A-capella mit Zuckerguss beim „Ton-ART“-Festival in Ilmenau

Ilmenau  Besondere Bühnentechnik bei der Veranstaltung in der Festhalle. Zum Abschied erhält jeder Besucher eine CD

Während des gemeinsamen Musikstudiums in Freiburg hat sich 2008 die Gruppe Unduzo gegründet, die in Ilmenau auf der Bühne stand.

Während des gemeinsamen Musikstudiums in Freiburg hat sich 2008 die Gruppe Unduzo gegründet, die in Ilmenau auf der Bühne stand.

Foto: Andreas Heckel

Verstopfte Parkplätze Samstagabend rund um die Ilmenauer Festhalle kündigten es bereits an. Die betagte Spielstätte rüstet sich für ein Großereignis. Betagt ist aber das ganz und gar falsche Wort für das, was die Zuschauer erwartete. Denn was im 19. Jahrhundert mit der Wiederentdeckung alter Chormusik und deren Aufführung ohne Instrumente begann und als a-capella bekannt wurde, hat über die Comedian Harmonist in den 1930-ern heute mit den Beatboxern den Weg in die Jugendkultur gefunden. Das „TonART“-Spezial-Konzert stand in genau dieser Tradition.

Los ging es mit „Jukebox Hero“ von Foreigner, kraftvoll in den Saal geschmettert von 30 Sängerinnen und Sängern des Chores Greg is Back. Mit Martin Seiler haben die Augsburger einen Chorleiter gefunden, der seit 20 Jahren fester Bestandteil der süddeutschen A-capella-Szene ist. Rock, Pop, R&B und Jazz, das sind die Zutaten für die bunten Arrangements der Truppe. Aber auch die Filmmusik aus dem Dschungelbuch fand den Weg ins Repertoire. Bewegend war das Solo „Hallelujah“.

Konzert live ins Internet übertragen

Während des gemeinsamen Musikstudiums in Freiburg hat sich 2008 die Gruppe Unduzo gegründet, die nun die Bühne enterte. Ursprünglich waren das Leipziger, Hamburger und Freiburger. Erst in diesem Jahr ist Songschreiberin und Mezzosopranistin Julienne Mbodjé nach einem Castingmarathon dazu gestoßen. Sie wurde bereits in der Zeitung für ihre faszinierende Stimme, ihren Charme und ihr Selbstbewusstsein gelobt.

Ihre Alltagserfahrungen als Mensch mit afrikanischen Genen hat sie in einem eigenen Song verarbeitet. Fragen, ob man ihre wundervollen Locken einmal anfassen dürfe, ob sie Afrikanisch spreche und das Vorurteil, sie hätte den Rhythmus ja sicher in die Wiege gelegt bekommen, nerven sie, auch wenn sie lieb gemeint sein mögen.

Viel alltäglicher schienen da die Probleme von Beatboxer Julian Könrizer. Sein krachendes Mundorchester sorgt für Beifallsstürme im Konzert. Als Schlaflied für das eigene Kind ist das wohl eher nicht gemacht, eine Erfahrung, die das fachkundige Publikum mit ihm teilte.

Bass, Bariton, Texter und Manager der Truppe ist Richard Leisegang. Als Stütze fungierte er also nicht nur beim Auftritt von Cornelius Mack als Supermann. Aber was ist es, das jedes Jahr aufs Neue so hochkarätige A-Capella-Künstler nach Ilmenau zieht? Von der Bühne herunter gestehen sie, es liege am tollen Catering. Und richtig, hinter den Kulissen hatte die ehrenamtlichen Helfer alles aufgetischt, was Omas Rezeptbuch hergab, gekrönt vom Schokoladenkuchen mit „TonART“-Schriftzug in Zuckerguss.

Aber eigentlich ist es das unglaubliche Engagement des Vereines, den seit 2006 die Liebe zur A-Capella-Musik antreibt, weiterzumachen.

Unterstützt von treuen Sponsoren wurde auch in diesem Jahr Bühnentechnik aufgefahren, die sich keine andere Veranstaltung in der Ilmenauer Festhalle leistet. Die Studenten vom Medienprojekt iStuff waren mit sechs Kameras dabei, um das Konzert live ins Internet zu übertragen. Zum Abschied gab es für jeden Besucher des Konzerts am Ausgang eine CD der Ilmenauer Band „Get Souled“, die inzwischen leider aufgelöst wurde, in Ilmenau aber sicher für die Initialzündung A-Capella gesorgt hat.

Nach der Veranstaltung auf die gesunkene Besucherzahl angesprochen, sagte Organisatorin Mandy Frohberg: „Ja, das wird finanziell wieder eine ganz enge Kiste für uns. Hauptsache ist aber, dass es uns allen unglaublich Spaß gemacht hat, das Konzert auf die Beine zu stellen.“

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