die Landtagsmitarbeiter zu ihren Gesprächen, Terminen oder zur im Ausstellungsbereich befindlichen Poststelle.

Vielleicht deshalb noch ein Hinweis: In der Medienausgabe der Landeszentrale für politische Bildung neben der Staatskanzlei am Hirschgarten kann man sich kostenfrei weiteres Lesematerial abholen.

„Rassendiagnose: Zigeuner“, Ausstellung bis 23. Februar im Landtag, Jürgen-Fuchs-Straße 1, werktags von 8 bis 18 Uhr (außer an Plenartagen), für den Zutritt bitte einen Lichtbildausweis bereithalten

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